12.05.2022

Ausstellung über Pfarrer Albert Willimsky in Friesack

Priester und Märtyrer

In der Rosenkranzkapelle im havelländischen Friesack erinnert eine Ausstellung an den früheren Pfarrer Albert Willimsky. Er starb 1940 im KZ Sachsenhausen und war der erste von den Nazis getötete Priester im damaligen Bistum Berlin.


Dompropst Tobias Przytarski feierte zusammen mit den Pfarrern Christoph Zimmermann, Bernhard Schlosser (links) und Michael Ritschel (rechts) den Gottesdienst im Garten des ehemaligen Pfarrhauses, das Willimsky 1927 errichten ließ.    Foto: Oliver Gierens

Die kleine Kapelle im historischen Ortskern von Friesack (Havelland) wirkt auf den ersten Blick unscheinbar und mit mehrern Rissen in den Wänden auch ein wenig marode. Seit 1878 war die Rosenkranzkapelle das Gotteshaus für die katholischen Christen in der Gemeinde – und wurde 2014 von dem privaten Verein „Deo iuvante“ übernommen, der die Kapelle dauerhaft sichern und erhalten will.

Eine Kapelle als Erinnerungsort

Denn das Gebäude hat viele Geschichten zu erzählen – unter anderem vom ehemaligen Friesacker Pfarrer Albert Willimsky, der sich mutig und entschieden gegen den Nationalsozialismus stellte und dafür als erster Geistlicher des damaligen Bistums Berlin im Jahr 1940 mit dem Leben bezahlte.
Jetzt wurde in der Friesacker Kapelle eine Ausstellung über sein Leben eröffnet, die bis zum 29. Mai dort zu sehen ist. Dann wandert sie weiter an andere Orte seines Wirkens.
„Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat.“ Diese Worte Jesu aus dem Johannesevangelium zitierte der Berliner Dompropst Tobias Przytarski, der zur Eröffnung der Willimsky-Ausstellung nach Friesack gekommen war und im Garten des ehemaligen Pfarrhauses eine heilige Messe feierte.
Denn Willimskys Treue zur katholischen Kirche sei die Motivation dafür gewesen, sich gegen den Nationalsozialismus zu stellen, sagte der Dompropst in seiner Predigt. Und er fragte: „Bin ich bereit, Freiheit, Gesundheit und Leben für die Wahrheit zu riskieren?“
Pfarrer Albert Willimsky ist diesen Weg gegangen. Auf mehreren Ausstellungstafeln können sich die Besucher ein Bild von diesem kurzen, aber ereignisreichen Leben machen. 1890 im tief katholischen Oberschlesien geboren, kam er Anfang der 1920er Jahre nach Berlin, wo er als Pfarrer die tiefe Diaspora kennenlernte – und bei einigen evangelischen Amtsbrüdern auf Vorbehalte und Ablehnung stieß. Von 1927 bis 1935 war er Pfarrer in Friesack und erlebte den Aufstieg der Nazi-Herrschaft hautnah mit. Als er 1933 einen Wahlaufruf der katholischen Zentrumspartei verteilte, geriet er ins Visier der neuen Machthaber.
Im nahe gelegenen Paulinen- aue legte er sich wegen des Religionsunterrichts mit den Behörden an. Ab 1935 begann für ihn eine Odyssee mit mehreren Versetzungen nach Gransee und Stettin-Podejuch, bis er nach zweimaliger Haft schließlich ins Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin eingeliefert wurde. Hier starb er am 22. Februar 1940, angeblich an einer Lungenentzündung.

Engagiert gegen den Nationalsozialismus

Unterstützung für die Willimsky-Ausstellung kommt auch von der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung. Deren Leiterin Martina Weyrauch war am Freitag eigens nach Friesack gekommen, um bei der Eröffnung dabei zu sein. „Als im Herbst 2019 zwei Personen in meinem Büro aufgetaucht sind, um mir von dem Projekt zu erzählen, war ich total begeistert“, so Weyrauch in ihrem Grußwort. Sie ermutigte zu ähnlichen lokalen Initiativen, für die es finanzielle Fördermöglichkeiten gebe. „Wir unterstützen Sie, wenn Sie etwas vorhaben. Irgendwo ist immer Geld da.“

Tourismusseelsorge in Barth aufgebaut

Einen Plan hat Matthias Rehder, Vorsitzender des Trägervereins, bereits: Die Ausstellung soll ins Polnische übersetzt werden, da Albert Willimsky auch polnische Wanderarbeiter betreut hat. Zunächst aber wird sie Anfang Juni in die evangelische Stadtkirche St. Marien nach Gransee umziehen, dann ab 1. Juli in der katholischen Kirche in Barth bei Zingst (Vorpommern) zu sehen sein. Hier baute Pfarrer Willimsky in den 1920er Jahren die Tourismusseelsorge auf – eine der vielen Stationen seines Wirkens, die in der Ausstellung in Friesack zu sehen sind.

Von Oliver Gierens

www.deo-iuvante-havelland.de