03.09.2020

Pfadfinder wollen Glauben und Werte altersgerecht vermitteln

„Ein jeder kann kommen“

Zum Pfadfinderstamm St. Josef Blankenburg gehören zahlreiche ungetaufte Kinder und Jugendliche. Die Leiter versuchen, den Heranwachsenden den Glauben und entsprechende Werte altersgerecht nahezubringen.

Nach einstündiger Fahrt mit einem Kremserwagen kommt die Gruppe der Wölflinge des Blankenburger Pfadfinderstammes wohlbehalten im Magdeburger Diözesan-Pfadfinderzentrum Forsthaus Eggerode an.    Foto: Eckhard Pohl

 

„Die Fahrt war cool.“ Darin sind sich Anna, Wilhelmine und Jari einig. „Mit Pferden unterwegs zu sein, ist sehr schön“, sagt Wilhelmine (10). „Das passt zu Pfadfindern: Ohne Auto durch die Natur zu fahren“, findet Anna (10). Und Jari (10) ergänzt: „Es ist cool, auf einem Wagen zu sitzen und von Pferden gezogen zu werden.“
Nach Monaten, in denen die Wölflinge – das sind die Jüngsten bei den Pfadfindern – nur per Internet im Kontakt waren, unternimmt die Wölflingsgruppe des Stammes St. Josef in Blankenburg (Harz) heute erstmals wieder etwas gemeinsam. Mit einem Kremserwagen sind die Kinder gerade im Diözesan-Zentrum der Pfadfinder des Bistums Magdeburg im Forsthaus Eggerode angekommen. Nachher wandern sie nach Blankenburg zurück, um gegen Abend auf einer Wiese am Großen Schloss Grillwürstchen zu essen. Morgen, am Samstag, soll dann – anstelle des wegen Corona ausgefallenen Sommerlagers – für die Gruppen aller vier Pfadfinderstufen ein gemeinsamer Stammestag stattfinden.
Der Stamm St. Josef gehört zur katholischen Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). Doch nur ein Teil der Kinder und Jugendlichen ist getauft. „Zu den Wölflingen gehören momentan 19 Mädchen und Jungen“, sagt Matthias Hofmann (47), einer der beiden Leiter der Wölflingsgruppe. „Zwei sind katholisch, zwei evangelisch, zwei oder drei muslimisch, die anderen gehören keiner Konfession an.“ Leider gebe es in der Pfarrei nur wenig Familien mit Kindern. „Mädchen und Jungen außerhalb der Gemeinde aber hören von uns durch Mund-zu-Mund-Propaganda und wollen dazukommen. Wir nehmen sie gern auf, ganz nach dem von uns oft gesungenen Lied „Ein jeder kann kommen, für jeden machen wir die Türen auf“, sagt Hofmann. „Aber es gibt bei uns Regeln: Wir beten vor dem Essen. Bei Lagern und anderen Gelegenheiten gibt es Morgen- und Abendimpulse. Und wir feiern auch immer wieder einmal heilige Messe.“

Gelernt, warum Pfingsten gefeiert wird
Martin Hahmann-Bathke (29) ist ebenfalls Leiter der Wölflinge, Vorsitzender des Stammes St. Josef und ohne Konfession. „Bei den Pfadfindern habe ich gelernt, warum Feste wie Pfingsten gefeiert werden. Als Nichtchrist weiß man das gar nicht so.“ Ihn habe schon als Kind die Gemeinschaft und der Zusammenhalt bei den Pfadfindern angesprochen, und diese und andere Werte gebe er nun gern weiter. „Bei uns Pfadfindern muss kein Kind wie etwa im Sportverein bestimmte Leistungen erbringen“, betont Hahmann-Bathke. Stattdessen gehe es darum, naturverbunden und verantwortlich zu leben. „Ich finde es toll, wenn die Kids viel Spaß haben. Da bin ich gern ehrenamtlich Wölflingsleiter.“
„Der Erfurter Altbischof Joachim Wanke hat immer wieder betont, dass es genügt, wenn einige Christen da sind und das Evangelium bezeugen“, sagt Klaus Skalitz (65), der vor mehr als 25 Jahren mit seiner Frau Elisabeth in Blankenburg und im Eggeröder Forsthaus den Pfadfinderstamm aufgebaut hat und eher im Hintergrund bis heute begleitet. „Aber genau diese wenigen lebendigen Christen braucht es eben auch, um die Frage nach Gott offen zu halten“, so Skalitz.
„Wir sind bestrebt, den Kindern und Jugendlichen bei unseren Aktivitäten den Glauben verständlich nahezubringen“, sagt Anna Skalitz (27), die mit Martin Hahmann-Bathke dem Pfadfinderstamm vorsteht. Bei den Wölflingen etwa seien die spirituellen Morgen- und Abendim-
pulse bewusst auch durch spielerische Akzente geprägt. „Die Wölflinge fragen auch bei dem einen oder anderen nach.“ Pfadfinder würden viel singen, auch Lobpreis- und Segenslieder. Gute Erfahrungen gebe es mit dem Segnen gerade der konfessionslosen Kinder. „Es geht bei uns viel um den liebenden Gott, aber auch um die Bewahrung der Schöpfung“, betont Anna Skalitz.
75 Kinder, Jugendliche und Erwachsene bilden den Stamm St. Josef. 30 von ihnen gehören der Leiterrunde an. Zur Gruppe der Rover gehört man bis zum 21. Lebensjahr, wer älter ist, wird Leiter oder scheidet aus. „Problematisch ist, dass viele zu Ausbildung und Studium aus Blankenburg weggehen und teilweise nicht mehr zurückkommen“, sagt Anna Skalitz. „So stehen sie unter der Woche nicht als Leiter für die Gruppen zur Verfügung.“ Bisher würden in Blankenburg wohnende ältere Pfadfinderleiter mithelfen. Einfacher sei die Situation beim Winter- und Sommerlager: Etliche Leiter nähmen für die Begleitung der Kinder regelmäßig Urlaub.

