03.03.2022

Verschiedene Perspektiven im Blick auf die Gestaltung lebendiger Gottesdienste

Mehr experimentieren

Die dritte Anhörung durch Bischof Gerhard Feige im Vorfeld der Weltsynode war der Liturgie gewidmet. 50 Teilnehmer brachten verschiedene Perspektiven im Blick auf die Gestaltung lebendiger Gottesdienste ein.


Das Thema Gottesdienste stand im Mittelpunkt des letzten Online-Hearings im Blick auf die Weltbischofssynode 2023.    Grafik: Bistum Magdeburg

„Lebendige Gottesdienste fördern die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch und den Menschen untereinander. In den liturgischen Feiern muss die Lebenswirklichkeit der Menschen zur Sprache kommen. Viele Akteure sollten beteiligt sein. All dies kann in sehr verschiedenen Formen wie Eucharistie- und Wortgottesfeier, Tagzeitengebet, bei Taufen und Beerdigungen ... geschehen.“ Darin waren sich die 50 Teilnehmer des dritten Internet-Bistums-Hearings „... das Leben feiern“ zur Weltsynode weithin einig. Dazu gab es viele ermutigende, aber auch kritische Anmerkungen und Wünsche.
„Intensive Feiern habe ich erlebt, wenn es gelungen ist, aus der Gemeinde eine Gemeinschaft zu machen“, betonte Lucia Horst. Bernd Krueger macht als Religionslehrer die Erfahrung, dass Schüler dort, wo sie sich in Gottesdienste einbringen können, innerlich dabei sind. In Gemeindegottesdiensten sei dies hingegen des öfteren leider nicht gegeben. Eva-Maria Rehm hielt fest: „Ich finde es auch gut, dass es Gottesdienste gibt, in die man sich einfach reinfallen lassen kann.“
Das Thema „…das Leben feiern“ hatten die Verantwortlichen vom Fachbereich Pastoral für das Hearing mit folgenden Fragen konkretisiert: „Mit welchen liturgischen Formen gelingt es der katholischen Kirche, mit den Menschen das Leben zu feiern?“ Und: „Wie gelingt es, das Leben in seinen Höhen und Tiefen zu feiern und vor Gott zu bringen?“
Christian Krause zum Beispiel hat mit seiner Familie in der Pandemiezeit Haus-Gottesdienste als Möglichkeit liturgischen Feierns entdeckt. Dabei seien dann lebensnahe Fürbitten, die Auswahl der Lieder, der Segen wichtig. Sogar Postkarten an Einsame habe er im Haus-Gottesdienst mit seiner Familie geschrieben. Auch für Barbara Striegel hat die Pandemie bewirkt, „Liturgie ganz anders wahrzunehmen“. Sich anmelden zu müssen, Abstand zu halten und kaum singen zu können, seien schwierige Umstände. In der von ihr geleiteten kfd-Gruppe hätten sie zu viert und zu fünft draußen für sich Maiandachten gestaltet und dies als etwas sehr Bewegendes erfahren. „In Kleingruppen selbstständig Liturgie zu feiern, wird in Zukunft noch viel wichtiger werden“, ist Striegel überzeugt.

