26.04.2018

Anstoss 17/2018

Wettlauf: Was bleibt von der Osterfreude?

Das letzte Osterei ist gegessen und die Osterkerze schon zur Hälfte heruntergebrannt. Bald steht Christi Himmelfahrt vor der Tür und ein paar Tage später wird Pfingsten die Osterzeit beenden.


Je weiter wir uns vom Ostersonntag entfernen, desto mehr beschäftigt mich ein Gedanke: Was kann ich tun, um etwas von der Osterfreude in den Alltag zu retten?
Der Evangelist Johannes lässt Petrus und den anderen Jünger wie in einem Wettlauf zum Grab eilen (Johannes 20,1-10). Die beiden sind aufgeregt. Man hat ihnen gesagt, dass Grab sei leer. Am Ende wartet der eine auf den anderen. Nachdem Petrus in das Grab hineingegangen ist, tritt auch der andere Jünger ein, sieht und glaubt. So einfach ist das. Oder nicht?
Ehrlich gesagt fällt es mir nicht schwer, den Ostermorgen zu feiern. Wir entzünden am lodernden Feuer die Osterkerze, hören die altbekannten Texte und Gesänge, lassen uns an die Taufe erinnern, brechen das Brot und feiern bis in den Ostermorgen hinein.
Schwer fällt mir, die Osterbotschaft mit auf den Weg zu nehmen. Das scheint mir der eigentliche Wettlauf zu sein, bei dem es nur darum geht, im Rennen zu bleiben. Was kann ich dagegen tun, dass sich der Osterglaube in den Alltäglichkeiten meines Lebens verflüchtigt, sich verläuft?
Wahrscheinlich ist die Antwort ganz einfach, aber dennoch eine echte Herausforderung. Unser Glaube verlangt keine sportlichen Höchstleistungen, keine unmenschlichen Anstrengungen. Er lebt davon, dass wir die Verbindung zu Jesus Christus halten. Es geht darum, ihm treu zu sein in der regelmäßigen Begegnung mit den Schwestern und Brüdern, im Hören auf das Wort, im Brechen des Brotes, in einem kurzen Dankgebet vor dem Essen, in dem am Morgen auf die Stirn der Kinder gezeichneten Kreuz usw.
Das alles sind Kleinigkeiten. Aber unser ganzes Leben setzt sich aus vielen Kleinigkeiten zusammen. Im Glauben ist das nicht anders. Erst die vielen Kleinigkeiten ergeben zusammen ein Bild. Und in diesem lebendigen Bild bleibt der Auferstandene gegenwärtig.

Marko Dutzschke, Jugendpfarrer in Cottbus