06.06.2019

45. Männer-Einkehrtag – diesmal in Finsterwalde

Kolping, Kapelle, Kirche, Kilian

Vor mindestens 45 Jahren begannen in einer Kapelle in Sallgast die Männer-Einkehrtage. Diesmal fand das Treffen in Finsterwalde statt. „Die Tage sind wichtige Konstante in meinem Leben“ sagte ein Teilnehmer.

Einkehrtag mit Pater Kilian Müller in Finsterwalde. | Foto: Silvia Dedek

 

Unter dem Jahresmotto des Bistums „Herr, zeige uns deine Wege“ fand am 26. Mai in Finsterwalde der 45. Männer-Einkehrtag statt. Dieser ist damit genau 20 Jahre älter als das Bistum selbst, welches in diesem Jahr ebenfalls sein Jubiläum feiern kann. Fragt man den Chronisten der Pfarrei, Rudolf Keßler, gibt es die gemeinsamen Treffen der Männer sogar schon etwas länger. „Wir haben Bilder von Männergruppen, die sich in Sallgast schon vor 1975 getroffen haben. Die schriftliche Zählung beginnt allerdings erst mit dem ersten Männer-Einkehrtag in Sallgast am 24. Mai 1975. Diesen gestaltete Pfarrer Birkner zum Thema „Adolph Kolping“ für etwa 50 Männer. Der Termin wurde bald zu einer festen Größe in der ganzen Region und es fanden sich stets zwischen 50 und 100 Männer im „Heidedom“ zu Sallgast zusammen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern, einen geistlichen Impuls zu bedenken und Gemeinschaft zu halten.

Bischöfe waren immer besonders willkommen
„Etwas Besonderes war es natürlich immer, wenn ein Bischof dabei war und den Einkehrtag gestaltet hat“, erinnert sich Herbert Kliche aus Crinitz. Nicht nur die Görlitzer Bischöfe haben dabei den Weg in die kleine Gemeinde im Elbe-Elster-Kreis gefunden, sondern beispielsweise auch Bischof Joachim Reinelt aus Dresden. Die Themen waren dabei ebenso vielfältig wie die Gäste und reichten von tiefergreifenden theologischen Überlegungen bis hin zu praktischen Auslegungen der Zehn Gebote oder einem Blick über den Tellerrand in andere Religionen. „Ich erinnere mich besonders an einen Einkehrtag, den uns Peter von Geisau, ein Krankenhausseelsorger aus Hamburg, gestaltet hat“, sagt Andreas Otto. „Ich hatte vorher mit ihm telefoniert, um das Thema abzusprechen und er erklärte mir, er wolle über Gedanken zu Krankheit, Sterben und Tod sprechen. Da war ich erst einmal etwas skeptisch, ob das die Männer interessieren würde. Aber es war ein toller Einkehrtag und seine Ausführungen haben sehr nachdenklich gemacht.“ Andreas Otto, der die Männertage inzwischen maßgeblich organisiert, ist mit diesen groß geworden. „Ich höre jedes Jahr zum Einkehrtag von irgendeinem, dass er mich schon von Kindesbeinen an kennt“, erzählt er schmunzelnd. „Ich bin hier richtiggehend rein gewachsen und möchte die Einkehrtage keinesfalls missen, da sie eine wichtige Konstante in meinem Leben sind.“ Inzwischen finden die Einkehrtage im Gemeindehaus in Finsterwalde statt. Die Erinnerung an Pfarrer Günther Schoppa, der zusammen mit Karl Pelz und Franz Otto die Sallgaster Einkehrtage für Männer initiierte, ist aber gerade für die Teilnehmer, die schon seit Jahren dabei sind, immer präsent. „Bei Pfarrer Schoppa hat man sich immer wohl gefühlt“, beschreibt Alfons Scheffler seine Erinnerungen. „Es war einfach schon immer eine besondere Atmosphäre, gerade zu DDR-Zeiten, wenn so viele Männer zusammen in der Kirche dicht gedrängt gesessen haben und gemeinsam gesungen und gebetet haben“, ergänzt Helmut Jahn. Das sieht auch Wilfried Pas so, der an 44 von 45 Männer-Einkehrtagen teilgenommen hat: „Der Höhepunkt ist die Gemeinschaft. Die Faszination der Einkehrtage geht für mich vom gemeinsamen Gesang und Gebet der Männer aus.“
Eine Faszination, die auch Pater Kilian Müller OCist teilt, der im 45. Jubiläumsjahr den Einkehrtag inhaltlich gestaltet hat. In seinen Impulsen nahm er die Männer mit in die Welt des Stundengebets der Mönche und beschrieb und interpretierte die Gebetszeiten gewissermaßen als Mini-Abbild unseres Lebens. Die ersten Gebetszeiten von Laudes, Prim, Terz repräsentierten dabei gewissermaßen Kindheit und Jugend, während die Non als Phase der Reifung gesehen werden kann, die Vesper als Repräsentantin des Alters und die Komplet schließlich als der Weg in den Tod und die Vollendung.

Einkehrtag 1991 | Foto: Archiv Pfarrei Finsterwalde

Einen besonderen Bezug zu den Sallgaster Männer-Einkehrtagen haben die Zisterziensermönche von Neuzelle inzwischen ohnehin, haben doch der Altar der Sallgaster Kirche und die Figuren in der Klausurkapelle des Klosters eine neue Heimstatt gefunden. So soll es in Zusammenarbeit mit ihnen auch künftig in Neuzelle einen Diözesaneinkehrtag für Männer geben, erklärte Ordinariatsrat Markus Kurzweil zum Abschluss des Tages. Der Einkehrtag in Finsterwalde bleibt daneben bestehen. Für den 26. April 2020 wurde bereits Diakon Wolfgang Gerlich aus Magdeburg angekündigt, der einen Impuls zur Thematik „So fest wie das Amen in der Kirche“ gestalten wird.

Von Silvia Dedek