 

Pfadfinder beim Stammestag 2020 in Blankenburg.

 

Wölflinge, Jungpfadfinder und Pfadfinder treffen sich aller 14 Tage auf dem Gelände der Pfarrei St. Josef. „Inhaltlich hatten wir Anfang des Jahres bei den Wölflingen zum Beispiel das Thema ,Blaulicht‘, haben uns die Feuerwache und die Rettungsleitstelle angeschaut“, sagt Matthias Hofmann. Miteinander werden praktische Dinge wie Feuer machen oder Knoten binden probiert. Die Wölflinge hätten aber auch schon den Stadtpark aufgeräumt. Am 19. September wollen sich die Gruppen am World Cleanup Day (Müllbeseitigung) beteiligen.
„Wir vermitteln Werte wie Achtsamkeit gegenüber dem eigenen und dem Leben anderer, aber auch im Blick auf die Natur“, sagt Anna Skalitz. „Und wir versuchen den Heranwachsenden von klein auf deutlich zu machen, dass man sich in die Gesellschaft einbringen muss, Verantwortung übernehmen soll.“
Nicht einfach sei die Finanzierung: „Wir wünschten uns mehr Förderung der Kinder- und Jugendarbeit durch Kommune und Land“, sagt Skalitz auch im Blick auf die im letzten Jahr unsicher gewordenen Förderbedingungen. „Schließlich versuchen wir, unsere Lager zu sozialverträglichen Teilnehmerkosten anzubieten.“ Kleine Erlöse kämen etwa aus Papier- und Kleidersammlungen. Aber das reiche nicht, um etwa die Zelte in Schuss zu halten.

Engagiert im Verein zur Rettung des Schlosses
„Wir treffen uns einmal im Monat“, sagt Erik Rohkamm (24), einer der Leiter der Rover. Schön, dass dies jetzt zum Stammestag geklappt habe. Einige der Rover und Leiter sind im Verein Rettung Schloss Blankenburg aktiv. Benedikt Pröpper etwa leitet den Arbeitskreis Schlossweihnacht, ein Angebot, das sich großer Beliebtheit erfreut und an dem sich die Rover mit dem Verkauf von Glühwein und Crêpes beteiligen. Auch heute morgen haben einige Rover einen Einsatz auf dem Schlossberg gemacht. Und danach gings zum Tretboot-Fahren auf den Wendefurther Stausee, wie Ludwig Skalitz (25), ebenfalls Rover-Leiter erzählt.
Neben den Treffen in Blankenburg kämen die Rover jährlich zu ihrem Pfingstlager zusammen. Dabei gäbe es immer auch christliche Impulse. Miteinander werde über das Christsein aber wenig gesprochen. Wichtig für die Rover sei auch, an einem Weihnachtstag bei Sonnenaufgang von Schierke zum Brocken hinauf zu laufen und Ostern nach der Osternacht auf dem Pfarrhof am Lagerfeuer zu Wein, Bier, Bratwürstchen und zu Gesang einzuladen.
Den heutigen Abend und die Nacht werden sie auf einer Wiese am Schloss verbringen. Die Jurte daür muss allerdings noch aufgestellt werden.

www.dpsg-blankenburg.de

Von Eckhard Pohl