21.02.2019

Anstoss 08/19

Von Ängsten und Angstmachern

Jeder Mensch hat Angst. Das geht schon als Kind im Keller los und auch wir Erwachsenen fürchten uns: vor dem Tod, einem Autounfall und vor dem bösen Wolf, der ja gerade wieder in unseren Breiten Land gewinnt.


Für seine Angst muss man sich nicht schämen, es gibt Ängste die sind überlebenswichtig, es gibt solche, die kann und sollte man überwinden.
Schämen sollten sich allerdings diejenigen, die anderen Angst machen. Ja, für einige ist das Angstmachen geradezu zum politischen Geschäftsmodell geworden. Als ob wir in einem Land leben würden, wo alles den Bach runtergeht – und nicht in einem Land, das zu den sichersten und wohlhabendsten der Welt gehört. Nicht, dass man nichts kritisieren darf, aber: Wenn diffuse Ängste geschürt werden, sollte man sich schon fragen, welches politische Kalkül dahintersteckt. Ist es tatsächlich Vorsicht oder ist das Propaganda? Wer da aufpasst, wird merken, dass nicht überall, wo Angst draufsteht, Angst drin sein muss. Manchmal geht es um wirkliche Risiken, oft jedoch um komplette Falschaussagen. Da wird der Teufel an die Wand gemalt, Unsicherheit suggeriert, da traut sich mancher kaum noch raus, obwohl die Kriminalitätsrate seit Jahren sinkt. Wie beim bösen Wolf wird eine Debatte umso unsachlicher je aufgeregter die Protagonisten agieren. Gerade im Internet lässt sich diese Angstmacherei verfolgen. Nicht wenige fallen auf das hysterische Getöse herein, teilen mit großer Besorgnis wildeste Gerüchte und prügeln verbal auf Andersdenkende ein. Mit Ausnahme der technischen Verbreitungsform ist heutige Angstmacherei durchaus mit dem Aberglauben, dunkle Mächte und böse Geister zu vergleichen.

Angstmacher aller Zeiten sind vor allem an einem zu erkennen: Sie sehen überall Verschwörer am Werk, wissen ganz genau wer schuld ist, und meinen, allein die Wahrheit gepachtet zu haben. Sie suchen Sündenböcke und verkaufen sich als diejenigen, die als einzige die Lösung haben.  Das, so zeigt ein Blick in die Geschichte, geht fast immer schief. Christlich ist dieses „Huuhbuuh“ ohnehin nicht, denn „Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Timotheus 1,7)
 
Guido Erbrich, Roncalli-Haus Magdeburg