Laien, Frauen wie Männer, für Predigt qualifizieren

Bischof Gerhard Feige hatte in seinem Eingangsstatement zum Hearing betont, es sei ein Verdienst der liturgischen Bewegung sowie des Zweiten Vatikanischen Konzils gewesen, das Bewusstsein für das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen zu stärken. Damit sei zugleich die geistliche und liturgische Kompetenz aller Getauften und Gefirmten betont worden. Feige: „Darin werden sie aber oftmals zu wenig bestärkt und ermutigt. Im Gegenteil, wir können immer noch eine Priesterzentrierung wahrnehmen.“
Patricia Erben-Grütz warb nach einem Vorstoß des Diözesanverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) bereits im Oktober 2021 (Tag des Herrn berichtete) erneut für die stärkere Beteiligung „von theologisch und geistlich qualifizierten Laien, insbesondere Frauen, am eucharistischen Verkündigungsdienst“. Dies wird auch beim Synodalen Weg angestrebt. Der kfd-Diözesanverband schlägt vor, im Bistum einen Arbeitskreis zu gründen, dem neben interessierten Laien auch Predigt erfahrene Priester oder Ausbilder angehören. Für die Beteiligung von Laien am Predigtdienst brauche es jedoch „die Solidarität von Klerus und Kirchenvolk“, betonte Erben-Grütz. Und ergänzte: „Schließlich bedarf es auch einer Willensbekundung von Seiten der Bistumsleitung, dass eine solche Dienstübernahme gewollt ist und unterstützt wird.“
„Ich glaube, dass unseren Liturgien nicht selten die Beziehungsebene fehlt“, beklagte Bernd Krueger. Damit Menschen liturgische Feiern wichtig bleiben oder sogar wichtiger werden, sei es geboten, „mehr Sensibilität für eine zeitgemäße Sprache in Gebetstexten“ an den Tag zu legen, schrieb Matthias Marcinkowski im Chat nach der Arbeit in Kleingruppen. Zudem müssten tagesaktuelle Themen aufgegriffen werden. Das unterstrich auch Annette Thaut: „Manche Gebets- und besonders auch alte Liedtexte passen nicht mehr in unsere Lebenswirklichkeit. Die Bibelwissenschaft hat viele neue Erkenntnisse. Wann wird versucht, diese in unserer Liturgie einzubringen?“
Eberhard Tiefensee drängte dazu, mehr Zeit und Kraft in die Vorbereitung von Gottesdiensten zu investieren und die Menschen „mit ihren Gefühlen und in ihren Umständen“ einzubeziehen. Das schließe die verwendeten Texte ein, so Tiefensee, der sich als Pensionärs-Priester in Leipzig engagiert: „Ich nehme keine Gebete mehr aus dem Messbuch.“ Die aus dem Lateinischen einfach ins Deutsche übersetzten Texte seien für einen lebendigen Gottesdienst nicht mehr brauchbar.

Vorhandene Ressourcen nutzen

Stephan Werner nimmt „eine große mentale Erschöpfung“ unter Gemeindemitgliedern war. Es sei für so manche schwer zu realisieren, dass auch die kirchliche Situation nicht mehr so sein wird, wie sie einmal war. Der Priester hält es gerade auch im Gottesdienst für wichtig, großzügig mit Grenzen von Menschen umzugehen, die bereit sind, sich mit ihren Möglichkeiten einzubringen. Wolfram Wessel sprach sich dafür aus, vorhandene Ressourcen zu nutzen, etwa „begabte Frauen und Männer mit dem Verkündigungsdienst zu beauftragen“ und „nicht dem Vergangenen nachzulaufen, sondern mehr Experimentierfreude an den Tag zu legen!“
Bischof Feige hatte zu Beginn des dritten Hearings auch an den „rituellen Dienst für die Gesellschaft“ erinnert, den Christen etwa bei Trauerveranstaltungen nach Unglücken oder bei den „Feiern der Lebenswende“ für konfessionslose Jugendliche leisten. Am Ende der Anhörung verwies der Bischof auf die Bedeutung der Feier der Göttlichen Geheimnisse. Die Kirche in der Sowjetunion habe allein durch die Feier der Liturgie über Jahrzehnte hinweg überlebt.
Eine Arbeitsgruppe im Bistum soll nun – auch auf Basis der drei Hearings mit Gerhard Feige – für die Bischofskonferenz eine zehnseitige Bestandsaufnahme zur Situation erstellen. Aus den Berichten aus den Bistümern wird die Bischofskonferenz dann ihren Beitrag zur Vorbereitung auf die Weltbischofssynode 2023 in Rom einreichen.

Von Eckhard Pohl