03.08.2017

Sommerserie 2017

Ein Künstler und seine Ruine

Die diesjährige Tag des Herrn-Sommerserie stellt Ausflugsziele in der Region vor. In Teil 4 liegt der Fokus auf der Hansestadt Greifswald. Dort sind etliche christliche und künstlerische Spuren zu finden.


Kirchtürme prägen die Silhouette der Stadt. Sie gehören zu St. Marien, dem Dom St.Nicolai und zu St. Jacobi (von links). | Foto: Peter Binder

 

Sie ist nach wie vor ein Sehnsuchtsort und favorisiertes Urlaubsziel vieler Deutscher: die Ostsee. Eine der Städte entlang ihrer Küste ist die Universitäts- und Hansestadt Greifswald. Abgesehen von der modernen medizinischen Fakultät und dem frischen Fisch, den man am bes-ten am Hafen mit dem Blick aufs Wasser genießt, finden sich hier unterschiedliche, für die Stadtgeschichte teils sehr relevante, christliche Spuren.

In den Werken Caspar David Friedrichs taucht immer wieder die Klosterruine Eldena auf. | Foto: Pressestelle Greifswald

Als Kolonie der Zisterzienser entstanden
Um 1199 wurde das Kloster Hilda von Zisterziensern gegründet. 1209 gestattete der Rügenfürst Jaromar I. dem Kloster die Ansiedlung von Kolonisten. Ab 1241 durften die Bewohner einen wöchentlichen Markt abhalten. Das war der Ausgangspunkt für die Entwicklung Greifswalds. Erstmalig wurde die Siedlung 1248 in einer Urkunde als Besitzung „oppidum Gripheswald“ des Klosters Eldena genannt. Das Zisterzien- serkloster – inzwischen in Kloster Eldena umbenannt –  war im Mittelalter das bedeutendste Kloster der Region und bestand bis 1533, als es im Zuge der Reformation aufgelöst wurde. In der Folgezeit verfiel es. Erst seit 1827 sicherte und gestaltete man das Ruinengelände. Der 1774 in Greifswald geborene Maler Caspar David Friedrich machte die Klosterruine Eldena zu einem Hauptmotiv seiner Gemälde. Daher wurde sie zu einem der bekanntesten Greifswalder Wahrzeichen.
Sieben Werke Caspar David Friedrichs sind heute im Pommerschen Landesmuseum zu sehen. Auch ein Teil dieses Komplexes war einst ein christlicher Bau. Von 1262 bis zu ihrer Vertreibung 1556, als Folge der Reformation, wirkten im Grauen Kloster Franziskanermönche. Später wurde das Kloster als Schule genutzt, durch Neubauten erweitert, beherbergte Arme. Seit 2000 nutzt das Pommersche Landesmuseum die durch den gläsernen Neubau verbundenen historischen Gebäude. Vor allem die Gemäldegalerie ist ein lohneswertes Ziel. Hier spannt sich der Bogen von der Malerei des Barocks bis hin zu den Malern des 20. Jahrhunderts, die von der rauen Natur der Ostseeküste angezogen wurden. Die besonderen Qualitäten der Sammlung liegen jedoch im 19. Jahrhundert – mit der neu entdeckten nordischen Landschaft bei Caspar David Friedrich.

Das einstige Graue Kloster der Franziskaner (Backsteingebäude rechts) wurde immer mehr erweitert. Heute wird das gesamte Ensemble durch das Pommersche Landesmuseum genutzt. | Foto: Pressestelle Greifswald

Christliches Leben ist keine Ruine
Doch Greifswald hat nicht nur kaputte oder entwidmete kirchliche Gebäude zu bieten. Das Stadtbild wird vor allem durch den Dom St. Nicolai und die Stadtkirchen St. Marien und St. Jacobi geprägt. Letztere ist die kleinste mittelalterliche Stadtpfarrkirche und wurde 1275 erstmals urkundlich erwähnt. Ihre mittelalterliche Innenausstattung wurde in der Zeit der napoleonischen Besetzung Greifswalds von 1807 bis 1813 komplett zerstört, einzig der Taufstein aus dem 13. Jahrhundert blieb erhalten. Die Marienkirche ist eine gotische Backsteinkirche, die 1280 erstmals als Pfarrkirche Erwähnung fand. Ihr imposanter Ostgiebel stammt aus dem Jahr 1360. Im Inneren fallen vor allem die Kanzel, verziert mit zahlreichen Intarsien, und die Wandmalereien mit der Passionsgeschichte Jesu Christi aus dem Jahre 1411 ins Auge.
Der Greifswalder Dom wurde 2013 zur deutschen „Kirche des Jahres“ gewählt. St. Nikolai wurde wie St. Marien 1280 erstmals urkundlich erwähnt. 1456, im Jahr der Universitätsgründung, fand die Weihe zum Dom statt. Der Kirchenraum ist im neugotischen Stil ausgestattet. Seit 2012 ist die Bibliothek des Geistlichen Ministeriums mit mittelalterlichen Handschriften, Inkunabeln und Büchern öffentlich zugänglich. Der 98 Meter hohe Turm kann erklommen werden und bietet den besten Blick über Greifswald. An hohen Feiertagen erklingt ein Glockenspiel der sieben Glocken.
Da die Stadtkirchen und ihre Gemeinden im Zuge der Reformation evangelisch wurden, erfolgte 1869 die Grundsteinlegung für die heutige Propsteikirche St. Joseph. Finanziert wurde der Bau allein aus Spenden katholischer Studenten aus Deutschland, Luxemburg und Österreich. Schon 1871 konnte die im neugotischen Stil errichtete Kirche geweiht werden. Der bekannteste Pfarrer der Gemeinde war Alfons Maria Wachsmann (1896–1944). Er wurde 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet, sein Grab befindet sich neben der Kirche.
Für künstlerisch Interessierte und Spurensucher christlichen Lebens bietet Greifswald viel Entdeckenswertes und ist einen Abstecher wert.

Von Vinzent Antal