30.04.2019

Bistumsgründung liegt 25 Jahre zurück

„Happy Birthday, Bistum Erfurt“

Die Bistumsgründung liegt 25 Jahre zurück. Höhepunkt der Feiern wird die Bistumswallfahrt im September sein. Eine geschichtliche Einordnung gab ein Zeitzeugengespräch im Marcel-Callo-Haus Heiligenstadt.

Erinnerungen an die Bistumsgründung mit Altbischof Wanke. | Foto: Christine Bose
Dicht an dicht standen die Wallfahrer am 27. Juni 1994 zur Bistumswallfahrt vor dem Mariendom zu Erfurt; die Schirme aufgespannt beim Gottesdienst. Angesichts des Regens erhielten die Wünsche Bischof Johannes Dybas aus Fulda sogar besondere Symbolkraft: Das neue Bistum Erfurt möge wachsen, blühen und gedeihen. Dieser Tag wurde noch einmal lebendig, als Moderatorin Annegret Rhode, Referentin in der Erwachsenenseelsorge, mit dem Wallfahrtsfilm auf das öffentliche Zeitzeugengespräch unter dem Motto „Happy Birthday, Bistum Erfurt“ im Marcel-Callo-Haus einstimmte.
Das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen wurde am 8. Juli 1994 zum Bistum Erfurt erhoben, mit Bischof Joachim Wanke. Dem vorausgegangen war der Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Thüringen. Über zwei Stunden dauerte das spannende Gespräch mit Bischof emeritus Joachim Wanke, Winfried Weinrich – von 1991 bis 2017 Leiter des katholischen Büros für das Land Thüringen – und Domkapitular Bruno Heller, Diözesancaritasdirektor bis 2017. Ein ganzes Buch ließe sich schreiben, in dem die persönlichen Erlebnisse festgehalten werden könnten, auch aus den Jahren, die der Gründung vorausgegangen sind. Bischof Wanke erinnerte an die Bistümer Würzburg und Fulda, zu denen das Bistum einst gehörte. Joachim Wanke: „Diese beiden Bistümer haben sich verantwortlich gefühlt und haben uns geholfen. Wir sind nicht zu Gesprächen hingefahren, um dort zu sagen, so muss es jetzt sein. Unser Anliegen: Lasst uns gemeinsam überlegen.“
Als Winfried Weinrich im Januar 1991 sein Büro bezog, hatte er keine Sekretärin und keinen Computer, aber einen Berg Arbeit zu bewältigen. „Vieles war neu zu lernen“, hob er hervor und betonte, das Wort der Kirche habe schon damals einen hohen Stellenwert gehabt, bei den Ansprechpartnern aus Politik und Gesellschaft. Als einige wichtige Aufgaben nannte er die Einrichtung von Schulen in katholischer Trägerschaft, die ökumenische Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche, an vorderer Stelle die Formulierung von Vorschlägen für die Verfassung des Freistaates Thüringen. Und er ließ Privates nicht aus. 1989 hatte seine Frau ihr drittes Kind geboren und sie haben sich gefragt, wie die Zukunft ihrer Familie aussehen wird.
 
Erfurter Caritas erlebte „Gründerzeiten“
„Die Caritas hat in der DDR im Kleinen überlebt; da hat sich der Staat nicht rangetraut“, bemerkte Bruno Heller in seiner Rückschau. Schon gleich nach der Wende seien die Caritas und die Diakonie gefragte Partner auf der politischen Ebene gewesen. Der Caritasverband für das Land Thüringen war am 28. Mai 1990 gegründet worden; in der DDR durften keine Verbände existieren. Bezogen auf die Bildung der heute selbstverständlichen Fachdienste sprach er von „Gründerzeiten“, nannte die hohe Anerkennung in der Öffentlichkeit und die gewachsene Zahl von Kindergärten, Krankenhäusern, Heimen, Sozialstationen für ambulante Krankenpflege. Vieles, was in der DDR unmöglich war, jedoch heute von jungen Leuten als selbstverständlich angesehen wird, kam zur Sprache: Der Religionsunterricht an den Schulen, die Universität Erfurt mit ihrer Katholisch-Theologischen Fakultät, die Militärseelsorge. Für das Bistum Erfurt, für Thüringen wünschte sich Bischof Wanke, „das geistliche Grundwasser“ der katholischen Christen möge nicht versiegen.
 
Von Christine Bose