04.10.2018

Sanierung einer Skulptur an der Heyeröder Schule

Magdalena lächelt wieder

Robert Thor sanierte die einst von seinem Urgroßvater geschaffene Skulptur an der Heyeröder Schule auf eigene Kosten. Ein besonderes Detail sind die beiden Kinder der Darstellung – sie sind seinen Vorfahren nachempfunden.

Robert Thor (links) und Andreas Jönsson kurz vor Abschluss der Sanierung. | Fotos: Reiner Schmalzl

Behutsam, ja fast zärtlich, geht Robert Thor mit den beiden Kindern der Skulpturengruppe an der Fassade neben dem Hauptportal der Heyeröder Schule um, als wären es zwei seiner eigenen drei kleinen Lieblinge. Denn noch nie war der 37-jährige Kunsthandwerker aus Bickenriede den dort dargestellten Vorfahren seiner Familie und deren Schicksal so greifbar nahe.
Immerhin ist seit gut 85 Jahren ein bewegendes Kapitel der Geschichte der Steinmetzfamilie Thor mit der Schule in Heyerode verbunden. Die überlebensgroße Plastik „Christus, der Kinderfreund“ zeigt nämlich zwei der drei Kinder des Schöpfers Josef Thor (1887-1972). Mit dem Mädchen, das Christus einen Rosenstrauß reicht, hat der Bickenrieder Künstler seine mit sechs Jahren verstorbene Tochter Magdalena verewigt. Als die Kleine im April 1927 an Diphterie starb, brach es den Eltern und der ganzen Familie das Herz. Wenig später hat ihr Vater, Steinmetzmeister Josef Thor, seiner Leni ein ganz besonderes Denkmal gesetzt – im Gesicht des Mädchens aus Kunststein lebt sie bis in die heutigen Tage fort. Bei dem Jungen mit einem Schul- oder Gesangbuch in der rechten Hand handelt es sich um einen Sohn des Meisters. Hierfür standen abwechselnd die Brüder Aloys und Heini Modell.

 
Eine Frage der Familienehre
Als Robert Thor von der in die Jahre gekommenen und sanierungsbedürftigen Skulptur erfuhr, war für ihn sofort klar, das Werk seines Urgroßvaters auf eigene Kosten in einstigem Glanz erstrahlen zu lassen. „Das muss eine seiner ersten Arbeiten gewesen sein. Die will ich unbedingt sichern.“ Zunächst wurde die mit schwarzer Patina, Moos und Verkrustungen besetzte Oberfläche abgestrahlt. Besonders schlimm gelitten hatte das rechte Bein des Jungen, an dem der rostende Bewehrungsstab offen lag. Es hatte gar den Anschein, als würde das Bein bluten. Bei der „Notoperation“ konnte sich der Steinmetzmeister in vierter Generation auf seinen Mitarbeiter, Steinmetz Andreas Jönsson aus Kirchheilingen, verlassen.
Außerdem sind verschiedene Risse an der Oberfläche geschlossen worden. Schließlich fehlte nur noch eine schützende Lasur, die vom Maler Friedbert Helbing aus Struth gestellt wurde – auch das kostenlos für den Landkreis Unstrut-Hainich als Eigentümer der Schule.
 
Magdalenas Gesicht ist wieder erkennbar.

Einzigartiges christliches Zeugnis
Ein solches christliches Motiv ist sehr selten an einer deutschen Schule. Doch nicht immer stand die etwa 30 Zentner schwere Statue fest auf ihrem Muschelkalksockel. Denn besonders vor der Verleihung des Namens „Goethe-Schule“ am 29. Oktober 1949 war ernsthaft erwogen worden, die Skulpturengruppe abzunehmen. Dies scheiterte jedoch am Widerstand der Bevölkerung. Unklar ist auch, wer die Figur an der Heyeröder Schule gestiftet hatte. Es soll die Unternehmerfamilie Krumbein gewesen sein, die damals den Schulneubau unterstützte.
So erstrahlt das Gesicht der kleinen Magdalena wieder wie vor über 90 Jahren und damit pünktlich zum Beginn eines neuen Kapitels für die Heyeröder Schule, die mit der Fusion von Grund- und Regelschule jetzt die Form einer Gemeinschaftsschule hat.

Steinmetz Andreas Jönsson repariert das beschädigte Bein.

 

Von Reiner Schmalzl