05.09.2019

Pfarrei-Neugründung in Schleiz

Spannende Annäherungen

Vor 14 Jahren wurde aus der Schleizer Pfarrkirche St. Paulus eine Filialkirche der Pfarrei Lobenstein. Seit der Pfarrei-Neugründung am 25. August ist Schleiz wieder Pfarrei-Sitz, jetzt auch für Bad Lobenstein, Greiz und Zeulenroda.

Ihre Neugründung feierte die Pfarrei St. Paulus in der evangelischen Bergkirche St. Marien in Schleiz.    Fotos: Sandra Smailes

„Wenn die Zahl der Gemeindemitglieder in Schleiz weiter in annähernd gleicher Geschwindigkeit sinkt wie bisher, ist die Kirche in einigen Jahren leer.“ Auf Grundlage dieser Prognose entschieden die kirchlich Verantwortlichen 2005, die Schleizer Pfarrkirche St. Paulus zunächst in eine Filialkirche der Pfarrei Lobenstein umzuwandeln.
Doch das kirchliche Leben im Südosten Thüringens hielt sich nicht an die Gesetzmäßigkeiten der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Eine ungarische Arztfamilie zog nach Schleiz und übernahm gemeinsam mit vielen anderen Ehrenamtlichen Verantwortung dafür, das Gemeindeleben vor Ort lebendig und das Kirchengelände in Schuss zu halten. Ein Archäologe fand bei Ausgrabungen paulinischer Stätten in der Türkei zur Kirche und brachte sich ebenfalls fortan in die Schleizer Gemeinde ein.
Ein elfjähriges Mädchen machte sich auf den Weg zur Taufe und steckte ihren Vater mit ihrer Begeisterung für die katholische Kirche an ... Pfarrer Peter Spalteholz, der bisher der Pfarrei Bad Lobenstein vorstand und seit 25. August nun Leiter der neu gegründeten Pfarrei Schleiz ist, sieht die Entwicklung der Ortsgemeinde als „Gebetserhörung, die Kraft gibt und Mut macht.“ Mit religiös suchenden und glaubenswachen Neuankömmlingen habe sich hier eine Gemeinde entwickelt, die durch ein besonders herzliches Miteinander auffällt.
Die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher liege zwischen zwanzig und 120. Die Lebendigkeit der kleinen Gemeinde und die zentrale Lage der Stadt in dem zwischen Greiz und Bad Lobenstein sehr langgestreckten Pfarreigebiet hatten Bischof Heinrich Timmerevers bewogen,  Schleiz zum Sitz der neuen Pfarrei zu bestimmen. Der Bischofsentscheid war nötig geworden, weil sich die Gemeinden nicht einigen konnten. Die Abstimmung war mit einem Patt zwischen Zeulenroda-Triebes und Schleiz ausgegangen.
In der Zeulenrodaer Gemeinde Heilige Familie haben viele an der aktuellen Situation noch zu kauen. Erst im Januar musste sie ihr langjähriger Pfarrer plötzlich krankheitsbedingt verlassen. Nun hat sich die Hoffnung nicht erfüllt, dass Zeulenroda Pfarreisitz wird und damit wieder ein Priester in ihr Pfarrhaus einzieht. Dafür befindet sich seit August das Büro des Gemeindereferenten Lutz Kinmayer dort. Zeulenroda bietet viel Platz und Potenzial für die Jugend- und Kinderseelsorge der neuen Pfarrei.

Vor Ort bleibt das meiste beim Alten
 Zukunftssorgen und Verlustängste treiben auch manche Katholiken in Greiz um, wo Ende 2017 die Gemeindereferentin und die Pfarrsekretärin ihren Dienst quittiert hatten.
„Mit der Zeit werden die Leute in allen Gemeinden merken, dass sich vor Ort gar nicht so viel verändert und dass die gemeinsame Pfarrei auch Vorteile hat“, zeigt sich Evelyn Reuter zuversichtlich. Mehr als ein Jahr lang ist sie als Pfarrsekretärin zwischen den Gemeinden der neuen Pfarrei gependelt, hat die Zusammenführung der Sekretariate vorbereitet und die Gemeinden dabei in ihrer Unterschiedlichkeit gut kennengelernt. In der Herz-Jesu-Gemeinde in Greiz etwa gestalten verschiedene Gruppen selbstständig und aktiv das Gemeindeleben und kümmern sich um Erhalt und Pflege der Kirche und des Pfarrhauses. In der Christ-König-Gemeinde Bad Lobenstein verteilen sich die aktiven Gemeindemitglieder über  viele kleine Ortschaften.
70 Kilometer liegen zwischen den am weitesten voneinander entfernten Gottesdienstorten Wurzbach und Greiz. Zum Prinzip des Erkundungsprozesses, in den neuen Groß-Pfarreien nur das Nötige gemeinsam zu tun, gebe es bei solchen Ausdehnungen gar keine Alternative, ist sie überzeugt.

 

Lauter unbeschriebene Blätter: Ministrantinnen bringen die Kirchenbücher für die neue Pfarrei St. Paulus.

 

Seelsorger verbringen mehr Zeit am Steuer
Es sind vor allem die Hauptamtlichen, die künftig viel Zeit auf den Straßen verbringen werden, Pfarrer Peter Spalteholz und Gemeindereferent Lutz Kinmayer von Bad Lobenstein aus, Pfarrer Thomas Mandler von Greiz und sie selbst von Zeulenroda-Triebes, wo sie jahrelang als Pfarrhelferin gearbeitet hatte, bevor sie den Aufbau des gemeinsamen Pfarr-Sekretariats übernahm.
Die Pfarreigründung am 25. August war für die Pfarrsekretärin ein hoffnungsvoller Start in eine gemeinsame Zukunft. „Viele haben sich mit ihren Begabungen eingebracht und zu der schönen Atmosphäre des Festes beigetragen“, bestätigt Pfarrer Spalteholz.
Auch die Kirchen- und Pfarreiräten hätten bereits dazu beigetragen, dass sich Spannungen unter den künftigen Weggefährten zu lösen beginnen. Die Verantwortlichen hätten festgestellt, dass sie gut miteinander arbeiten können und dass sie der Austausch über oftmals sehr ähnliche Probleme voranbringt.

Von Dorothee Wanzek