18.08.2022

Stefan Plattner ist neuer Dekanatsjugendreferent in Leipzig

„Dienstleister“ für die Jugend

Stefan Plattner ist neuer Dekanatsjugendreferent in Leipzig. Der Südtiroler lernt die Qualitäten der Katholiken in der Diaspora schätzen und genießt das Flachland.

Stefan Plattner in der Leipziger Propsteikirche.    Foto: Ruth Weinhold-Heße
Ein offener junger Mann mit einem Akzent, der nach Urlaub klingt – so dürften ihn einige in Leipzig schon kennengelernt haben. Stefan Plattner ist seit Anfang Juni neuer Referent für Jugendpastoral der Katholischen Dekanatsjugend Leipzig. „Der pfingstliche Geist hat mich hergeweht“, sagt der 30-Jährige lachend. Er liebt die Stadt und nutzt das neue Arbeitsfeld, seinen Horizont zu erweitern. Im wahrsten Sinne, denn Plattner stammt aus Südtirol. Geboren in Bozen, aufgewachsen in Feldthurns im Eisacktal, auf 850 Metern Höhe zwischen hohen Bergen, genießt er in Leipzig allabendlich die Sonnenuntergänge über den Weiten des Flachlandes. Von seiner Wohnung im DDR-Hochhaus habe er dafür eine fantastische Aussicht, schwärmt er.
Plattner hat in Brixen Theologie studiert und anschließend fünf Jahre lang bei Südtirols Katholischer Jugend gearbeitet. Die Kirche in Südtirol und in der ehemaligen DDR unterscheiden sich wesentlich, sagt er: „Die Diaspora prägt. Kirche kann in der Diaspora nur bestehen, wenn sie über den Tellerrand hinausschaut und die Lebenswirklichkeit der Menschen ernst nimmt. Ich nehme die Kirche hier vielfältiger, lebensnaher und offener wahr.“
Stefan Plattner versteht sich selbst als „Dienstleister“, im Dienst an jungen Menschen. „Ich möchte hinhören, welche Themen die Jugendlichen hier bewegen“, erklärt er. Die im September 2021 veröffentlichten Leitlinien zur Jugendpastoral der Deutschen Bischofskonferenz formulieren: „Das Ziel von Jugendpastoral ist es, Jugendliche zu unterstützen, damit sie ihr Lebensglück verwirklichen können. Der Weg zu diesem Ziel ist die Orientierung am Leben, Sterben und Auferstehen Jesu.“
 
Raum für Entfaltung und Gotteserfahrung
Das bedeutet für Plattner: „Es geht nicht darum, Kirchenbänke zu füllen, sondern junge Menschen zu begleiten, das Glück in ihrem Leben zu finden, um sich selbst verwirklichen zu können. Darin sehe ich meine wichtigste Aufgabe. Und da kommt manchmal auch der einfache Bauhandwerker aus Nazareth ins Spiel. In den Werten von Selbstliebe, Gottesliebe und Nächstenliebe finden sich Jugendliche wieder.“ Plattner erläutert begeistert: „Jesus ist auf Menschen zugegangen, er hat Ausgestoßene integriert und gesellschaftlich-religiöse Strukturen in Frage gestellt.“
 
Für die Anliegen junger Christen eintreten
Deshalb ermutigt der Jugendreferent junge Menschen, für ihre Anliegen einzutreten und kirchliche Regeln zu hinterfragen, zum Beispiel wenn es um die Sexuallehre oder die Rolle der Frau in der Kirche geht. „Biblisch gesehen waren es Frauen, die als erste das leere Grab Jesu entdeckt hatten und die frohe Botschaft der Auferstehung weitererzählten. Warum können sich Frauen nicht zu einem sakramentalen Amt berufen fühlen? Oder warum können homosexuelle Beziehungen nicht gleichwertig angesehen und gesegnet werden?“ Radikal formuliert er: „Fast alles darf in der katholischen Kirche gesegnet werden: Lebensmittel, Autos, Motorräder, Rosenkränze und Weihwasser – jedoch nicht zwei Menschen, die sich lieben – jedenfalls nicht offiziell.
Die Nähe Gottes erfährt der Jugendreferent besonders in der Musik. Von Herrmann Lahm stammt das Zitat: „Wenn Musik die Leiter zum Himmel ist, dann ist die Kirchenmusik der Aufzug.“ Plattner schrieb seine Magisterarbeit zum Thema „Musik und Liturgie“ und leitete in Südtirol einen Kirchenchor und ein Vokalensemble. „Über die Musik habe ich als Jugendlicher Heimat und einen Platz in der Kirche gefunden, in der ich mich mit meinen Fähigkeiten einbringen darf. Ich wünsche mir, dass die Kirche auch in Zukunft ein Ort ist, in der junge Menschen gefördert werden, sie ihre Talente entfalten können und zugleich Gotteserfahrung möglich wird.“
In Leipzig versucht Plattner, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, denn gute Ideen ließen sich nicht am Schreibtisch entwickeln. „Ich denke, Jugendliche haben Interesse, sich einzubringen und die Gesellschaft wie auch die Kirche mitzugestalten. Aber es muss echte Mitentscheidung möglich sein.“ Die Regel des heiligen Benedikt besage, dass bei wichtigen Entscheidungen in Klöstern alle angehört werden sollen – besonders aber die Jüngeren, „weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist.“ Dieses Motto stellt Plattner an den Beginn seiner Tätigkeit. Um mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen, organisiert er Jugendfahrten und beteiligt sich am Bistumsjugendtag „Hand aufs Herz“ am 16. und 17. September in Wechselburg.
 
Ruth Weinhold-Heße

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