13.10.2016

Anstoß 42/2016

Ökumenisch unterwegs

Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist es schon fast vorbei. Für uns geht es im Moment des Schreibens dieses Textes morgen erst los! Es ist der Abend vor dem Start der großen Romfahrt „Mit Luther zum Papst“.

Im Idealfall haben Sie in den letzten Tagen schon einiges von uns gehört oder gelesen: mit 1000 ökumenisch interessierten Menschen, die meisten davon Jugendliche und junge Erwachsene aus Mitteldeutschland auf dem Weg in die ewige Stadt, um dort über unseren Glauben, unsere Kirchen, unser ökumenisches Miteinander ins Gespräch zu kommen und Menschen zu begegnen, die in Rom in verschiedener Weise Ökumene leben oder mit ihren Fragen befasst sind.
Natürlich steht auch ein Treffen mit dem Papst im Programm. Auch mit ihm wollen wir über ökumenische Fragen ins Gespräch kommen. Seit mehr als einem Jahr wurden dafür schon Gedanken und Visionen, „Thesen“ zur Ökumene gesammelt, die wir dem Papst mitbringen wollen (siehe nebenstehende Randspalte). Das Nachdenken orientiert(e) sich an den Schwerpunkten der Charta Oecumenica. Diese Charta ist eine Vereinbarung, die der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen und die Konferenz Europäischer Kirchen im Jahr 2001 als Selbstverpflichtung verfasst haben. Mancherorts sind solche Vereinbarungen auch auf Gemeindeebene von den ökumenischen Partnern als ganz konkrete Basis der gemeinsamen Arbeit getroffen worden.
Im Blick darauf, dass sich der Papst in zwei Wochen mit Vertretern des Lutherischen Weltbundes in Lund treffen wird, möchte ich Ihnen die Stichworte der Charta Oecumenica wie wir sie bedacht haben, ans Herz legen: Einheit im Glauben leben – Frohe Botschaft verkünden – Aufeinander zugehen & gemeinsam handeln – Miteinander reden & beten – Welt gestalten & versöhnen – Schöpfung bewahren – Gemeinschaft mit jüdischen Geschwistern vertiefen – Muslimen begegnen – Vielfalt schätzen. Daraus entstanden zum Beispiel solche Gedanken wie dieser zum Stichwort „Einheit leben“:
Um Einheit im Glauben zu leben, müssen wir uns mehr auf unsere gemeinsame Wurzel besinnen. Vielleicht sind alle Christen gemeinsam der große Baum, der aus dem Senfkorn gewachsen ist, mit vielen Ästen und (Ver)Zweig(ung)en, aber doch aus der gleichen starken Wurzel. Sie wachsen wohl nicht wieder in einen Stamm zurück (das wäre für einen Baum auch ungewöhnlich), aber sie bieten den ganzen verschiedenen Vögeln, die wir Menschen so sind, ein Zuhause.
Vielleicht mögen Sie in den nächsten Tagen ihren Gedanken, ihre „These“ zur Ökumene im Sinne der Charta Oecumenica entdecken – und auch einen konkreten Schritt, ihn zu leben.
Mit Luther beim Papst in Rom werden wir sicher manchen konkreten Schritt getan haben.

Angela Degenhardt, Sangerhausen