23.06.2022

Anstoss 25/22

Heaven for everyone – Himmel für jeden

Ich habe den Finger schon am Knopf, weil mich das Gedudel im Radio nervt. Aber wie so oft zappe ich durch die Kanäle.


Irgendwo läuft Freddy Mercury und ich lasse es laufen. Sie spielen gerade „Heaven for everyone“, eine der letzten Singles der legendären Band Queen. Das Lied wurde im Herbst 1995 als Hauptsingle vom Album „Made in heaven“ (Im Himmel gemacht)veröffentlicht. Da war Freddie Mercury bereits tot.
Geschrieben hat es der Schlagzeuger Roger Taylor. Ich frage mich, woran er damals gedacht hat. Und ich frage mich, woran Freddy Mercury gedacht haben mag, als er gesungen hat, dass die Welt für uns alle der Himmel sein könnte. Ich denke an den Krieg vor unserer Haustür und an die Kriege vor anderen Haustüren. Ich denke an Millionen Menschen auf der Flucht. Mir gehen die politischen Konflikte in der EU und Spaltungen in unserem Land durch den Kopf. Ich denke an die Auseinandersetzungen in der Kirche um die Frage, wie es weitergehen soll.
Die Welt könnte der Himmel sein, wenn nur der Mensch nicht wäre. Aber wofür ein Himmel ohne Menschen. Ich glaube nicht, dass es stimmt: Die Welt kann nicht der Himmel sein. Daran erinnert mich ein Blick in die ersten Kapitel der Bibel (Genesis 3-4). Das Paradies haben wir Menschen in dem Augenblick verloren, als wir uns dem Zweifel und der Angst ergaben. Adam und Eva zweifelten daran, dass es Gott gut mit ihnen meine. Deshalb glaubten sie, dass sie an sich denken müssten und bissen in die verbotene Frucht.
Die Welt kann nicht der Himmel sein, weil Angst und Zweifel Teil dieser Welt sind. Die Frage ist, ob ich deswegen den Kopf in den Sand stecke. Wir können den Himmel nicht machen. Aber ich glaube, wir können in Richtung Himmel leben. Jesus sagt dazu: „Ich bin der Weg.“ (Johannes 14,6) Das macht mir Mut, wenigstens von Zeit zu Zeit der Angst zu widerstehen und den Zweifel vor der Tür zu lassen. Das sind dann oft Sternstunden. Und davon kann es nie genug geben.

Pfarrer Marko Dutzschke, Lübbenau