30.04.2019

Ausnahmepfarrei St. Franziskus Wurzen

Ein neuer Patron an der Mulde

Nur ausnahmsweise sollen neu gegründete Pfarreien im Bistum ein Patronat wählen, das es bisher in keiner der Ausgangspfarreien gab. Anfang Mai wurde eine solche Ausnahmepfarrei gegründet: St. Franziskus Wurzen.

Pfarrer Uwe Peukert mit Dr. Gisela Laakmann-Ditges und Susan Martin (von rechts) vor blühenden Sträuchern am Wurzener Gemeindehaus. Mit Franz von Assisi verbindet sie unter anderem die Liebe zur Schöpfung.| Foto: Dorothee Wanzek

 

Die Katholiken der Muldestädtchen Wurzen und Grimma schließen sich zur Pfarrei St. Franziskus zusammen. Bischof Heinrich Timmerevers, der am 5. Mai um 9.30 Uhr den Pfarreigründungs-Gottesdienst mit ihnen feiern wird, hat ihrem Wunsch entsprochen, den gemeinsamen neuen Weg mit einem neuen Namen zu beginnen. Herz Jesu, das Patrozinium der alten und neuen  Pfarrkirche in Wurzen, war äußerst beliebt in der katholischen Kirche, als vor 120 Jahren der Bau des Gotteshauses begann. Das damit verbundene Anliegen habe nichts von seinem Wert eingebüßt, ist der Wurzener Pfarrer Uwe Peukert überzeugt. Allerdings erkläre es sich heute nicht mehr von selbst. Man müsse übersetzen, was damit gemeint sei.
 
Wachsam, glaubensfest, mutig und liebevoll wie Franz von Assisi
Die Suche nach dem künftigen Patron begann vor rund einem Jahr. Alle durften sich mit begründeten Namensvorschlägen beteiligen, die Christen der Wurzener Herz-Jesu-Pfarrei ebenso wie die der Grimmaer Trinitatis-Pfarrei mit den zugehörigen Gemeinden St. Ludwig in Beucha und Zum Guten Hirten in Naunhof.
Bei einem Gemeindeabend im Sommer wurde ausgiebig über eine Vorauswahl diskutiert, und im Herbst setzte sich bei einer Abstimmung der Pfarrgemeinderäte der heilige Franz von Assisi gegen den Finalisten Christophorus durch. Für Franziskus sprach nicht nur die Verbundenheit mit dem aktuellen Papst. In seiner Lebensgeschichte sahen die Pfarrgemeinderäte die größte Nähe zum biblischen Leitwort aus dem ersten Korintherbrief, das sie bereits in einer früheren Etappe ihres Erkundungsprozesses für ihre Pfarrei ausgewählt hatten: „Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark! Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“
Mut sei zum Beispiel gefragt, um sich mit christlichen Wertvorstellungen in der Gesellschaft einzubringen, sagt Pfarrer Peukert, in Wurzen zum Beispiel, wo es in der Vergangenheit immer wieder Vorbehalte und Gewalt gegen Geflüchtete gab.
Auch mit dem Auftrag „Bau meine Kirche auf!“, den Franziskus vor über 800 Jahren für sich verstand, können sich die Christen der Region gut identifizieren – im übertragenen Sinne vor allem, aber auch ganz buchstäblich im Blick auf die anstehenden Restaurierungsvorhaben in Wurzen, Grimma und Naunhof.
 
Als Pilger unterwegs und achtsam mit der Schöpfung umgehen
Auch als Vorbild für Pilger taugt der Heilige, der zeit seines Lebens viel unterwegs war und bis nach Jerusalem gelangte. Das Wurzener Pfarrhaus liegt direkt am Ökumenischen Jakobs-Pilgerweg durch Mitteldeutschland und beherbergt seit über zehn Jahren Pilger.
Wie aktuell Franz von Assisi mit seiner achtsamen Haltung gegenüber der Schöpfung ist, wurde ganz besonders der Gemeinde in Grimma bewusst, deren Kirche in jüngerer Vergangenheit zweimal durch das Mulde-Hochwasser Schaden nahm. In Wurzen und in Grimma legen die Katholiken zunehmend Wert auf umweltgerechtes Verhalten, angefangen beim Verzicht auf Wegwerfgeschirr.
Den jüngsten Familien-Tag verbrachten Kinder und Erwachsene der künftigen Pfarrei mitten im Wald. Die drei neuen Glocken für die Wurzener Kirche, die bis zum Jahresende fertig werden sollen, werden „Frieden“, „Gerechtigkeit“ und „Bewahrung der Schöpfung“ heißen.
Franziskus wird das Leben der Pfarrei in vielfältiger Weise prägen und inspirieren, ist sich Uwe Peukert mit den bisherigen Pfarrgemeinderats-Vorsitzenden Gisela Laakmann-Ditges (Wurzen) und Susan Martin (Grimma) einig. „Unter unseren Gemeinden ist schon sehr viel gewachsen“, freuen sich alle. Die Frage, welche die künftige Pfarrkirche werden soll, habe für Emotionen gesorgt, doch schließlich habe man sich auch darin gütlich geeinigt. Als Wehrmutstropfen empfinden sie, dass sich trotz großer Bemühungen nicht alle Gemeindemitglieder eingebracht haben in den Erkundungsprozess. „Wir hören aber von anderen Pfarreien, dass wir mit dieser Erfahrung nicht allein sind“, sagt Susan Martin. Das Prinzip des Prozesses, so viel wie möglich an kirchlichem Leben vor Ort zu erhalten, solle gestärkt werden, indem es für die 2002 mit Grimma zusammengelegten Gemeinden Beucha und Naunhof künftig wieder eigene Ratsgremien geben soll. Auch im Briefkopf der neuen Pfarrei werden sich alle vier Kirchen des neuen Pfarrgebiets finden.
Nicht nur die Kirchen, sondern alle kirchlichen Orte, sind einbezogen in eine Gebets-Novene, die zur geistlichen Vorbereitung auf die Pfarreigründung dienen soll.Die Katholiken sind dazu unter anderem in den Caritas-Altenheimen, in der ehemaligen Kapelle des Schlosses Tammenhain und in der evangelischen Stadtkirche Trebsen zum Gebet zusammen gekommen. In Grimma hat bereits ein „Abend des dankbaren Erinnerns“ stattgefunden, der ein bewusster Abschluss des Bisherigen sein sollte. In Wurzen soll ein ähnlicher Abend folgen.
 
Von Dorothee Wanzek