16.07.2015

Anstoß 29/2015

Sommer auf Büsum – Eine Meditation

Für viele ist Urlaub die Zeit, die Seele baumeln zu lassen, abzuschalten – auftanken ist angesagt. Für mich ist es noch nicht soweit, noch heißt es abwarten und erwarten, die Urlaubstage, in Büsum, an der Nordsee, mit seinen Gezeiten. Aber die Vorfreude ist schon da und die Erinnerungen werden wach, an vergangene Urlaubstage meines Sommers in Büsum:

Pater JosefDie Gezeiten von Ebbe und Flut / Ein Kommen und Gehen / Von Ebbe und Flut – ihr Hoch und ihr Tief / Wie im richtigen Leben / ein Kommen und Gehen. / Das Hoch und das Tief – die Ebbe und Flut / Das Niedrigwasser 7.04 Uhr und das Hochwasser 14.00 Uhr.
Die Gezeiten gehören dazu, / unaufhaltsam, unabwendbar. / Fußstapfen im Watt, angenehm, weich, sicherer Schritt / Das Erspüren des Sandes im Wasser gibt Halt / Wie im richtigen Leben / Halt, festen Boden unter den Füßen, die Suche nach Sicherheit.
Meine Schritte im Watt / Ja, die Gezeiten gehören hierher. / Und in mir, Gelassenheit, Ruhe und Frieden / Gelassenheit, Ruhe und Frieden, für Leib und Seele.
Sie sind da und bleiben da, in diesen Tagen / Meines Sommers in Büsum / Und die Sonne, sie wärmt, scheint glitzernd auf Wasser und Haut / Kommt, bewegt und entfernt sich wieder, die Sonne. / Auch hier die Gezeiten / Ihr Aufgang ganz früh, mit Sehnsucht erwartend / Ihr Untergang, unaufhaltsam, erwartend, am Abend, in mir Wehmut, Ade!
Auch hier ein Kommen und Gehen / Wie im richtigen Leben. / Und bei allen Gezeiten, die Erfahrung, die nicht geht, die bleibt, / Die Erfahrung von Gottes Nähe, der allezeit da ist und da bleibt. / Beim Wattwandern wandert Er mit, Schritt für Schritt, geht Er mit/ Durch die Höhen und Tiefen – durch Ebbe und Flut.
Bei Niedrigwasser, bei Hochwasser / Beim Aufgang und Niedergang der Sonne. / Jetzt halte ich nochmals inne, und sage zu Ihm, mit einem Wort: Ein kurzes Gebet: „Danke!“

Von Pater Josef kleine Bornhorst, Dominikanerkloster St. Albert in Leipzig