10.01.2019

Veranstaltungsreihe „Sachsensofa“

Akademie geht in die Dörfer

Bei der Suche nach guten Lösungen für die Zukunft des Landes sind auch die Christen gefragt. Mit der Veranstaltungsreihe „Sachsensofa“ beteiligt sich die Katholische Akademie nun auch jenseits der Großstädte am öffentlichen Dialog.

Bischof Heinrich Timmerevers und Ministerpräsident Michael Kretschmer werben für konstruktive Streitgespräche auf dem Sachsensofa. Am 19. Februar werden sie sich in Sohra auf dem Möbelstück wiedertreffen.| Fotos: Oliver Killig
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Bischof Heinrich Timmerevers haben zum verstärkten gesellschaftlichen Dialog aufgerufen. „Wir brauchen eine offene Streitkultur, um im gemeinsamen Suchen und Ringen das Beste für das Land, die Städte und die Menschen herauszuholen“, sagte der Bischof am 7. Januar bei der Vorstellung einer neuen Veranstaltungsreihe der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen. Kretschmer ergänzte: „Es kann gar nicht genügend Initiativen geben, um mit den Menschen im Land ins Gespräch zu kommen.“
Heinrich Timmerevers betonte: „Ich glaube, wir brauchen in unserem Land mehr Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Wir brauchen keine Brandanschläge und keinen Hass.“ Die Kirche wolle gerade auch jetzt im Landtagswahljahr auf die Menschen im Freistaat zugehen und mit ihnen über die Themen diskutieren, die sie umtreiben, über Werte und gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Die freiheitliche Demokratie ist die beste Staatsform, für die wir als Kirche uns aktiv in der Gesellschaft einsetzen.“
 
Tourt demnächst mit der Couch durchs Land: Moderator Daniel Heinze

Zum Auftakt geht es um „Blühende Landschaften“
Ministerpräsident Kretschmer dankte den Kirchen für ihr Engagement in diesem Bereich: „Mit Christen verbinde ich Menschen, die Lebensfreude, Zuversicht und gute Gedanken haben und positiv nach vorne gehen. Sie wollen mitsprechen und für alle einen Raum zum Diskurs anbieten – dafür bin ich sehr dankbar.“ Etwa 25 Prozent der Bevölkerung im Freistaat seien Christen und sie spielten durchaus eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Zu Beginn des Landtagswahljahres soll mit der Veranstaltungsreihe außerhalb der größeren Städte im Freistaat die Debatte über gesellschaftliche Prägungen, aktuelle Herausforderungen und deren Lösungsoptionen aus christlicher Sicht diskutiert werden.

 
Versuchsphase mit sechs Veranstaltungen
In zunächst sechs Kommunen mit unter 5000 Einwohnern sollen bis März bekannte Persönlichkeiten aus Politik und Zivilgesellschaft auf dem „Sachsensofa“ mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen, darunter der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach und der ehemalige Chemnitzer Polizeipräsident Uwe Reißmann. Flankiert werden die Gespräche durch die Akademie-Reihe „Demokratie ist...?“ in den nächstgrößeren Städten Freiberg, Plauen, Riesa, Zittau und Zwickau. Im Anschluss an die sechs Veranstaltungen werde Bilanz gezogen und entschieden, ob die Reihe fortgesetzt wird, kündigte Akademiedirektor Thomas Arnold an.
Zum Auftakt der Reihe werden Georg Milbradt und der ehemalige sächsische Inneminister Heinz Eggert am 17. Januar in der Seifhennersdorfer Begegnungsstätte „Windmühle“ auf dem Sofa Platz nehmen. Ab 19 Uhr geht es dort um das Thema „Blühende Landschaften? Was haben uns Friedliche Revolution und Wiedervereinigung gebracht?“ Moderiert werden alle Veranstaltungen von Daniel Heinze, der als katholischer Kirchenredakteur für sächsische  Privat-Radiosender arbeitet.
 
Arnold wehrt sich gegen Vorwurf der Einseitigkeit
Die Freie Presse kritisierte im Anschluss an die Vorstellung des Sofa-Konzepts, dass sich unter den bisher vorgesehenen Diskussionspartnern auf dem Sitzmöbel keine sächsischen Oppositionspolitiker befänden. Die Zeitung ließ Vertreter aller Oppositions-Fraktionen mit ihren Zweifeln daran zu Wort kommen, dass es der Katholischen Akademie wirklich um eine offene Diskussion gehe. Akademiedirektor Thomas Arnold hält die Vorwürfe für unberechtigt. „Es geht uns keinesfalls um Parteipolitik, sondern um einen breiten gesellschaftlichen Diskurs über die Gestaltung der Zukunft“, sagte er gegenüber dem Tag des Herrn.
Ausschlaggebend bei der Auswahl der Gesprächspartner sei nicht ihr Parteibuch, sondern dass sie im Bezug auf das jeweilige Diskussionsthema etwas einzubringen haben. Neben Politikern seien deshalb beispielsweise auch Verantwortungsträger aus anderen gesellschaftlichen Bereichen eingeladen, etwa Wissenschaftler oder Medien-Verantwortliche. Bei jeder Veranstaltung werde  es drei Gäste geben, die auf dem Sofa Platz nehmen, darunter sei stets mindestens ein Prominenter, jemand, der aus der Region stammt und jemand, der eine christliche Perspektive einbringe. Letzteres könne selbstverständlich durchaus auch ein Oppositionspolitiker sein.

Die Katholische Akademie wirbt unter anderem mit einer eigenen Internet-Seite für das neue Veranstaltungsformat: www.sachsensofa.de
 
(kna/dw)