18.09.2014

Gedenktag für den letzten Bischof von Naumburg-Zeitz, Julius Pflug

Ökumeniker der ersten Stunde

Zeitz. Anlässlich des 450. Todestages des letzten katholischen Bischofs des Bistums Naumburg-Zeitz, Julius Pflug, waren dem schon Mitte des 16. Jahrhunderts für die Einheit der Kirche engagierten Seelsorger am 6. September in Zeitz ein Gottesdienst und eine Tagung gewidmet.

 Es kommt darauf an, dass Verbindende der christlichen Konfessionen untereinander herauszustellen. Daran erinnerte Ordinariatsrat Thomas Kriesel im Festgottesdienst anlässlich des 450. Todestages von Bischof Julius Pflug im Zeitzer Dom. Fotos: Eckhard Pohl

Für Kirchenhistoriker Joseph Pilvousek gehört Julius Pflug (1499-1564) zu den „bedeutendsten Vermittlungstheologen der Reformationszeit“. Vermittlungstheologie „meint eine Theologie, die im konfessionellen Zeitalter im Streit zwischen den Religionsparteien mit dem Ziel der Einheit vermitteln wollte, ohne die Wahrheit zu verletzen“, erläuterte der emeritierte Professor für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit von der Theologischen Fakultät Erfurt bei seinem Festvortrag am 6. September im Schloss Zeitz.

Ein Mann der Seelsorge mit persönlicher Integrität
Der Name Julius Pflug, – er selbst hat trotz adliger Herkunft oft mit Julius Pflug unterschrieben – sei mit zahlreichen Religionsgesprächen verbunden, die zuerst in Sachsen, dann im Deutschen Reich im größeren Rahmen von 1530 bis 1557 stattfanden und zu denen man ihn jedesmal einlud, so Josef Pilvousek bei der ganztägigen Tagung, zu der unter dem Motto „Erhalten, ertragen, erneuern“ der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt, das Museum Schloss Moritzburg, Zeitz, die Katholische Akademie des Bistums und die Pfarrei Zeitz eingeladen hatten. Pflug habe den Religionsgespräche seiner Zeit von Anfang bis Ende beigewohnt. „Anfangs nahm er bereitwillig daran teil, aber sein Eifer erlahmte in dem Maße, in dem die Gespräche aufeinanderfolgten und ergebnislos blieben.“
Während seines Studiums der Freien Künste und der Rechtswissenschaft in Leipzig hatte Pflug intensiv den Humanismus kennengelernt. Er unterhielt Briefkontakte mit Erasmus von Rotterdam, Ulrich von Hutten, Philipp Melanch-
thon und Martin Bucer.
Pflug empfing nie die Priester- und die Bischofsweihe. „Die Jurisdiktion (Amtsgewalt), die ihm von Rom verliehen worden war, genügte ihm zur Ausübung des bischöflichen Amtes, wie er es verstand“, so Kirchenhistoriker Pilvousek. Auch richtig Theologie studiert habe Pflug offenbar nicht, sich aber durch seine Korrespondenzen und Gespräche und durch Selbststudium ein erhebliches theologisches Wissen angeeignet.
Während seines Episkopates nahm er „als Vertreter der Katholiken an Religionsgesprächen und etwa ein halbes Jahr am Konzil von Trient (1551/52) teil“. Er bemühte sich in zahlreichen Schriften um die Wiederherstellung der religiösen Einheit Deutschlands. Von vielen geschätzt, blieb sein Andenken bei Katholiken wie bei Anhängern Martin Luthers bis heute lebendig, so Pilvousek. Pflug „liebte seine alte katholische Kirche“. „Seine juristische und theologische Kompetenz“ machten ihn reichsweit bekannt.“ Und: „Seine persönliche Integrität sowie das ihm eigene seelsorgerliche Engagement trugen ihm die Sympathie auch der Protestanten ein“.
Kirche Christi und Einheit der Kirche im einen Leib Christi sind für ihn untrennbar, Heil kann es nur in der Kirche geben. „Nirgends begründet Pflug die Einheit der Kirche aus äußeren Gegebenheiten, aus bestimmten Formen ihres Aufbaus“, so der Kirchenhistoriker. Die Einheit kommt für ihn von Christus, von innen her. „Trotz ihrer Geisterfülltheit erkennt Pflug die Missstände in der Kirche immer wieder offen an.“ Diese gelte es, abzustellen. Doch er hält es für falsch, die Kirche wegen der Missstände abzuschaffen und eine neue zu errichten.
Als Bischof ließ Pflug an allen Kirchen außer in seiner Kathedrale lutherische Prediger und Gottesdienstformen zu. (Die Menschen waren weithin zur neuen Lehre gewechselt.) Wo möglich, wirkte er „reformerisch und erwies sich in vieler Hinsicht als Vorläufer und Vorkämpfer für jene Reformen, die vom Konzil von Trient partiell übernommen wurden“.

