26.11.2020

Kirchenlexikon

Wie entstand der Advent?

Der Advent ist vermutlich die beliebteste Zeit des Kirchenjahres – und das weit über die Kirchen hinaus. Aber wie entstand er und was prägt ihn?

Der Advent als Vorbereitungszeit auf Weihnachten war zunächst genau wie die Fastenzeit eine Zeit des Fastens und der Buße. Denn ein Hochfest wie die Geburt des Erlösers – dafür will man innerlich gerüstet sein.

Wie die österliche war auch die adventliche Bußzeit 40 Tage lang, weil Jesus 40 Tage in der Wüste gefastet und gebetet hat. Zurückgerechnet (abzüglich der Sonntage) kommt man auf den 10. November, den Vorabend des Martinstags. An diesem Tag war ein letztes Mal Schlemmen angesagt; die Tradition der Martinsgans zeugt genauso davon wie der Beginn des Karnevals – ursprünglich die letzte kulinarische Entgleisung für lange Zeit.

Allerdings war die Länge der Adventszeit nicht so einheitlich wie die der Fastenzeit, sondern schwankte regional zwischen vier und sechs Adventssonntagen, wobei vier symbolisch für viertausend Jahre stand, die nach damaliger Auffassung zwischen Sündenfall und der Ankunft des Erlösers lagen. Auch als vier Sonntage gesamtkirchlich festgelegt wurden, hielten sich nicht alle daran, sondern fasteten ab Sankt Martin. Auch in den Ostkirchen hielt sich die Tradition – das sogenannte Philippusfasten startet dort am 14. November, dem orthodoxen Philippustag.

1917 schaffte Papst Benedikt XV. für die katholische Kirche das Fastengebot im Advent ab. Doch auch danach blieben Plätzchen und Kekse ein weihnachtliches Gebäck – anders als heute, wo sich viele schon im Advent daran sattessen. Den ersten Adventskranz, der zugleich Adventskalender war, bastelte 1839 der evangelische Pastor Johann Wichern für die Kinder des „Rauen Hauses“, ein Waisenhaus in Hamburg. Für jeden Tag vom 1. Adventssonntag bis Heiligabend steckte er eine Kerze auf ein Wagenrad – 19 kleine rote für die Werktage und vier dicke weiße für die Sonntage. 

Ab 1860 wurde der Kranz mit Tannengrün geschmückt, und um 1900 hatte er sich, auf vier Kerzen reduziert, in den evangelischen Kirchen und Familien allgemein durchgesetzt. Der erste Kranz in einer katholischen Kirche soll 1925 in Köln gehangen haben.

Susanne Haverkamp