31.03.2022

Kirchen und Jüdische Landesgemeinde Thüringen arbeiten zusammen

Bewahren und stärken

Die beiden großen Kirchen und die Jüdische Landesgemeinde arbeiten in einer neuen Gesellschaft stärker zusammen. Eingeladen zum Mitmachen sind unter anderem Gemeinden, Vereine und Einzelpersonen.



Der Vorstand: Eckehart Schmidt, Irina Levin und Julia Braband (von links).    Foto: Charlotte Weber / EKM

„Wir wollen zu Austausch und Begegnung einladen und Dialogveranstaltungen durchführen. Es gibt in Thüringen viele Initiativen in diesem Bereich, die wir miteinander vernetzen und stärker bekannt machen wollen,“ so Irina Levin, jüdisches Mitglied im Vorstand der neuen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Thüringen. Diese wurde von der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen (JLGT), der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und dem Bistum Erfurt gegründet. Damit stellen die Religionsgemeinschaften ihre Zusammenarbeit auf eine neue rechtliche Grundlage. Die Gesellschaft setzt sich ein für die Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden und will die enge Beziehung zwischen dem Judentum und dem Christentum – bei Achtung aller Unterschiede – bewusst machen. Wichtige Anliegen sind die Bewahrung der Zeugnisse jüdischer Geschichte und der Einsatz für die Entfaltung jüdischen Lebens in Deutschland.

Rechtlich eigenständige Gesellschaft
Eingeladen zur Mitarbeit sind Einzelpersonen, lokale Arbeitsgruppen, Initiativen, Kirchengemeinden und Pfarreien, Kirchenkreise und Schulen, denen der christlich-jüdische Dialog und die Bewahrung des jüdischen Erbes ein Anliegen ist.
Von Seiten der EKM ist Vikarin Julia Brand im Vorstand der neuen Gesellschaft. Sie sagt: „Ich freue mich sehr über die Gründung des Vereins und der damit wachsenden Zusammenarbeit zwischen christlichen Kirchen und Jüdischer Landesgemeinde. Ich hoffe, dass wir mit verschiedenen Angeboten Austauschmöglichkeiten über Generationen hinweg schaffen können. Gerade solche Angebote sind sowohl für die Zusammenarbeit der Religionen als auch für eine Gesellschaft, die sich noch deutlicher gegen Antisemitismus stellen muss, von enormer Bedeutung.“
Eckehart Schmidt, Beauftragter für interreligiösen Dialog im Bistum und Vorstandsmitglied, betont: „Wir erhoffen uns eine Stärkung der Aktivitäten im christlich-jüdischen Dialog durch eine rechtlich eigenständige Gesellschaft, die eng mit den Religionsgemeinschaften verbunden ist.“
Der neu gegründete Verein soll Mitglied im Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit werden. Dieser setzt sich seit nunmehr über 70 Jahren mit inzwischen mehr als 80 Gesellschaften in der ganzen Bundesrepublik für die Verständigung zwischen Christen und Juden, den Kampf gegen Antisemitismus und Rechtsradikalismus sowie für ein friedliches Zusammenleben der Völker und Religionen ein.
Der Verein tritt damit auch in die Nachfolge der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringen, die seit 1986 in diesem Bereich aktiv war.

(bip/tdh)