15.02.2018

Thesen zum Leben im Bistum Magdeburg im Jahr 2026

Morgen als Christen leben

Bischof Gerhard Feige legt Thesen zum Leben im Bistum im Jahr 2026 vor. Die Überlegungen sollen dazu anregen, sich angesichts der bedrängenden Situation Gedanken über die Zukunft von Glaube und Kirche in der Region zu machen.


Von Eckhard Pohl
„Was ist Kirche und was nicht mehr? Welche Aufgabe kann ich selbst in der Kirche übernehmen? Wie lebendig sind in meiner Gemeinde die im Bistum entwickelten Zukunftsbilder? Wie können diese unter sich verändernden Bedingungen verwirklicht werden?“ Zur Diskussion solcher Fragen wollen die „Thesen 2026 für das Bistum Magdeburg“ anregen, die Bischof Gerhard Feige jetzt veröffentlicht hat. In dem im Internet abrufbaren vierseitigen Papier geht es nach einführenden Gedanken und Einordnungen um Pastorale Überlegungen, „Lernorte des Glaubens“ und „Leitungsveränderungen“.

Herausforderungen erkennen und handeln
„Die ,Thesen zum Bistum Magdeburg 2026‘ wollen ausdrücklich Thesen sein und keine Zielvorgaben machen“, betont Markus Konkolewski, Leiter des Prozessbereichs Kommunikation, Steuerung und Organisationsentwicklung im Bistum. „Der Bischof geht der Frage nach: Wie könnte es 2026 sein? Er weiß es natürlich nicht. Insofern können seine Thesen in mancher Hinsicht vielleicht auch zu ideal gedacht und werden keinesfalls vollkommen sein. Sie wollen dazu anregen, sich angesichts der bedrängenden Situation Gedanken über die Zukunft von Glaube und Kirche in der Region zu machen und sich zu fragen, was Gott vorhaben könnte. Sie sollen helfen, von einer angenommenen Zukunftssituation auf unsere heutigen Herausforderungen zu schließen.“
„Grundsätzlich“ möchte der Bischof dazu ermutigen, die massive Diasporasituation nicht als „Unglücksfall“, sondern als „Normalfall des Christentums“ anzunehmen und „Ausschau danach zu halten, was sich bereits an Neuem anbahnt“. Im Jahr 2026, so die Vision des Bischofs, wird im Bistum „Zeit und Kraft darin investiert, Menschen in den grundlegenden Fragen des Glaubens zu begleiten, ohne sie zu vereinnahmen“. Die Menschen im Land werden als „Weggefährten“ gesehen, mit denen gemeinsam „neue Wege zum Wohl der Gesellschaft“ erschlossen werden. „In verschiedenen Dörfern oder Städten existieren kleine Zellen von Kirche vor Ort. Vor allem im ländlichen Raum werden dies oftmals ökumenisch orientierte Hauskirchen sein. Die dazu gehörenden Christen treffen sich regelmäßig zu Gebet und Gottesdienst, sie sprechen miteinander über das Evangelium und über ihren Glauben und sie schöpfen daraus Kraft, sich um die Menschen zu kümmern, die ihre Aufmerksamkeit und ihre Hilfe brauchen …“ In ländlichen Regionen werde die Wortgottesfeier „der Regelfall“ sein.
„Der erste Lernort des Glaubens für Heranwachsende ist die Familie“, erinnert der Bischof, und geht davon aus, dass 2026 die Familien „von den Pfarreien, Gemeinden, Verbänden und Einrichtungen bei der Glaubensvermittlung unterstützt“ werden. Viele Familien werden aus katholischen und konfessionslosen Mitgliedern bestehen und in sehr verschiedenen Partnerschaftsformen leben.

Ehrenamtliche werden an der Leitung beteiligt
„Die kirchlichen Einrichtungen und Verbände sind (dann) Orte, an denen die Grundvollzüge der Kirche – Verkündigung, Liturgie und Diakonie – verwirklicht werden.“ Damit werden auch sie „Kristallisationspunkte gelebten Glaubens“ sein, ist Feige zuversichtlich. „Es gibt verbindliche Formen der Begleitung und Schulung der Mitarbeitenden und Leitungen, die ihre Sensibilität für das kirchliche Profil einer Einrichtung/eines Verbandes stärken“.
In einem letzten Kapitel nimmt der Bischof Veränderungen in den Leitungsstrukturen in den Blick: Hier heißt es unter anderem: „Auf allen Ebenen des Bistums werden getaufte Ehrenamtliche und freiwillig Engagierte an den Entscheidungsprozessen und der Erfüllung der seelsorglichen Aufgaben entsprechend der ihnen von Gott geschenkten Charismen beteiligt“. Und: „Viele Pfarreien werden von einem Team, dem ein Priester als Moderator der Pastoral angehört, geleitet. Auch in den Pfarreien, die einen kanonischen Pfarrer haben, nehmen Laien an der Leitung teil.“ Neben der Leitung werden viele andere Aufgaben kollegial getragen: Immer mehr „pastorale Aufgaben werden von getauften Laien übernommen“.
Die Thesen sind in Zusammenarbeit des Bischofs mit dem Bistumsrat entstanden. Feige hatte erstmals 2016 entsprechende Thesen mit dem Gremium diskutiert. Im Anschluss wurde das Papier konkretisiert. Zuletzt hatte der Bischof seine Überlegungen erneut beim Bistumsrat im Herbst 2017 vorgelegt (Tag des Herrn berichtete).
„Eine Möglichkeit, mit den Thesen umzugehen, kann sein, einzelne Punkte herauszugreifen und darüber persönlich, in Gremien und Gruppen der Gemeinden und Einrichtungen nachzudenken“, ermutigt Ordinariatsrätin Friederike Maier, Leiterin des Fachbereichs Pastoral in Kirche und Gesellschaft. Die Thesen seien ein Baustein im Rahmen vielfältiger Aktivitäten im Bistum zur Zukunft von Glaube und Kirche in der Region. So finde zum Beispiel ab sofort bei den Visitationen des Bischofs in den Pfarreien eine Zukunftswerkstatt mit den Verantwortlichen und Gemeindemitgliedern statt. Bei den Regionalkonferenzen der Hauptamtlichen werde über deren künftige Arbeitsschwerpunkte nachgedacht. Vom Bistumsrat beauftragte Arbeitsgruppen befassen sich mit der Pfarreien-Entwicklung, Herausforderungen im Blick auf Fort- und Weiterbildung der Haupt- und Ehrenamtlichen und Fragen der Leitungsstrukturen. Am 23. Juni soll in Dessau ein Tag für die VOLK-Teams (Vor Ort lebt Kirche) aus den Pfarreien stattfinden.

Wortlaut der Thesen / Mehr Infos: www.bistum-magdeburg.de