19.12.2019

Zisterzienserinnen in Helfta

Ort christlicher Lebenspraxis

1999 kamen wieder Zisterzienserinnen nach Helfta. Seitdem pflegen sie dort das klösterliche Gebet und sind vielseitig tätig. Kürzlich begingen die Zisterzienserinnen intern die Weihe von Konventsgebäuden und Klosterkirche vor 20 Jahren. Ein Gespräch mit Priorin Christiane Hansen OCist.

Priorin Schwester Christiane, seit 20 Jahren sind inzwischen wieder Zisterzienserinnen in Helfta. Eine gute Zeit?

Im August 1999 kamen meine Mitschwestern nach Helfta. Am Ort, wo im 13. Jahrhundert die drei heiligen Frauen Gertrud von Helfta, Mechthild von Hackeborn und Mechthild von Magdeburg gelebt hatten, sollte wieder eine Cella cisterciensis, eine kleine Zelle zisterziensischen Lebens in Sachsen-Anhalt entstehen. Vor allem Pfarrer Horst Mittenentzwei aus Hettstedt hatte das auf den Weg gebracht. Über Pfarrer Josef Hochenauer in Vöhringen, der bei Augsburg gelegenen Partnerpfarrei von Hettstedt, kam der Kontakt zur damaligen Äbtissin Assumpta Schenkl im Kloster Seligenthal in Landshut zustande. Sie erklärte sich mit „Angst vor ihrem eigenen Mut“ bereit, nach ihrem Ruhestand mit 75 Jahren aus Bayern ins Mansfelder Land zu gehen. 1999 begann sie mit sechs Mitschwestern und zwei Frauen anderer Ordensgemeinschaften hier zisterziensisches Leben. Heute sind wir  ein unabhängiges Priorat mit elf Schwestern, acht mit Ewigem Gelübde und drei noch mit zeitlichem Versprechen. Wir können zufrieden sein, dass wir den Stand so halten können.

Die Anfänge waren nicht einfach ...

Priorin Christiane Hansen OCist leitet seit 2015 den Konvent in Helfta.    Foto: Eckhard Pohl

Vom alten Zisterzienserinnen-Kloster war hier fast nichts mehr übrig. Die Kirche war in ruinösem  Zustand, es gab nur ein paar Mauern. Doch der Dachverband der Freunde des Klosters Helfta hat vieles möglich gemacht. Auch war es gut und hilfreich, dass der Aufbau des Klosters in enger Verbindung und Begleitung durch Bischof Leo Nowak erfolgte.
Es ist uns gelungen, mit unserem Umfeld, den Einwohnern hier nach anfänglichen Spannungen sehr gute Beziehungen aufzubauen. Lutherstadt Eisleben spricht von uns als „unserem Kloster“. Eine unserer Schwestern hat unsere Nachbarn die ersten Jahre viel zu Bastel-abenden eingeladen, Menschen haben uns so kennengelernt. Unser katholisch-christlich geprägtes Kinderhaus (Kindertagesstätte) auf dem Klostergelände mit 60 Mädchen und Jungen wird von der Bevölkerung gut angenommen. 80 Prozent der Mitarbeiterinnen und noch mehr der Kinder sind keine Christen. Wir bieten im Kloster laufend Führungen an. In die Stadt hinein haben wir gute ökumenische Beziehungen.

Wie kommt Ihr Konvent jetzt finanziell über die Runden? Es gab doch lange Probleme?

Ohne Gruppen aus den alten Bundesländern, die zu uns kommen, an unseren Angeboten teilnehmen, bei uns Veranstaltungen machen, wäre es schwierig. Und wir erhalten viel großzügige finanzielle Unterstützung von Spendern aus dem Westen, ohne die es nicht ginge. Wir sind seit Ostern dabei, in der Weise klassischen monastischen Handwerks umweltfreundlich Seife herzustellen und sie auch außerhalb des Klosters zu verkaufen. Wir unterhalten unser Gästehaus und machen ganzjährig Kursangebote. (dazu Seite 20) Und wir bieten alten Menschen Wohnung in unserem Seniorenwohnheim Gertrudstift.

Wie steht es um das Hotel auf dem Klostergelände?

Nach mehrjährigen Problemen läuft das Hotel jetzt gut. Ein solches Angebot gehört zu einem Zisterzienserinnen-Kloster. Unser Gästehaus kooperiet mit dem Hotel. Aber es ist wirtschaftlich eigenständig und unabhängig. Zusammenhänge bestehen nur über die 2002 gegründete Stiftung „Kloster St. Marien zu Helfta“.

Wie verstehen Sie sich als Zisterzienserinnen im weithin entchristlichten Mansfelder Land?

Wir sind ein alter katholischer Orden, aber zugleich ökumenisch offen. Als selbstständiges Priorat sind wir wesentlich kleiner als die Klöster im Westen. Wir leben hier als Christinnen unter vielen Nichtgetauften und versuchen, mit ihnen im Gespräch und guten Kontakt zu sein. Wir sind als Zisterzienserinnen auf den deutschsprachigen Raum und weltkirchlich orientiert. Zu uns kommen Menschen aus Ost und West. Bei uns findet jedes Jahr die Frauenwallfahrt des Bistums Magdeburg statt. Und in unserem Klostergarten befindet sich das Lebendige Labyrinth der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Wir beten und arbeiten auf dem Gelände und zwischen Mauern, in denen vor 700 Jahren die drei Mystikerinnen von Helfta wirkten, und leben zugleich in einem 1999 neu errichteten Kloster. Wir pflegen den alten gregorianischen Gesang und tun dies mit den Worten der aktuellen Einheitsübersetzung. Wir praktizieren das monastische Chorgebet, zu dem immer Menschen von außen willkommen sind. Und wir erleben, dass die Menschen mit unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen zu uns kommen. Bislang gelingt es uns, Priester für die Feier der heiligen Messe bei uns zu gewinnen. Zu unserer sonntäglichen Eucharistiefeier kommen zunehmend mehr Menschen aus der Region.

Sehen Sie da Potenziale im Sinne eines geistlichen Zentrums für die Region?

Wir haben es als Kloster einfacher als Pfarreien, die keinen eigenen Priester haben, Menschen geistliche Angebote zu machen und zur Eucharistiefeier einzuladen. Klöster haben immer auch darin ihre Aufgabe gesehen.

Interview: Eckhard Pohl