28.11.2019

Theologische Fakultät Erfurt feiert Albertus Magnus

Den Ungeist zurückweisen

Theologische Fakultät Erfurt: Studenten sollen Gleichgültigkeit, Hass, Demagogie und Selbstgefälligkeit in der Gesellschaft aufzeigen. Gelebter Glaube und theologische Reflexion können Neuevangelisierung ermöglichen.

Studien-Dekanin Professorin Maria Widl und Fachschaftssprecherin Paula Greiner-Bär überreichen den Erstsemestern im Hörsaal Coeclicum zur Begrüßung Rosen.    Foto: Eckhard Pohl

 

Der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt, Professor Jörg Seiler, hat die Studenten dazu aufgerufen, „Speerspitze einer Bewegung“ zu sein, „um den Ungeist von Gleichgültigkeit, Hass, Demagogie und Selbstgefälligkeit“ in der Gesellschaft „immer wieder aufzuspießen“. Er wünsche sich auch heute „Menschen mit Rückgrat“, die wie jene des Jahres 1989 „Verantwortlichkeit um der Würde eines jeden Menschen willen einklagen“, betonte der Kirchenhistoriker beim Patronatsfest Albertus Magnus am 15. November in Erfurt. „Angesichts der Herausforderungen unserer Tage sind wir als Theologinnen und Theologen zu kritisch-konstruktiver Zeitgenossenschaft aufgerufen“, so Seiler beim Festakt, an dem vier der fünf Bischöfe der Bistümer der neuen Bundesländer teilnahmen. Bischof Heinrich Timmerevers war zur Verabschiedung seines evangelischen Amtskollegen Landesbischof Carsten Rentzing in Dresden.
Im Blick auf das Erstarken der AfD in Thüringen sagte Dekan Seiler: Die Fakultät trete „einer erschreckenden Resonanz“ entschieden entgegen, „die Demagogie und faschistoide Denkweise bei den letzten Landtagswahlen hier in Thüringen gefunden haben. ... Als theologische Fakultät ist uns das nicht egal.“
Im Blick auf das neue Institut für katholische Theologie an der Humboldt-Universität Berlin hofft Seiler auf konstruktive Zusammenarbeit. „Eine enge Kooperation, nicht zuletzt im Hinblick auf theologische Graduierungen, ist von gegenseitigem Interesse“, so der Dekan. „Meine bisherigen Kontakte ermutigen mich zur Annahme, dass 2020 hier beim Patronatsfest unsere Berliner Kolleginnen und Kollegen zahlreich vertreten sein werden.“ Es gehe „hier wie dort“ darum, wie Glaubenspraxis und kirchliches Selbstverständnis „aktiviert und profiliert“ werden könne, formulierte Seiler den gemeinsamen Auftrag der theologischen Hochschulstandorte. Das neue Berliner Institut für katholische Theologie hat zum Wintersemester den Studienbetrieb mit knapp 60 Studierenden aufgenommen. Das Institut umfasst fünf Professuren. Erfurt seinerseits ist weiterhin die einzige Katholisch-Theologische Fakultät in Ostdeutschland mit derzeit gut 150 Studenten und Doktoranden.
 

Evangelisierung als entscheidender Ansatz
Das Patronatsfest begann mit einem Festgottesdienst im Dom. Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr, der im Auftrag seiner Bischofskollegen vor Ort für die Fakultät Verantwortung trägt, betonte, wie sehr die Theologie die Universität braucht und auch die Universität davon profitiert, wenn an ihr Theologen lehren und studieren.
Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt erinnerte in seiner Predigt daran, dass Papst Johannes Paul II. vor 40 Jahren im polnischen Nova Huta erstmals das Wort von der „Neu-Evangelisierung“ gebraucht habe, und dass für Papst Franziskus Evangelisierung die Art und „der Weg der Jüngerschaft“ sei. Evangelisierung bedeute also, „sich Jesus und seinem Lebensstil mehr und mehr anzugleichen“, sagte Ipolt. „Erst dann werden wir andere gewinnen können, Jesu Leben attraktiv zu finden“. Aber um als Jünger „auskunftsfähig“ zu sein, brauche es auch Nachdenken und Studium, wie es in der theologischen Wissenschaft praktiziert werde. Bischof Ipolt erinnerte auch an den vor 20 Jahren verstorbenen Neutestamentler Heinz Schürmann. Ihm sei es ein wichtiges Anliegen gewesen: „Jeder Mensch muss eine zweite Bekehrung durchleben, erst dann ist sein Glaube, seine Taufe echt“. „Vielleicht darf man das auf die Erneuerungsbestrebungen in der Kirche anwenden“, so der Bischof: „Wenn der Synodale Weg der Kirche in Deutschland eine solche zweite Bekehrung wird, dann kann er die Freude am Christsein wachsen lassen.“
Beim Festakt im Hörsaal Coelicum wurden wieder die Erstsemester begrüßt. So haben zum Beispiel zehn junge Männer und Frauen ihr Studium mit dem Ziel „Magister Theologiae“ begonnen. Unter ihnen sind je ein Priesterkandidat aus den (Erz-) Diözesen Berlin und Erfurt. Fünf haben ein Bachelor-Studium Theolgie im Hauptfach aufgenommen.
Den Festvortrag hielt der Neutestamentler Professor Thomas Johann Bauer zum Thema „Die Anfänge der altlateinischen Bibel und die Wurzeln des christlichen Abendlandes“. Die altlateinische Bibel ist älter als die bekannte Vulgata. Die altlateinischen Texte entstanden vor allem im Raum des heutigen Syriens/Vorderasiens.
 

Förderpreis für Ökumene-Thema
Mit einem Förderpreis wurde Lukas Hennecke für seine Magisterarbeit „Einheit in Synodalität? – Römisch-katholisch/orthodoxer Dialog zu Kirche und Kircheneinheit“ ausgezeichnet. In seiner Arbeit argumentiert der aus Bernterode stammende Hennecke, dass das Kirchenbild der Orthodoxie nicht nur weitgehende Übereinstimmung mit der römisch-katholischen Ekklesiologie (Lehre über die Kirche) aufweist, sondern dass es zudem historisch gewachsene und für katholische Verhältnisse fortschrittlich wirkende Elemente einschließt. (Mehr unter „Theologie Aktuell“, dem Blog der Fakultät.) Der Förderpreis wird vom Freundeskreis der Fakultät vergeben und ist mit 1000 Euro dotiert.

Von Eckhard Pohl