30.03.2022

St. Patrick‘s Day, den in diesem Jahr auch Berliner Katholiken gefeiert haben.

Unter dem dreifaltigen Kleeblatt

Die Kirche grün erleuchtet, die heilige Messe auf Englisch und so manches Fußballtrikot mit einem Kleeblatt auf der Brust – das gibt es nur am St. Patrick‘s Day, den in diesem Jahr auch Berliner Katholiken gefeiert haben.


„Für die Iren ist St. Patrick‘s Day praktisch wie Ostern und Weihnachten zusammen“, sagte Pater Manfred Hösl, Seelsorger in der Charlottenburger Jesuitenpfarrei St. Canisius. Er und die zum pastoralen Raum Charlottenburg-Wilmersdorf  gehörenden Pfarreien Heilig Geist, St. Canisius und St. Karl Borromäus haben tief in die Farbkiste gegriffen und die Schmargendorfer Salvator-Kirche in Grün getaucht, um den Gedenktag des heiligen Patrick am 17. März auch optisch angemessen zu feiern. Die Lobpreis-Band der American Church Berlin sorgte mit Flötenspiel und Gesang für die passende musikalische Begleitung. Das Vaterunser erklang auf Irisch, gesungen von Elaine Rudolphi, pastorale Mitarbeiterin in Charlottenburg.

Patrick legte Grundstein für heutiges Irland
Der laut Überlieferung um 400 im damals römisch besetzten Britannien geborene Patricius wurde im Alter von 16 Jahren als Sklave nach Irland gebracht. Von dort gelang ihm die Flucht in die alte Heimat, wo er Priester wurde. Doch sein Werk auf der grünen Insel, heißt es, sah er als noch nicht erfüllt an, denn als Missionar kehrte er zurück und legte den Grundstein für die Christianisierung des Landes. So gehe das Nationalsymbol Irlands, das „Shamrock“ genannte dreiblättrige Kleeblatt, auf Patrick zurück, der damit die heilige Dreifaltigkeit veranschaulichte.
„Dem heiligen Patrick ist es gelungen, Gott auch in den Herzen jener Menschen zu sehen, die ihn bislang noch nicht gefunden hatten“, sagte Elaine Rudolphi in ihrer Predigt. Die Erzählungen besagten, er habe er bei Ankunft an seinem Zielort stets seinen Gehstock in den Boden gesteckt und geduldig gepredigt – so lange, bis auch das letzte Herz erreicht worden und seine Mission vollbracht gewesen sei.
Auch einige in Berlin lebende Iren waren gekommen, die hörbar keine Mühe hatten, der heiligen Messe in englischer Sprache zu folgen. Unter ihnen war auch der irische Botschafter in Deutschland, Nicholas O‘Brien. Er erklärte der Gottesdienst-Gemeinde, welche Bedeutung der Nationalfeiertag überall auf der Welt hat, wo seine Landsleute einst sesshaft geworden sind: „Sie gedenken nicht nur des heiligen Patricks, sondern auch ihrer eigenen Wurzeln, ihres Ursprungs.“ Soll heißen: Die Iren feiern an diesem Tag vor allem auch sich selbst.

So gut wie jeder mag Irland

Ihre Vorfahren hatten ihre Heimat einst wegen übler Hungersnöte verlassen, vor allem in Richtung USA, wo heute knapp 35 Millionen Irischstämmige leben. Weltweit wird die Größe der irischen Diaspora auf bis zu 80 Millionen geschätzt. Beachtlich, bedenkt man, dass Irland selbst nur knapp fünf Millionen Einwohner zählt. In Berlin leben rund 4000 Iren, Tendenz steigend.
Warum auch hierzulande so viele Menschen Sympathien für das Inselvolk hegen? „Weil Irland einfach unheimlich schön ist. Aber auch wegen der fröhlichen Kultur und der Herzlichkeit der Menschen dort“, meinte eine Teilnehmerin bei der Feierlichkeit im Hinterhof der Kirche, die mit viel Musik, Speisen und einigen irischen Brauerzeugnissen begangen wurde.
Eine besonders originelle Erklärung für das gute Verhältnis zwischen Irland und Deutschland hatte Pater Hösl parat. Er verwies auf das grüne Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft, das traditionell dann getragen wird, wenn der gewohnte weiß-schwarze Dress sich farblich nicht genug von der gegnerischen Tracht unterscheidet. „Grün deshalb, weil die Iren die Ersten waren, die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder gegen Deutschland Fußball spielen wollten.“ Ob diese These einem Faktencheck wirklich standhält? Wer weiß.
Einhellig dürften die Meinungen hingegen zu der Hoffnung  ausgefallen sein, die Pater Hösl anschließend zum Ausdruck brachte: „Beten wir, dass sich die Geschehnisse in Osteuropa möglichst bald so wandeln, dass sich auch Russland und die Ukraine wieder freundschaftlich auf dem Fußballplatz begegnen können.“

Obwohl die Situation in der Ukraine immer präsent war, genossen viele Besucher nach dem Gottesdienst die Geselligkeit bei der Feier danach.

 

Text und Bild: Stefan Schilde