28.07.2022

Ökumenische Gemeinschaft gibt Leitung von Berliner Gemeinde ab

„Viele fanden hier den Weg zu Gott“

Nach 28 Jahren gibt die ökumenische Gemeinschaft Chemin Neuf die Leitung der Berliner Herz-Jesu-Gemeinde ab. Sie will ihre Aktivitäten künftig stärker auf ihr geistliches Zentrum im Kloster Lankwitz konzentrieren.

Zum Abschluss eines Gesprächs über Politik im vergangenen Mai segnen Chemin-Neuf-Mitglieder Papst Franziskus.    Foto: imago images/Zuma Press

 

Ab September wird die geistliche Gemeinschaft Chemin Neuf keinen Priester mehr in der Herz-Jesu-Gemeinde im Prenzlauer Berg stellen. Darüber informierte Pfarrer Christophe Blin, der Leiter von Chemin Neuf Deutschland, im jüngsten Pfarrbrief der Pfarrei Bernhard Lichtenberg. Allerdings werde die 1973 in Frankreich entstandene Gemeinschaft weiterhin einige Angebote in der Pfarrei machen und in Räumen des Gemeindehauses präsent bleiben. Im Kloster Lankwitz im Südwesten Berlins, das Chemin Neuf seit 2006 als geistliches Zentrum entwickelt, soll die Präsenz indessen verstärkt und das Veranstaltungsangebot ausgebaut werden.
Kardinal Georg Sterzinsky hatte der Gemeinschaft 1994 die Leitung der Herz-Jesu-Gemeinde übertragen. Es sei weltweit das erste Mal gewesen, dass ein Bischof die Gemeinschaft zu einer solchen Aufgabe rief, hebt Christophe Blin hervor. Erst kurz danach habe auch der Erzbischof von Paris Chemin Neuf eine Gemeinde anvertraut. Kardinal Sterzinsky habe der in Deutschland noch jungen und unerfahrenen Gemeinschaft Vertrauen geschenkt und ihr einen sichtbaren Platz in der kirchlichen Landschaft gegeben, schätzt der Priester ein.
Umso schwerer sei die Entscheidung gefallen, die Leitung der nunmehr zur Pfarrei Bernhard Lichtenberg gehörenden Gemeinde abzugeben. Den Prozess „Wo Glaube Raum beginnt“ habe die Gemeinschaftsleitung von Anfang an mitgetragen, obowhl es in der Gemeinschaft auch Skepsis gab. In einer großen Pfarrei könnte sich Chemin Neuf weiterentwickeln, es bestehe aber auch die Gefahr, sich zu verlieren. Sorge bestand auch im Hinblick auf die Gremienarbeit und die Arbeit mit Hauptamtlichen, die nicht unbedingt eine ähnliche pastorale Vision haben. Mitten in die Überlegungen sei die Pandemie gekommen, die das Gemeindeleben fast zum Stillstand brachte.
Auch nach dem inzwischen  beschlossenen Teil-Rückzug blicken die Verantwortlichen von Chemin Neuf dankbar auf den bisher  in der Herz-Jesu-Gemeinde geleisteten Dienst, der nicht nur die bestehende Gemeinde im Blick hatte. Christophe Blin erwähnt besonders die Glaubenskurse für Erwachsene, die Paar- und Familienangebote und die Zusammenarbeit mit den evangelischen Nachbargemeinden. „Viele Menschen, nach der Wende und dem Regierungsumzug auch viele Neuzugezogene, fanden hier wieder den Weg zu Gott. Besonders konfessionsverbindende Paare konnten hier eine geistliche Heimat finden. Die Gemeinde entwickelte sich und wurde sehr lebendig und vielfältig“, beschreibt er.

(tdh)