05.04.2018

Christliche Kindergärten

Im Wettstreit um Mitarbeiter

Genug geeignetes Personal zu finden, ist für christliche Kindergärten im ländlichen Raum seit längerem schwierig – zunehmend wird es auch in großen Städten zur Herausforderung. Der Leipziger Caritasverband geht neue Wege.


Mit diesem und einem weiteren Plakatmotiv wirbt die Leipziger Caritas um Fachkräfte.

Leipzig wächst und mit der Stadt wächst der Bedarf an Betreuungsangeboten für Kinder. Zehn neue Kindergärten werden in der Stadt gerade gebaut, für rund tausend zusätzliche Plätze werden mindestens achtzig Vollzeit-Erzieher gebraucht. Für zwei der neuen Kindergärten übernimmt der Caritasverband die Trägerschaft.
„Gute Mitarbeiter zu finden, ist für uns ebenso schwierig wie für alle anderen Träger auch“, sagt Jürgen Petersohn, Caritas-Fachbereichsleiter für Kinder- und Familienhilfe in Leipzig. Auch in den bestehenden Caritas-Einrichtungen gibt es immer wieder frei werdende Stellen, die neu besetzt werden müssen, im tradtionsreichen Engelsdorfer Kindergarten St. Gertrud ebenso wie im Haus Abraham in Markkleeberg, das ebenso wie Elifant in Connewitz und St. Benno in Gohlis erst in den letzten zehn Jahren eröffnet wurde. Im Wettbewerb um fähige Erzieherinnen und Erzieher probiert der Verband jetzt Neues aus.

Mitarbeiter werben neue Kollegen – gegen Prämie
Stellenanzeigen auf der Caritas-Homepage und in der verbandseigenen Jobbörse haben sich bewährt, schienen für den steigenden Bedarf aber nicht mehr ausreichend. Anfang des Jahres startete die Caritas deshalb eine Plakataktion und warb 14 Tage lang in regionalen Bussen und Straßenbahnen für Erzieher-Jobs bei der Caritas. Die Plakatmotive erschienen zudem als Anzeige in verschiedenen Zeitungen. Angelehnt an den Talentry-Wettbewerb des Diakonischen Werkes unter dem Motto „Mach Freunde zu Kollegen“  arbeitet die Leipziger Caritas gerade an einer Postkarte, mit der  ihre Mitarbeiter neue Kollegen anwerben. Eine Geldprämie soll ihre Motivation anfachen. Zusätzlichen Anreiz erhofft sich Jürgen Petersohn zudem von der Aussicht, als neuer Mitarbeiter sofort mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag bei der Caritas einsteigen zu können. Eine entsprechende Regelung gilt seit Jahresbeginn, ausgenommen sind Vertretungs-Stellen.
Erste Erfolge kann der zuständige Fachbereichsleiter bereits ausmachen. Die Zahl der Anfragen und Bewerbungen ist gestiegen. Dass längst nicht alle Bewerbungen passen, hat ihn nicht überrascht. Das größte Hemmnis sei dabei die geforderte Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche. Ein gewisser Anteil der Erzieher sollte katholisch sein, ist dem Träger zudem wichtig. Anders wäre es kaum möglich, das Profil der Caritas-Kindertagesstätten durchzutragen, ist Petersohn überzeugt. Christliches Leben im Alltag sei den Kindern am besten durch Pädagogen zu vermitteln, die in ihrem Glauben verankert sind. Dennoch sollte man seiner Ansicht nach in Erwägung ziehen, künftig in begrenztem Maße auch pädagogische Fachkräfte anzustellen, die keiner Kirche angehören. In der Altenpflege etwa mache man gute Erfahrungen mit Beschäftigten, die über ihre Arbeit Nähe zur Kirche entwickelt haben.

Eine historische Chance für die Kirche
In den Kindergärten habe sich zudem bewährt, beruflichen Quereinsteigern eine Chance zu geben. In jeder der Caritas-Kindergärten gäbe es engagierte Katholiken, die sich die erforderliche berufliche Qualifikation berufsbegleitend erworben hätten.
Trotz der mühsamen Personal-Suche gibt es in der Caritas keinen Zweifel, dass die Gründung weiterer Kindergärten der richtige Schritt ist. Nimmt man die Einrichtungen in Leutzsch und in Grünau hinzu – beide in Pfarreiträgerschaft – sei die katholische Kirche in Leipzig demnächst flächendeckend mit einem Kinderbetreuungs-Angebot präsent. „Kirche und Caritas haben eine historische Chance ergriffen“, sagt Jürgen Petersohn. Bestätigt fühlt er sich darin durch den guten Zuspruch durch Leipziger und Markkleeberger Eltern. Als beispielsweise der St.-Benno-Kindergarten vor drei Jahren eröffnete, habe es auf 104 Plätze 500 Anmeldungen gegeben.

Zur Sache: Zwei neue Kindergärten für Leipzig

Voraussichtlich werden sie Ende 2019/Anfang 2020 den Betrieb aufnehmen: die Caritas-Kindergärten an der Propsteikirche und neben der Reudnitzer St. Laurentius-Kirche. Für die Innenstadt-Tagesstätte gibt es bereits eine Baugenehmigung. Investor ist das  St.-Elisabeth-Krankenhaus, dem das Grundstück gehört. Es entstehen 129 Kindergartenplätze, darunter sechs Integrationsplätze, sowie mehrere Wohnungen. Auch einige Caritas-Beratungsdienste werden vom Caritas-Haus in der Elsterstraße hierherziehen, da es für die gestiegene Vielfalt von Angeboten in der Elsterstraße zu eng geworden ist. Der Reudnitzer Caritas-Kindergarten mit 124 Plätzen (ebenfalls mit Integrationsplätzen) wird in das geplante soziale Zentrum Campus Lorenzo einbezogen. Hier steht die Baugenehmigung noch aus. Eltern, die sich für Kindergartenplätze interessieren, können sich bereits per E-Mail melden: kita@caritas-leipzig.de

Von Dorothee Wanzek