28.11.2019

Magdeburger Bistumsrat stellt erste Weichen für die Zukunft

Künftig „Kirchenvorstand ,plus‘“ möglich

Der Bistumsrat des Bistums Magdeburg hat angesichts weiter zurückgehender Kirchenmitglieder und Finanzen erste Weichen für die Zukunft gestellt.

David Gutmann informiert über die Ergebnisse der Studie zur Entwicklung der Kirchenmitglieder und Kirchensteuer bis 2060.    Foto: Susanne Sperling
 
Der Ausblick war düster: David Gutmann vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg stellte den Mitgliedern des Bistumsrates die Forschungsergebnisse der Studie zur Entwicklung der Kirchenmitglieder und der Kirchensteuer vor. Danach sinkt die Zahl der Katholiken im Bistum bis 2060 um 52 Prozent. Gut: Nur elf Prozent davon beruhen auf dem demografischen Faktor. Die restlichen 41 Prozent basieren auf Annahmen möglicher Taufen, Kirchenaustritte und anderer Faktoren.
Ein Großteil der Kirchenaustritte geschieht nach der Studie, wenn  junge Menschen zum ersten Mal ihren Lohn- oder Gehaltszettel in Händen halten. „Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche verlieren Kirchenmitglieder beim Eintritt ins Erwerbsleben“, so Gutmann. „Wer aber in jungen Jahren aus der Kirche austritt, wird sich wahrscheinlich nicht mehr kirchlich trauen oder die eigenen Kinder taufen lassen.“ Dieser Trend treffe die alten Bundesländer noch viel stärker als die neuen. Statistisch gesehen sagt die Projektion des Forscherteams voraus, dass 2060 nur noch 31 Prozent der Gesamtbevölkerung Mitglied in der evangelischen oder katholischen Kirche sein werden. 1989 waren es in Westdeutschland noch 94 Prozent.
Die Katholiken im Bistum Magdeburg erfahren sich schon lange in extremer Diasporasituation und versuchen, sich als kreative schöpferische Minderheit zu begreifen. Auf diesem Hintergrund und auch angesichts zunehmender Personalnot diskutierte der Bistumsrat eine Zusammenarbeit auf regionaler Ebene. Zudem beriet das Beratungsgremium des Bischofs die Möglichkeit, bei den Gremienwahlen 2020 die Zusammenlegung von Pfarrgemeinderat (PGR) und Kirchenvorstand (KV) zu ermöglichen. Danach soll eine Pfarrei entscheiden können, ob sie ausreichend Kandidaten für zwei Gremien, also PGR und KV motivieren kann, oder ob ein Gremium, die sogenannte „KV plus“-Variante, die bessere Op-tion ist.
 
(sus/tdh)