16.12.2021

Nur Minderheit fühlt sich in Pandemie von Kirchen gut betreut

Im Stich gelassen

Nur eine Minderheit von Menschen fühlt sich in der Pandemie von den Kirchen gut betreut. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie. Die Mehrheit – auch unter katholischen Christen – hat kirchlichen Beistand vermisst.

Während der Corona-Pandemie fühlt sich nur eine Minderheit von Menschen durch die Kirchen gut betreut. Eine neue Studie zeigt, wie sehr sich die Wahrnehmung der Menschen von der der Institution Kirche unterscheidet.    Foto: Harald Oppitz/kna

 

In der Pandemie fühlt sich offenbar nur eine Minderheit gut von den Kirchen betreut. Das ergab eine Befragung durch Theologen der Universität Erfurt im Rahmen der repräsentativen „Cosmo - COVID-19 Snapshot Monitoring“ -Studie, die der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt. Von den rund 1000 Teilnehmer gaben demnach 84,7 Prozent an, keine Hilfe von einer Religionsgemeinschaft erhalten zu haben. Von den 190 teilnehmenden katholischen Christen sagten 23,7 Prozent, dass ihnen die katholische Kirche zur Seite gestanden habe, 74,7 Prozent verneinten das.
Der katholische Erfurter Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann erläuterte dazu: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Wahrnehmung der Menschen offenbar in deutlichem Widerspruch steht zur Selbstwahrnehmung der Institution.“ Die Rolle der Kirchen in der Pandemie sei ambivalent: „Zum einen wirken sie etwa durch öffentliche Trauerfeiern für Corona-Opfer in die Gesellschaft hinein, zum anderen haben sie offenbar deutliche Probleme ihre eigenen Mitglieder zu erreichen“, sagte Kranemann, dessen Team sich mit Fragen zu Kirche, Liturgie und Trauerpastoral an der Cosmo-Studie beteiligte.
 
Rückgehendes Interesse an Religion
Laut Studie gaben 4,1 Prozent der Befragten an, bei Sinnfragen in der Pandemie Hilfe durch Religionsgemeinschaften erfahren zu haben. Bei den Katholiken lag der Anteil bei 5,3 Prozent. Hilfe in Trauersituationen erfuhren 7,4 Prozent der Katholiken durch ihre Kirche, bei der Gesamtheit der Befragten waren es 3 Prozent. „Diese und weitere Zahlen machen ein rückgehendes Interesse an Religion und eine zunehmend losere Bindung an die Kirchen deutlich“, sagte Kranemann.
Öffentliche Trauerfeiern für die während der Pandemie Verstorbenen werden von einer deutlichen Mehrheit gewünscht. 41,1 Prozent der Befragten sprach sich dagegen aus, unter den Katholiken waren es 31,1 Prozent. Insgesamt wünschen sich nur 11,7 Prozent eine Organisation allein durch den Staat.
„Cosmo“ ist ein internationales Gemeinschaftsprojekt der Universität Erfurt, des RobertKoch-Instituts, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, des Leibniz-Instituts für Psychologie, dem Science Media Center, dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin sowie dem Yale Institute for Global Health. Ziel des Projektes ist es den Angaben zufolge, wiederholt Einblicke zu erhalten, wie die Bevölkerung die Corona-Pandemie wahrnimmt. Dazu nehmen seit März 2020 rund 1000 Personen zwischen 18 und 74 Jahren an wöchentlichen bis zweiwöchentlichen Befragungen teil.
 
(kna)