23.09.2021

Einstige Norbertiner trafen sich in Magdeburg

Abitur vor 40 Jahren

Einstige Norbertiner trafen sich in Magdeburg und besuchten auch ihre frühere Bildungsstätte. Der Abschluss im Norbertuswerk berechtigte zum Theologiestudium in Erfurt.

Gruppenbild der Norbertiner mit Lehrer Dieter Müller (links im Bild) vor dem einstigen „Neubau“.    Fotos: privat

 

Sätze wie „Du hast dich gar nicht verändert“ oder „Dich hätte ich nicht wieder erkannt…“ waren Anfang September bei einer Begegnung ehemaliger Norbertiner in Magdeburg zu hören. Vor 40 Jahren legten 17 junge Männer in der katholischen Bildungseinrichtung Norbertuswerk ihr Abitur ab. Zwölf von ihnen trafen sich jetzt in der Bischofsstadt.
Das Norbertinum wurde 1952 gegründet als „Spätberufenen-Seminar“ für Männer, die sich auf den Weg zur Ausbildung zum Priester machen wollten. Im Norbertuswerk konnte das Abitur erlangt werden, das manchem im sozialistischen Bildungssystem nicht gestattet wurde oder das anzustreben sich für den einen oder anderen bis dahin nicht ergeben hatte. Neben einer soliden Allgemeinbildung wurde auf die Altsprachen Griechisch und Latein großer Wert gelegt. Viele der Absolventen begannen im Anschluss, in Erfurt Theologie zu studieren. Nach 1990 konnten junge Männer und Frauen im Kolleg Norbertinum das nun staatlich anerkannte Abitur ablegen.

Ein Bischof und zwei Generalvikare
„Ich möchte die Zeit im Norbertuswerk nicht missen. Sie hat mich ein Stück weit geprägt,“ sagt zum Beispiel Ansgar Thim, heute Generalvikar im Erzbistum Hamburg. Mit eingeladen zu dem Treffen waren auch der ehemalige Lehrer und spätere Schulleiter, Dieter Müller, und der damalige Spiritual Raimund Sternal. Im Vergleich zu den Abiturienten hatte Müller fast vier Jahrzehnte an dem Haus verbracht. Sein Erinnerungsschatz ist riesengroß. „Jeder Jahrgang hatte etwas Besonderes. Aus diesem Kurs sind zwei Generalvikare und ein Bischof hervorgegangen sind.“ Der erwähnte Bischof ist Clemens Pickel, Bischof in Saratow, Südrussland. Seine Teilnahme an dem Treffen musste er wegen der Corona-Auflagen absagen. Per Skype im Internet trafen die Teilnehmer in Magdeburg aber mit ihm zusammen. Bischof Pickel bot seinen alten Klassenkameraden an, für ein erneutes Treffen nach Russland zu kommen – um selbst zu erleben, wie katholische Kirche dort funktioniert, aber auch um die Menschen kennenzulernen.

 

Heute ist das Gelände des früheren Norbertinums von Vandalismus gezeichnet. Zudem erobert wuchernde Natur das Areal.


Nach Dombesichtigung und geselligem Essen am Freitagabend folgte tags darauf die „Begegnung mit der ehemaligen Bildungs- und Wirkungsstätte“. Haus und Gelände in der Sieverstorstraße sind wieder in Privatbesitz der Familie des Alteigentümers. Auf Anfrage wurde den Abi-
turienten von damals das Betreten des Geländes gestattet. Beim Anblick der Räumlichkeiten und des Geländes sprudelten manche Erinnerungen. Episoden und Geschichten wurden erzählt. In den inzwischen zurückliegenden Jahren des Leerstandes hinterließen Vandalismus, aber auch die wuchernde Natur ihre Spuren.
„Ein trauriger Anblick. Aber alles hat seine Zeit,“ resümierte Diakon Matthias Burkert aus Erfurt. Er war auch der Hauptorganisator dieses Treffens. Für die Teilnehmer war erfreulich, festzustellen, dass es untereinander noch viele private und persönliche Kontakte gibt, die über die 40 Jahre lang Bestand haben.

(nl/tdh)