11.04.2019

Anregungen des zweiten Pastoraltages des Bistums Erfurt

Bunt, vielfältig und engagiert

Liturgiearbeitskreise, eine neue Strukturreform sowie die Öffnung des Priesteramtes waren Anregungen der Teilnehmer des zweiten Pastoraltages des Bistums. Der Prozess „Gemeinsam Kirche sein“ soll weitergehen.

Ayline Plachta, Referentin im Seelsorgeamt und Missio-Beauftragte, leitete die Arbeitsgruppe des Pastoraltages zum Priesteramt.

 

Frauen, Priesteramt, Kinder und Jugend waren drei der Themen, die beim zweiten Pastoraltag „Gemeinsam Kirche sein“ diskutiert wurden. Los ging es, wie schon beim Pastoraltag in Heiligenstadt am 24. Februar, mit den Träumen. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Sebastian Böning aus Sömmerda wurde da in der Arbeitsgruppe zum Priesteramt sehr konkret. Er wünscht sich, Priestern die Eheschließung zu erlauben. Nach den Träumen ging es um deren Konkretisierung: Was ist realistisch, welche Schritte können gewagt werden? Notiert wurde die Forderung einer allgemeinen Öffnung des Priesteramtes für Männer, Frauen und Verheiratete. Das Bistum Erfurt solle – so die Arbeitsgruppe – bis Ende 2020 mit der Deutschen Bischofskonferenz darüber ins Gespräch kommen und Lösungen finden.
100 Gläubige waren am 31. März ins Bildungshaus St. Martin gekommen, um gemeinsam zu überlegen, wie das Bistum in Zukunft aufgestellt sein sollte. Schnell füllten sich die Pinnwände mit verschiedenen Themen, die Haupt- und Ehrenamtliche aus den Kirchorten mitgebracht hatten. Aus insgesamt 25 Themenkomplexen wurden 9 ausgewählt und in den Arbeitsgruppen kontrovers und konstruktiv diskutiert. Neben den drei oben benannten waren es: Missionarisch Kirche sein, Kirche und Gesellschaft, Spiritualität, Liturgie, Strukturen und Seelsorge.
Bischof Ulrich Neymeyr freute sich, dass die Kinder und Jugendlichen bei beiden Pastoraltagen ganz oben auf der Agenda standen. Kinder und Jugendliche seien nicht nur die Zukunft der Kirche, sondern deren Gegenwart, betonte der Bischof. Angeregt wurden hier, die Familiensonntage weiterzuführen und Material für deren Gestaltung anzubieten. In Sachen Liturgie wurde als Ziel die Entdeckung der liturgischen Vielfalt und die Einrichtung von Liturgiearbeitskreisen in den Gemeinden bis 2020 angeregt.
 
Diskussionsanregungen der Teilnehmer | Fotos: Holger Jakobi

 

Thema war zudem die Struktur und die Ebene der Entscheidungsfindung auf Bistumsebene. Gefordert wurde beispielsweise eine neue Strukturreform. Pfarrer im Ruhestand Joachim Kramer aus Gerstungen regte an, dass die Entscheidungen zukünftig von einem Gremium getroffen werden. In ihm sollen Pries-ter- und Katholikenrat sowie Fachtheologen mit der Bistumsleitung zusammenarbeiten. Entscheidungen, so Joachim Kramer, sollten in diesem Gremium gemeinsam erarbeitet und getroffen werden. Weiter wurde beim Pastoraltag zum Thema Seelsorge gefordert, dass sich diese verstärkt auf Menschen am Rande zubewegen soll.
 Die Ergebnisse und das Miteinander des Tages brachte Diakon Thomas Kappe, Referent im Seelsorgeamt, auf den Punkt: „Bunt, vielfältig und engagiert.“  Beim Pastoraltag wurde das Engagement von vielen Haupt- und Ehrenamtlichen deutlich, die Kirche gestalten wollen, so Thomas Kappe. Einige der Teilnehmer erklärten sich bereit, an den folgenden Arbeitsschritten mitzuarbeiten und die Themen aus den Heiligenstädter und Erfurter Pastoraltagen weiterzudenken. Eine erste Konkretisierung wurde erarbeitet. Sie soll in der  Karwoche an die Teilnehmer des Tages verschickt werden. Ein weiterer Schritt ist dann die Bistumswallfahrt im September. Im Zwischenprogramm sollen die Gespräche weitergehen. (jak/bip)
 
Im Wortlaut
Den Wandel der Kirche ermöglichen

Woran erkennt man, dass der Heilige Geist wirkt? An bewegenden Gottesdiensten, spürbar getragen von einer guten Gemeinschaft? Daran, dass man kontrovers diskutieren und dabei aufeinander hören kann? Daran, dass viele mitreden und auch etwas tun wollen? Daran, dass Erwartungen für die Zukunft hoch angesetzt werden und erst einmal von der Erfüllung ausgegangen wird? Daran, dass man intensiv arbeitet und dies in Freude tut? Wenn all dies zutrifft, dann war der Pastoraltag in Erfurt eine vom Heiligen Geist erfüllte Veranstaltung. In neun Arbeitsgruppen wurde kontrovers diskutiert, aber am Ende gab es sehr konkrete Ideen zur Umsetzung. Die Themen waren breit gestreut. Gesamtkirchlich bewegende wie die Rolle der Frauen in der Kirche oder die Rolle des Priesteramtes waren ebenso dabei, wie solche mit einem Außenblick: die Frage, wie wir missionarische Kirche sein können und wie Kirche und Gesellschaft einander zugeordnet sein könnten. Mit dem Thema Liturgie und Strukturen wurden konkrete Gemeindethemen besprochen. Drei Themen wiederholten sich vom Heiligenstädter Pastoraltag: die Frage der Weitergabe des Glaubens an Kinder und Jugendliche, Gesprächsgruppen zum Thema Spiritualität und die Seelsorge. In vielen Gesprächen wurde die Spannung zwischen alt und neu deutlich. Man hängt eigentlich an den gewachsenen Strukturen, es zeigt sich aber immer mehr, dass diese an eine Grenze kommen und sich manches verändern muss.
Die eigentliche Arbeit beginnt nun. In den nächsten Wochen werden alle Themen gesichtet und eine Reihenfolge der nächsten Schritte aufgestellt. Zum Glück haben einige Teilnehmer ihre Bereitschaft erklärt, beim Weiterdenken mitzumachen. In der Karwoche werden alle Teilnehmer die Ergebnisse und eine erste Schrittfolge für das Weitergehen bekommen. Für alle, die nicht dabei waren: Gern kommen Referenten des Seelsorgeamtes in die Pfarreien und führen einen kleinen Pastoraltag für die Bedürfnisse und Fragen der Pfarrei durch. So bleibt am Ende die Hoffnung und die Zuversicht auf den Heiligen Geist, der einen grundlegenden Wandel unserer Kirche ermöglichen möge.

Anne Rademacher