Mit Grundhaltungen heutiger Ökumenizität
„Alle ihm Anvertrauten“, so Pilvousek, „will Pflug zum Heil führen, ob sie nun noch der alten Kirche die Treue bewahren oder der neuen Lehre anhängen. Ihm geht es letztlich nicht um die Durchsetzung des von ihm für richtig gehaltenen Bekenntnisses. … Jedwede Gewalt ist ihm zuwider. … Er versucht jedem, den Glauben an den Erlöser Christus lebendig zu machen, die Christen von der Notwendigkeit der Buße zu überzeugen, sie zu ihr zu bewegen und sie zur wahren Kirche Christi zu führen“. Dabei kommt er den von protestantischer Seite eingeführten Neuerungen – wie etwa einem stark biblischen Bezug oder der nachdrücklichen Betonung der Gnade und Erlösung aus dem Kreuzestod Jesu – entgegen, was ihm nach Meinung von Pilvousek zu unrecht den Verdacht einbringt, „im Herzen der Lehre der Reformation sehr zugetan zu sein“. Jedenfalls sei in seinen Schriften nichts gefunden worden, „was der kirchlich verbindlichen Lehre seiner und vielleicht sogar der heutigen Zeit widerspricht“.„Pflug versucht mit allen erlaubten Mitteln das Gehör und Vertrauen der ihm Anvertrauten und der von ihm Angesprochenen zu gewinnen, ohne dabei irgendetwas Wesentliches aufzugeben; aber er spricht eine Sprache, die sich der neuen Zeit anpasst.“ „Vielleicht“, so Pilvousek weiter, „könnte man sogar behaupten, dass er dem Ziel jahrzehntelang gedient hat, das wir heute Ökumene nennen“. Jedenfalls „verkörperte er bereits vor 450 Jahren manche sehr wesentliche Grundhaltungen heutiger Ökumenizität“.
Zu Beginn des Julius-Pflug-Gedenktages fand im Zeitzer Dom unter Leitung von Bischof Gerhard Feige ein Festgottesdienst statt. In seiner Predigt erinnerte Ordinariatsrat Thomas Kriesel aus Magdeburg daran, dass es letztlich der Glaube an die Erlösung durch Jesus Christus ist, der Menschen aller Konfessionen das Tor zum Himmel öffnet. Darauf gelte es zu vertrauen. Zudem stehe der Himmel nur dort offen, wo trotz Verschiedenheit das Verbindende gesucht wird. Denn „dort kann sich Beziehung entfalten“. Teilung sei hingegen ein Werk des Teufels.

Akademiedirektor Dr. Reinhard Grütz eröffnet die Tagung im Festsaal des Zeitzer Schlosses.

Bei der Tagung wurde von den Herausgebern Corinna Wandt und Roland Rittig auch ihr im August im Mitteldeutschen Verlag Halle erschienenes kleines  Buch „Julius von Pflug, Bischof von Naumburg-Zeitz. Wegbereiter der Versöhnung in der Reformationszeit. Ein Lesebuch“ vorgestellt.
Der Oberbürgermeister von Zeitz, Volkmar Kunze, kündigte für das Reformationsgedenkjahr 2017 eine Ausstellung über Bischof Julius Pflug und die Reformation an. Bischof Feige zeigte sich als Schirmherr erfreut über die Tagung. Pflug sei „ökumenisch ein Mann der ersten Stunde“ gewesen. Auch der Dechant der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg sowie des Kollegiatsstiftes Zeitz, Curt Becker, äußerte sich dankbar. Die Vereinigten Domstifter pflegen die in Zeitz befindliche, 2000 Bände umfassende Bibliothek Julius Pflugs.

Von Eckhard Pohl