23.06.2022

Bauplatz für das künftige Neuzeller Zisterzienserkloster ist ein ehemaliges Stasigelände.

Überall große Trümmerhaufen

Wie sieht es auf dem Bauplatz des künftigen Neuzeller Zisterzienserklosters Maria Friedenshort aus? Der Berliner Journalist Rocco Thiede hat sich mit Pater Kilian Müller auf dem ehemaligen Stasigelände Treppeln umgeschaut.


Ein gastlicher Ort wird Treppeln erst in einigen Jahren sein – Pater Kilian Müller vor dem Baugelände.    Fotos: Rocco Thiede

Der Kuckuck ruft. Waldvögel zwitschern. Zusammen mit Pater Kilian Müller, dem Subprior und Ökonom des Zisterzienserpriorates besuchen wir das frühere Stasi-Feriengelände in Treppeln, etwa zehn Kilometer von Neuzelle entfernt. Am Eingang weisen Warnschilder auf die Baustelle hin: „Zugang für Unbefugte verboten!“
Um den Klosterneubau zu beginnen, musste das 75 Hektar große Grundstück begutachtet und vorbereitet werden. Anfangs halfen viele Freiwillige und leisteten ehrenamtlich über 2000 Arbeitsstunden. „Auf Grund der Risiken, die mit so einem großen Abriss verbunden sind, sind jetzt die Profis am Werk. Insofern machen wir keine Einsätze mehr auf dem Kerngebiet, weil das zu gefährlich ist und es auch eine Haftungsfrage ist“, berichtet Pater Kilian Müller.

Das Kloster soll in Abschnitten entstehen

Pater Kilian mit der Tochter des Autors am Kreuz, das die Zisterzienser an ihrem künftigen Domizil errichtet haben.


Die Naturidylle wird jäh vom monotonen Motorgeräusch eines Abrissbaggers unterbrochen. Pater Kilian zeigt, was sich schon alles verändert hat: „Hier stand das Wachgebäude – nun ist es ein großer Trümmerhaufen. Da hinten war ein Hundezwinger, der ist auch schon eingerissen. Sind überall große Trümmerhaufen.“ Mit dem Abriss der ruinierten Stasi-Hinterlassenschaften ist gerade der Anfang für den Klosterneubau gemacht. Pater Kilian zeigt auf den Waldrand, wo bis vor kurzem noch drei Finnhütten standen. „Die sind schon komplett entsorgt und es ist alles ringsherum eingeebnet.“
Offiziell sind die Mönche, die im September 2018 aus der österreichischen Abtei Heiligenkreuz kamen, noch nicht Besitzer des Geländes. „Wir haben ein notarielles Kaufangebot von der Stiftung Stift Neuzelle. Im Grundbuch ist die Stiftung noch Eigentümerin dieses Grundstücks“.
Bisher wurden schon 40 Tonnen illegal abgelagerten Mülls entsorgt. Dass gerade die Baupreise steigen, beeinflusst auch die Klosterbauplanung. Wann wollen die Mönche also hier einziehen? „Es bleibt eine große Vision, die in verschiedenen Phasen verwirklicht wird“, sagt der Kloster-Ökonom. Er hält es für realistisch, dass in der ersten Bauphase innerhalb der nächsten vier Jahre der zukünftige Gästetrakt fertiggestellt werden könnte. Konzipiert und entworfen hat die neue Klosteranlage die mexikanische Stararchitektin Tatiana Bilbao mit zwei weiteren Architekturbüros aus Europa.

Gastfreundschaft wird im Neubau möglich
Die Zisterzienser haben vor, den zukünftigen Gästebereich mit Kapelle erst einmal für sich als Klausur zu nutzen. Hier könnten dann auch die ersten Gäste des Klosters beherbergt werden, was aktuell auf dem historischen Gelände in Neuzelle nicht möglich ist. Dort wohnen die Ordensleute eher beengt im ehemaligen Haus des katholischen Ortspfarrers. Sie betrachten es als eine vorübergehende Mönchs-WG.
In der barocken Marienkirche von Neuzelle singen die Mönche jeden Tag insgesamt fast dreieinhalb Stunden lang ihre Gebete.  In Treppeln gab es gelegentlich schon Andachten und kleine Gottesdienste unter freiem Himmel. „Wir hatten vor wenigen Wochen einen bewegten Gottesdienst mit der evangelischen Gemeinde. Insofern haben wir auch hier eine lebendige Ökumene. Aber das geht immer nur am Wochenende, weil die Arbeiten dann ruhen“, berichtet der Pater.   

„Der veränderte Geist ist bereits spürbar“

 
Von dem ehemaligen Ferienobjekt der Stasi sind nur Trümmer übrig.  
   

Noch bevor die Mönche Treppeln für sich endeckten, trafen sich hier gelegentlich einige Rechte und neue Nazis. SS-Runen und rechte Parolen an den Wänden zeugen von dieser Zeit. Die Ankunft der Mönche hat diesen Spuk offensichtlich beendet. Einen Sicherheitsdienst wollen die Ordensmänner nicht engagieren. „Wir haben im Januar hier am höchsten Punkt ein großes Kreuz aufgestellt. Ich glaube schon, dass die Zufahrten zum neuen Kloster im Dorf wahrgenommen werden. Und dass jetzt hier ein anderer Geist herrscht.“
Zum Abschluss des kleinen Rundgangs auf der Baustelle des zukünftigen Zisterzienserklosters Maria Friedenshort führt  der Mönch zu einer weiteren Stasi-Hinterlassenschaft. Von den zwölf ehemaligen Lkw-Garagen ist schon nichts mehr zu sehen. Auch die Kegelbahn ist mittlerweile Vergangenheit, sie gehörte zu einem Stasi-Kulturgebäude mit Kino.
„Ich habe den Eindruck, dass sich die ganze Atmosphäre, der Raumeindruck auf dem Gelände sehr verändert hat“, sagt Pater Kilian. „Man nimmt wahr, wie groß auf einmal alles ist und dass hier mit uns eine neue Zeit beginnt“.

Rocco Thiede