18.06.2014

„Er nahm das Brot, brach es und reichte es ihnen“

Warum wird in der Eucharistiefeier die Hostie vor dem Agnus Dei gebrochen und nicht bei den Einsetzungsworten, wo es doch heißt: „… nahm das Brot, brach es und reichte es einen Jüngern …“? H. B., Dausenau

Die Eucharistiefeier ist nicht einfach ein Nachspielen des Geschehens vor 2000 Jahren im Abendmahlssaal. Sie soll erinnern und darin auch vergegenwärtigen, was das gesamte Heilshandeln Gottes ausmacht: Gott hat durch das Leben, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi die Welt erlöst und den Tod besiegt.


Würde nur „nachgespielt“, müsste der Priester die Eucharistie gleich im nächsten Halbsatz auch schon verteilen, wenn er sagt: „… brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach …“. Vielmehr hat das Brotbrechen eine eigenständige Bedeutung und daher seinen eigenen Platz in der Feier: den Agnus-Dei-Gesang.


In früheren Zeiten dauerte er über die gesamte Zeit, während der Priester aus einer großen Hostie die einzelnen Stücke brach. Damit wurde deutlich, dass die Gemeinde durch den Gesang bestätigend am Geschehen Anteil nimmt und alle von der derselben Hostie essen. So wurde die Gemeinschaft anschaulich, die aus der gemeinsamen Eucharistiefeier erwächst.


Heute sind die Hostien für die Gottesdienstteilnehmer meist schon ausgestanzt und nur die größere Hostie, die der Priester bei der Wandlung in die Hand nimmt, wird gebrochen – oft sogar nur einmal. Dadurch verliert die eigentliche Absicht an Deutlichkeit. Auch ist das Agnus Dei heute meist ein dreifacher Ruf „Lamm Gottes …“, der nicht mehr – wie früher üblich – solange wiederholt wird, bis das Brot gebrochen ist.


Ursprünglich gab das „Brotbrechen“ der Eucharistiefeier ihren Namen. Sie war (und ist) die „Feier des Brotbrechens“, wie es in der Apostelgeschichte aus der Urgemeinde heißt: „Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten mit-einander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens“ (Apg 2,46).


Michael Kinnen