25.10.2018

Zehn Jahre gemeinsames Propädeutikum in Bamberg

Den Einzelnen mehr im Blick

Seit zehn Jahren kooperieren mehrere deutsche Bistümer – darunter alle Ost-Diözesen – bei der Priesterausbildung. In Bamberg wurde jetzt eine Bilanz gezogen und nach den Zukunftsperspektiven gefragt.

Festlicher Gottesdienst im Bamberger Dom anlässlich der zehnjährigen Kooperation mehrerer Bistümer bei der Priesterausbildung. | Foto: Christiane Dillig
 
Seit dem Jahr 2008 arbeiten die Bistümer Bamberg, Eichstätt, Speyer, Würzburg sowie Berlin, Dresden–Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg in der Priesterausbildung zusammen. An „10 Jahre Kooperation“ wurde daher Anfang Oktober in einem Gottesdienst und einer Feierstunde in Bamberg erinnert. Dies bot eine Gelegenheit selbstkritisch zurückzublicken, gleichzeitig aber auch einen Ausblick auf die Zukunft zu wagen.
 
Bessere Ausbildung, weniger Kandidaten
Der Wunsch, die Priesterausbildung zu verbessern, aber auch die zurückgehende Zahl der Kandidaten in den einzelnen Bistümern war damals Grund, sich um ein stärkeres Miteinander zu bemühen. Kennzeichen der neuen Ausbildung waren das Vorschalten eines Propädeutikums (Vorbereitungsjahr auf das Theologiestudium), das in Bamberg durchgeführt wird, aber auch der „Speyerer Pastoralkurs“ und generell die Vernetzung an gemeinsamen Studienorten.
Die anfängliche Skepsis in den Diözesen sei verschwunden, konstatierte der Regens des Speyerer Priesterseminars, Markus Magin. Nach einem Testlauf gibt es seit 2013 eine Rahmenordnung für die Ausbildung. Zehn Jahre gemeinsame Ausbildung seien „eine beachtliche Leistung“ lobte Magin, wies zugleich aber auf weitere anstehende Aufgaben hin. Dazu zählte er etwa die Präventionsarbeit mit Blick auf das Thema sexueller Missbrauch von Minderjährigen, wobei er neue und weiterführende Maßnahmen und eine Vereinheitlichung der Standards für ganz Deutschland ansprach. Auch müsse in der Ausbildung noch stärker die Funktion des priesterlichen Dienstes in der heutigen Gesellschaft thematisiert und über Teamarbeit und -fähigkeit gesprochen werden.
Erfahrungen mit der neuen Ausbildung hatte als Teilnehmer des ersten Kurses Kaplan Andreas Stahl (Kronach) gemacht. Er erinnerte sich an Höhepunkte wie eine mehrwöchige Reise ins Heilige Land, oder auch an den Praxisbezug in der Studienphase. So gestaltete man Gottesdienste und Andachten in Gemeinden, erhielt Informationen zur Vorbereitung auf den Schulunterricht oder auf den Beerdigungsdienst. Wünschenswert sei, so Stahl, dass die Ausbildung die unterschiedlichen Biographien der Alumnen stärker mit einbeziehe, etwa beim Ableisten der erforderlichen Praktika. Als weitere Anliegen nannte er eine stärkere Fokussierung auf den Team-Gedanken und den Wunsch nach etwas mehr Eigenständigkeit beim Leben im Priesterseminar. Dass die Ausbildung in einer größeren Gruppe erfolge, halte er für sehr wichtig. Dies habe dazu geführt, dass Netzwerke entstanden seien, für die er bis heute sehr dankbar sei.
Die Priesterausbildung müsse sich daher den Herausforderungen der Zeit stellen, stellte der Bamberger Regens Ewald Sauer heraus und verwies auf eine neue Grundordnung für die Ausbildung. Der Freiburger Regens Christian Heß nahm im Festvortrag die Zukunft in den Blick. Aufgrund der Unterschiedlichkeit von Lebensalter und biographischen Hintergründen sei kein homogenes Ausbildungsprogramm mehr möglich. Dies sei jedoch auch eine Chance. Da die Seminargemeinschaften kleiner würden, könne die Ausbildung zugunsten der einzelnen Kandidaten personalisiert und persönlichkeitsorientiert gestaltet werden. In der Ausbildungsordnung werde die Ganzheitlichkeit des Menschen in den Blick genommen. Das priesterliche Leben bedürfe auch einer ständigen Fortbildung. Wichtig sei unter anderem, dass die Seminargemeinschaft auch gute Kontakte zu Familien und Pfarreien unterhalte und dass Frauen an der Ausbildung beteiligt würden. Die Ausbildungsordnung sei auch dem Schutz von Minderjährigen und der Begleitung von Missbrauchsopfern verpflichtet.
Heß schilderte Erwartungen und Hoffnungen für die Zukunft. So dürften „trotz statistischer Wüstenwanderung“ keine Abstriche an die Qualität der Bewerber gemacht werden. Zudem müssten Lerngemeinschaften – auch über Diözesan- und eventuell auch über Ländergrenzen hinweg – gefördert werden. Weiterhin sei es bei diözesanübergreifenden Kooperationen sinnvoll, das diözesane Bewusstsein mit bestimmten Veranstaltungen zu stärken. In der Ausbildung solle auch das karitative Engagement der Alumnen gefördert werden, sollten Ausbildungseinheiten verschiedener pastoraler Berufe gemeinsam erfolgen oder Studenten verschiedener Fächer in gemischten Lern- und Glaubensgruppen zusammenkommen. Die zölibatäre Lebensform gelte es zu thematisieren und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Auch nach der Weihe brauche es die Begleitung der Priester, sagte Heß. Die Ausbildung solle zu einer weltoffenen und weltbejahenden Frömmigkeit beitragen, „die ermutigt und ermächtigt“.
 
Mit Bibel und Tageszeitung
Diese Offenheit hatte auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick in seiner Predigt beim Gottesdienst im Dom gefordert. Notwendig sei, in der Ausbildung zu gebildeten Persönlichkeiten zu reifen, also zu Priestern, die kommunikativ und kommunikationsfähig sind. Der Priester müsse in der einen Hand die Bibel und in der anderen die Tageszeitung haben, müsse Kirche und Welt zusammenbringen. Nur durch den Austausch mit möglichst vielen Menschen könne er seine Aufgabe erfüllen, nämlich für das Leben in Fülle zu wirken. Darüber gelte nachzudenken.
 
Von Christiane Dillig