30.03.2015

Wann genau endet die Fastenzeit?

Früher hieß es häufiger, die Fastenzeit endet am Karsamstag um 12 Uhr. Kürzlich sprach jemand sogar von elf Uhr. Die Fastenzeit müsste doch mit der Feier der Osternacht enden, oder? U. W., per E-Mail

 

Die Fastenzeit endet sogar noch früher: am späten Nachmittag des Gründonnerstag. Allerdings muss man dafür klären, was mit Fastenzeit gemeint ist: die liturgische Zeit vor Ostern oder die Zeit zu fasten. Am Gründonnerstagabend endet die liturgische „Fastenzeit“. Der deutsche Begriff ist etwas unglücklich, weil es nicht allein ums Fasten geht, sondern darum, sich als Christ neu auf Ostern auszurichten. Weil die Vorbereitungszeit auf Ostern 40 Tage dauert, wurde das lateinische Wort für 40, „quadragesima“, zum Fachbegriff für diese Zeit.

Ihre Erinnerung ist insofern richtig, als die Kirche lange Zeit den Karfreitag und Karsamstag ebenfalls zur Quadragesima zählte. Außerdem wurde jahrhundertelang die Ostervigil, also die Auferstehungsfeier, unsinnigerweise am Karsamstagmorgen gefeiert, meist nur als Liturgie von Klerikern. Und nachdem die Jesu Auferstehung gefeiert hatten – also am Karsamstagmittag –, war die Fastenzeit vorbei, durfte „das Volk“ wieder zu Wurst und Wein greifen. Das hat sich in der Erinnerung niedergeschlagen.

Seitdem die Kar- und Osterliturgie in den 1950er und 1960er Jahren reformiert worden ist, wird, wie schon in den allerersten Jahrhunderten, die Zeit vom Gründonnerstagabend an zum österlichen Triduum gerechnet. Das sind die drei heiligen Tage, an denen wir Christen an Leid, Sterben, Tod und Auferweckung Jesu Christi denken und diese Ereignisse feiern. Natürlich bleibt weiterhin der Karfreitag ein gebotener Fast- und Abstinenztag. Und auch am Karsamstag wird man sich als Christ noch nicht aufs Buffet stürzen.

Fazit: Die liturgische Fastenzeit geht bis Gründonnerstag, die Zeit zu fasten dauert bis zur Osternachtfeier. Nach der Feier des höchsten Fests der Christenheit wird man auch wieder die Gläser erheben und sich ein köstliches, ausgiebiges Mahl gönnen.

Von Roland Juchem