14.07.2022

Renovierung der Klosterkirche in Osek abgeschlossen

Barocke Pracht wiedererweckt

Die Renovierungsarbeiten in der Klosterkirche im nordböhmischen Osek sind abgeschlossen. Sie wurden auch durch den deutschen Freundeskreis des Klosters finanziert.

Die Klosterkirche in Osek erstrahlt nach den Renovierungsarbeiten in neuem, alten Glanz.    Fotos: Jiṙí Vopálenský

 

Wer die Kirche Mariä Himmelfahrt des Zisterzienserklosters im tschechischen Osek am Rande des Erzgebirges betritt, bleibt erst einmal stehen. Denn das, was dort zu sehen ist, fesselt: eine reich verzierte Decke, deren Fresken Szenen aus dem Alten und Neuen Testament darstellen, Stuck, unzählige Engel in der ganzen Kirche. Wer die Inneneinrichtung auf sich wirken lässt, hat den Eindruck, dass ihn das Gotteshaus einige Jahrhunderte zurück in längst vergangene Zeiten entführt. Viele Stunden Arbeit, aber auch viel Geld und ein langer Atem waren nötig, um die Kirche zu sanieren. Jetzt ist das Ziel erreicht, die Kirche ist wiedererstanden wie vor 300 Jahren zur Zeit ihrer Barockisierung.

Internierungslager für Nonnen
Im Laufe des letzten Jahrhunderts war das Innere der Kirche, die 1221 fertiggestellt wurde, weitgehend unansehnlich geworden: Farbe blätterte ab, Risse zogen sich durch die Fresken und Holzwürmer fraßen sich durch das Chorgestühl. In der Zeit des Sozialismus in Böhmen war die Klosteranlage ein Internierungslager für Nonnen verschiedenster Orden. Weggesperrt und der Öffentlichkeit entzogen, sollten sie aussterben und die Kirche sollte ebenfalls mit der Zeit verfallen.
Dies änderte sich 1989/90 mit der Rückgabe des Klosters an den Zisterzienserorden. Mit Abt Bernhard Thebes begann eine Zeit der langsamen Erneuerung und Renovierung der Kirche. Chorgestühl und die Kanzel sowie seit 2009 die Decken in den Querschiffen und im Altarbereich wurden renoviert. Die dazu erforderlichen Mittel aus staatlichen Quellen waren begrenzt und nur für die direkten Arbeiten verwendbar. Die Gerüststellung und dessen Unterhaltung wurde durch Spenden, welche der deutsche Freundeskreis beisteuerte, finanziert. Dieser Kreis zählt derzeit zirka 180 Mitglieder, wobei die Mehrzahl der aktiven Mitglieder in Sachsen leben.
Erst 2019 begann mit Unterstützung der EU die eigentliche Sanierung der Kirche: Die Elektrik wurde auf den neuesten Stand gebracht und das Dach neu eingedeckt. Die eigentliche Herausforderung war jedoch die Renovierung der Decken und Wände, der Fresken sowie des sehr aufwendigen plastischen Stucks und des gesamten Interieurs.

Kardinal Dominik Duka, emeritierter Prager Erzbischof, feierte den Gottesdienst zum Abschluss der Sanierungsarbeiten der Klosterkirche.

Zwischenzeitlich arbeiteten in der Kirche, die mit einer Länge von rund 86 Metern seinerzeit zu den größten Zisterzienserbauten in Böhmen gehörte, 25 Restauratoren gleichzeitig. Die  notwendigen finanziellen Mittel in Höhe von rund fünf Millionen Euro kamen größtenteils von der EU, fünf Prozent kamen vom tschechischen Staat und weitere fünf Prozent mussten vom Bistum Leitmeritz (Litoměŕice) und dem Kloster aufgebracht werden. Der deutsche Freundeskreis unterstützte die Arbeiten mit weit über 10 000 Euro.

Zahlreiche Zisterzienser feiern Festgottesdienst
Am 18. Juni wurde mit einem feierlichen Dankgottesdienst der Abschluss dieser Kirchenrenovierung gefeiert. Hauptzelebrant war der inzwischen emeritierte Prager Erzbischof Kardinal Dominik Duka, die Predigt hielt der Leitmeritzer Bischof Jan Baxant. Den Zisterzienserorden vertrat der Abt des Klosters Heiligenkreuz, Maximilian Heim, der mit dem letzten Mönch des Klosters Osek, Pater Charbel Schubert, angereist war. Auch Zisterziensermönche und -schwestern aus den Klöstern Langwaden, St. Marienstern und aus Marienthal, sowie der Ortspfarrer Philipp Irmer und weitere tschechische Priester nahmen am Gottesdienst teil. Am Ende des Gottesdienstes legte der Vorsitzende des tschechischen Freundeskreises und Verwalter des Klosters, Jindřich Koska, Blumen auf der Gruft des 48. und bisher letzten Abtes des Zisterzienserklosters Osek, Bernhard Thebes (1990–2010), nieder.
Alle Anwesenden hofften, dass die Kirche mit ihrer erneuerten Strahlkraft in die weitgehend säkulare Umgebung hineinwirkt und das Kloster geistliches Zentrum der Region bleibt, so wie es viele Jahrhunderte war.

Sonntagsgottesdienst in der Klosterkirche: 10.30 Uhr
Führungen, auch in deutscher Sprache: Dienstag bis Samstag
Nähere Informationen: www.kloster-osek.info

(jw/ws)