01.11.2018

Funkkontakt zum deutschen Astronauten Alexander Gerst

Dessau ruft Raumstation ISS

Schüler des Dessauer Liboriusgymnasiums haben mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst gefunkt. Gerst ist Kommandant der Raumstation ISS und fliegt zurzeit in 400 Kilometern Höhe rund um die Erde.

Spannende Augenblicke: Wird die Funkverbindung zur Raumstation ISS gelingen? | Foto: Matthias Holluba
 
„Delta Kilo Zero Lima Golf is calling Delta Papa Zero India Sierra Sierra. Do you copy?“ Physiklehrer Jens Home wiederholt seinen Funkspruch: Delta Kilo Zero Lima Golf ist das Rufzeichen des katholischen Liboriusgymnasiums in Dessau. Und der Ruf geht an Delta Papa Zero India Sierra Sierra, das Rufzeichen der internationalen Raumstation ISS. „Liboriusgymasium ruft die ISS. Können Sie mich hören?“ Stille. Mit jeder Wiederholung steigt die Spannung. Wird gelingen, worauf sich die Schüler ein Jahr lang in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften und Kursen intensiv vorbereitet haben? Ein Funkkontakt mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst, der zurzeit der Kommandant der ISS ist. Die Raumstation fliegt in 400 Kilometern Höhe um die Erde und muss sich für den Funkkontakt über der Region Dessau befinden. Noch ist die Raumstation unter dem Horizont und kann den Funkspruch nicht empfangen. Pünktlich 10.22 Uhr plötzlich zuerst ein Rauschen und dann die Stimme von Alexander Gerst: „Ich höre euch laut und deutlich.“ Applaus brandet in der Schulaula auf, und Lehrer Home fällt sichtlich erleichtert ein Stein vom Herzen.
 
Die Frisör-Frage blieb unbeantwortet
Nun aber heißt es, keine Zeit verlieren, denn die ISS wird in zehn Minuten wieder hinter dem Horizont verschwinden. Der Funkkontakt wird dann abbrechen. Außerdem teilen sich die Dessauer Schüler die Zeit mit Schülern aus Dresden. Abwechselnd werden die Fragen gestellt: An welchen Experimenten arbeiten Sie? Es seien rund 300 Experimente, etwa zur Medikamenten-Entwicklung oder zur Pflanzenzucht. Was haben Sie gedacht, als Sie nach Ihrer ersten Mission auf die Erde zurückgekehrt waren? „Boah, ist das schwer hier!“, hieß die Antwort. Was schätzen Sie am Leben auf der Erde am meisten? Dass die Erde aus der Perspektive des Weltalls gesehen, ein ganz besonderer Ort ist. Was passiert, wenn ein Astronaut ernstlich krank wird? Dass Sojus-Raumschiff sei jederzeit startbereit, so dass die Astronauten im Ernstfall schnell zur Erde zurückkehren könnten. Alexander Gerst beantwortet alle Fragen, nur bei einer bleibt er die Antwort schuldig: Wachsen im Weltall die Haare schneller und muss man dann zum Frisör? Diese Frage müsse jemand beantworten, der sich damit besser auskenne als er. Alexander Gerst hat eine Glatze.
Dann sind die zehn Minuten auch schon vorbei. Nicht alle vorbereiteten Fragen konnten gestellt werden. Dennoch: „Das ist ein Augenblick, an den man sich sein Leben lang erinnert“, meint Lehrer Home und spricht dabei wohl nicht nur für sich selbst.
Wie intensiv die Vorbereitungen auf dieses Ereignis waren, darüber konnten sich die in der Aula anwesenden Gäste ein Bild machen, denn rund um den Funkkontakt gab es Vorträge und Experimente der verschiedenen beteiligen Schülergruppen. Die Amateurfunker der Schule, die bei diesem Event von anderen Amateurfunkgruppen unterstützt wurden, informierten über ihr Hobby und stellten die Technik vor, die notwendig war, um den Kontakt zur ISS herzustellen. Andere stellten Alexander Gerst, seinen Werdegang und seine Raumstation vor. Und schließlich gab es auch einige Experimente, die die im Weltall herrschenden Bedingungen verdeutlichen sollten – vom Vakuum bis zur Schwerelosigkeit.

Mitschnitt des Funkkontaktes
 
Von Matthias Holluba