26.07.2018

Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit nach Katowice

Pilgern für das Klima

Der Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit führt in diesem Jahr von Bonn durch die Bistümer Magdeburg, Dresden-Meißen, Görlitz und das Erzbistum Berlin nach Katowice. Ein Schwerpunkt sind die Braunkohlereviere.

Die Route des diesjährigen Klimapilgerwegs: Von Bonn geht es über Düsseldorf, Hannover, Halle, Leipzig, Cottbus und Berlin nach Katowice in Polen. | Karte: shutterstock/Beskova Ekaterina
 

„Pilgern macht achtsam für die Schöpfung Gottes, und deshalb ruft das Herz danach, die Schöpfung zu bewahren.“ Dieses Zitat von Bernd Lohse, dem „Pilgerpas- tor“ der evangelischen Nordkirche, drückt vielleicht am besten aus, was „Klimapilgern“ bedeutet. Zum dritten Mal gibt es in diesem Jahr einen Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit unter dem Motto „Geht doch!“.
 
Aus dem Glauben heraus engagieren
Der erste führte 2015 von Flensburg nach Paris zur 21. Weltklimakonferenz, der zweite 2017 von der Wartburg nach Bonn. Dieses Jahr geht es von dort ab dem 9. September weiter, bis die Pilger am 9. Dezember in Katowice in Polen ankommen – dort werden auf der 24. Weltklimakonferenz ab dem 3. Dezember die Spielregeln für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens verhandelt. Ein gehöriger Wegabschnitt führt die Pilger von  Mitte Oktober bis Ende November durch die Bistümer Magdeburg, Dresden-Meißen, Görlitz und das Erzbistum Berlin.
Geplant wird der Pilgerweg von einem breiten Bündnis christlicher Organisationen: Bistümer und Landeskirchen, Hilfswerke und andere. „Für uns ist es wichtig, dass die Botschaft, dass sich Menschen aus ihrem Glauben heraus und dem damit verbundenen Anliegen der Bewahrung der Schöpfung und des Eintretens für die Verwundbarsten der Weltgemeinschaft für Klimagerechtigkeit engagieren, auch seitens der Politik und Öffentlichkeit wahrgenommen wird“, heißt es auf der Internetseite zum Pilgerweg. Ihre Forderungen beinhalten die entschiedenere Verfolgung der Ziele des Pariser Vertrags und eine Aufstockung des internationalen Fonds für Klimaschutz, Entschädigung und Anpassung.
Unter dem Schlagwort „Klimagerechtigkeit“ fassen die Organisatoren das Problem zusammen, „dass diejenigen, die durch die Emission von Treibhausgasen am stärksten zum Klimawandel beigetragen haben, nicht die Hauptlast seiner Folgen tragen müssen“. Das gelte in sozialer und wirtschaftlicher wie auch in geographischer und ökologischer Hinsicht. Es betreffe jetzige wie künftige Generationen. „Überschwemmungen, Stürme, Starkregen, Hitze und Dürren vernichten Ernten und verändern Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen. Wasser wird knapp, Hunger breitet sich aus, Menschen müssen ihre Heimat verlassen oder kostspielige Schutzmaßnahmen ergreifen“, illustrieren sie.
 
Der erste Klimapilgerweg 2015 führte von Flensburg nach Paris. Dieses Jahr geht es von Bonn nach Katowice. | Foto: Christian Seidel

 

Von „Kraftorten“ und „Schmerzpunkten“
Mit all dem befassen sich die Klimapilger unterwegs gleich in doppelter Hinsicht: Es werde inhaltliche Impulse – Informationen zu „Kraftorten“ und „Schmerzpunkten“, Diskussionsrunden und Besichtigungen – genauso geben wie ein geistliches Angebot mit Andachten, gemeinsamem Singen und Phasen der Stille. Kirchengemeinden und gemeinnützige Verbände vor Ort organisieren Begegnungen und thematische Abende. So wolle man den Pilgern die Möglichkeit geben, Engagement und Spiritualität zu verbinden.
Unterbrochen wird die Route von 12 Aktionstagen, an denen nicht gepilgert, sondern an denen vor Ort Veranstaltungen angeboten werden. Solche Tage gibt es im Osten in Quedlinburg, Halle, Leipzig, Dresden, Cottbus, Frankfurt (Oder), Potsdam und Berlin. Eine besondere Rolle spielen für die Aktionstage die Braunkohlereviere im Rheinland, in Mitteldeutschland und in der Lausitz.
Mitpilgern kann im Prinzip ­jeder, der die durchschnittlich 25 Kilometer langen Etappen zu Fuß bewältigen kann – und das, ­solange der einzelne möchte, den ganzen Weg, eine Woche oder auch nur einen Tag. Eingeladen sind auch Familien und Schulklassen. Übernachten werden für mehrere Tage angemeldete Pilger in einfachen Unterkünften wie Turnhallen oder Gemeindehäusern. Die Übernachtung ist meist kostenlos oder zumindest sehr günstig. Die Gemeinden versorgen diese Pilger in der Regel auch mit einer einfachen Verpflegung. Das Tagesgepäck muss selbst getragen werden. Da die Übernachtungsplätze ­begrenzt sind, empfehlen die Organisatoren eine frühzeitige Anmeldung.

Die einzelnen Tagesetappen, Informationen zum Anliegen und Veranstaltungshinweise sind unter www.klimapilgern.de zu finden. Über diese Seite ist auch die Anmeldung möglich.
 
Von Cornelia Klaebe
 
Meinung: Viele kleine Schritte
Cornelia Klaebe

Es ist klar: Ein Pilgerweg, gemeinsame Andachten und Demonstrationen werden das Weltklima nicht retten. Dennoch ist die Mühe, die sich die Organisationen mit dem Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit machen, nicht umsonst: Zum einen zeigen sie, dass es für Christen nicht egal ist, wenn Gottes Schöpfung zerstört wird. So gestalten die Kirchen die Welt mit, die auch zukünftigen Generationen Lebensraum geben soll. Zum anderen wird das Bewusstsein des Einzelnen geweckt – dafür, dass es auch mal einfach und ohne Luxus geht. Es entsteht eine Motivation, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Es gilt das alte afrikanische Sprichwort: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schirtte tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“