11.04.2019

Frauen mit Führungsaufgaben im Bistum Magdeburg

Lust auf Gestaltungsmacht

Frauen mit unterschiedlichen Führungsaufgaben im Bistum waren erstmals zu einem Fachtag nach Magdeburg eingeladen. Ein Schwerpunkt waren die Erfahrungen bei der Gleichstellung von Frauen in den Landesbehörden.

Teilnehmerinnen des Fachtages für Frauen in Führungspositionen im Magdeburger Roncalli-
Haus. | Foto: Titus Tekaath

 

„Der Fachtag für weibliche Führungskräfte in kirchlichen Institutionen war für mich sehr gewinnbringend“, sagt Miriam Wehle. „Ich fand es zum Beispiel anregend, mit Frauen aus anderen Arbeitsfeldern wie etwa technischen und kaufmännischen Führungskräften ins Gespräch zu kommen“, so die Referentin im Fachbereich Pastoral des Bischöflichen Ordinariats. Und: „Mir ist deutlich geworden, dass wir als Kirche von anderen Einrichtungen und Unternehmen wie der Landesverwaltung lernen können, was bei dem Thema wichtig ist, was gut geht und woran es hapert, wenn gefasste Ziele umgesetzt werden sollen.“
Unter der Überschrift „Weiblich – Christlich – und in Führung?!“ kamen auf Einladung von Patricia Erben-Grütz und Lydia Schmitt am 28. März 25 Frauen im Roncalli-Haus zum fachlichen Erfahrungsaustausch zusammen. Erben-Grütz und Schmitt hatten an einem Mentoring-Projekt teilgenommen, mit dem der Hildegardis-Verein Frauen in der katholischen Kirche bestärkt und unterstützt, Führungsaufgaben anzustreben und zu übernehmen. Mit dem nun veranstalteten Fachtag wollten die beiden kirchlichen Fachreferentinnen dieses Anliegen im Bistum stärken. „Wir wollen ein Forum bieten, in dem sich Frauen in Führungspostionen austauschen können. Und der Tag soll eine Gelegenheit sein, zu schauen, was Frauen, die weiterkommen wollen, brauchen, und wie sie dabei unterstützt werden können“, sagt Erben-Grütz.
Neben den Initiatorinnen begrüßte auch Generalvikar Bernhard Scholz die Teilnehmerinnen. Scholz würdigte den Einsatz von Frauen in der Magdeburger Ortskirche in den zurückliegenden Jahrzehnten. So verwies er etwa auf die Caritas, in der „Frauen ohne größeres Aufsehen Geschäftsführerinnen geworden“ seien. Trotz vieler guter Bemühungen sieht er das Bistum auf diesem Feld weiterhin in der Pflicht. Frauen in leitenden Positionen einzusetzen, gehöre in den Bereich der Personalentwicklung und „sollte kein Sonderthema sein“. Auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie müsse gefördert werden.

Ganz wichtig ist die Vernetzung
Dass die Gleichstellung von Frauen im Blick auf Leitungsaufgaben vielerorts in der Gesellschaft ein Thema ist, machte der Beitrag  der Landesbeauftragten für Frauen- und Gleichstellungspolitik, Dr. Andrea Blumtritt, deutlich. Blumtritt treibt das Landesprogramm für ein geschlechtergerechtes Sachsen-Anhalt voran. Bei ihrer Arbeit, die Gleichstellung in der öffentlichen Verwaltung zu verwirklichen, habe es sich bewährt, Steuerungsgruppen einzusetzen, der Vertreter der verschiedenen Verantwortungsebenen angehören. In der Umsetzung seien etwa veränderte Arbeitszeitmodelle, zum Beispiel durch das Teilen von Führungsaufgaben, ein Weg, Frauen die Übernahme leitender Positionen zu ermöglichen. Wichtig sei auch eine gute Vernetzung der Frauen, um sich über postive wie negative Erfahrungen austauschen und so unterstützen zu können. Innerhalb der öffentlichen Verwaltung werde durch Schulungen für das Thema sensibilisiert.
Wie bereits erwähnt, engagiert sich der Hildegardis-Verein dafür, Frauen in der katholischen Kirche für die Übernahme von Verantwortung zu ermutigen und entsprechende Wege zu eröffnen. Alexandra Schmitz, Koordinatorin des bereits erwähnten Mentoring-Projekts, stellte dessen Konzept vor, bei dem Führungskräfte mit Frauen zusammengeführt werden, die sich die Übernahme einer Leitungsposition vorstellen können. Durch Treffen mit ihren Mentoren und verschiedene Veranstaltungen erhalten die Mentees Einblicke in die Führungsebene und die Chance, sich mit Frauen in der gleichen Situation, zu vernetzen.
Die Schirmherrin des Tages, Ordinaritasrätin Dr. Friederike Maier, erinnerte in ihrem geistlichen Impuls daran, dass die Übernahme von Leitung neben Gestaltungsmacht auch Dienst- und Verantwortungsaufgabe bedeute. Führungskräfte seien „Lichtgestalten“, die vorbildhaft vorangehen müssten.
Zu Beginn der thematischen Arbeit hatte Erben-Grütz bei ihrer Begrüßung daran erinnert, dass sich die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) schon vor Jahren etwa in Fragen der Altersversorgung von Frauen oder der Anerkennung der von ihnen nicht selten geleisteten Pflegearbeit stark gemacht hat.

Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch
Auch der Erfahrungsaustausch kam beim Fachtag nicht zu kurz. Zu den Themen „Frau sein und Führung – im Spannungsfeld zwischen Anforderung und Erwartung“, „Familie und Beruf – Chancen und Grenzen“ sowie „Selbstorganisation und Selbstsorge“ formulierten die Frauen die für sie wichtigsten Elemente zu den Themen. Neben den Bekundungen: „Lust zur Macht“, „Mut zur Führung“ und „Spaß an Leitung“ war durchweg der Wunsch nach Vernetzung zu hören. Bereits nach Ende der Veranstaltung wurde damit begonnen. Die Ergebnisse des Erfahrungsaustausches sollen auch der Leitung des Bistums und den Gremien der Caritas vorgestellt werden.
Miriam Wehle und die anderen Teilnehmerinnen hoffen, dass ein solcher Austausch zum Thema Frauenförderung regelmäßig stattfindet.

Von Titus Tekaath und Eckhard Pohl