09.12.2021

Verabschiedung der Maristenpatres aus der Pfarrei Dessau

Geschwisterliches Miteinander

Mit den Patres Heinrich Haskamp, Alfons Averbeck und Josef-Maria Merkl verlassen im Dezember die letzten Maristen die Pfarrei Dessau. Bischof Gerhard Feige war zur Verabschiedung nach Dessau-Süd gekommen.

Pater Heinrich Haskamp, Pater Josef-Maria Merkl und Pater Alfons Averbeck nach dem Abschiedsgottesdienst am Zweiten Advent in Dessau-Süd.    Foto: Karl Sittel

 

„Wir werden sie vermissen. Sie waren fast 30 Jahre lang eine große Bereicherung für uns, seelsorglich wie menschlich“, betont der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates in Dessau, Torsten Fehrmann, anlässlich der Verabschiedung der Maristen-Patres  aus der Bauhaus-Stadt an der Elbe. „Sie haben sich lebhaft in die Kreise und Gruppen der Gemeinde eingebracht und an Veranstaltungen beteiligt. Wir haben zahlreiche Gemeindefahrten unternommen. Es sind persönliche Freundschaften entstanden. Sie waren uns Brüder unter Schwestern und Brüdern“, so Fehrmann. In ihrem hohen Alter hätten es die Patres verdient, sich zurückziehen zu können. „Aber als Christen hier in Dessau sind wir natürlich auch traurig, dass sie gehen. Und haben gewisse Ängste, wie es weitergehen wird.“
Auch Bischof Gerhard Feige, der am Zweiten Advent mit Bischof emeritus Leo Nowak zur Verabschiedung nach Dessau-Süd gekommen war, war voll des Lobes und Dankes: „In den fast drei Jahrzehnten, die Sie hier waren, haben Sie uns auf vielfältige Weise unterstützt, Christen wie Nichtchristen etwas von der Menschenfreundlichkeit Gottes nahezubringen und wie Johannes der Täufer auf den Erlöser zu verweisen. Sie waren – wie es Karl Rahner einmal angemahnt hat – keine Herren, sondern Diener, keine Funktionäre, sondern Geistliche, keine Nachlassverwalter, sondern Wegbereiter. Durch Ihr Dasein und Ihren Dienst haben Sie sehr persönlich Zeugnis von dem abgelegt, was Ihr Leben trägt und woran Sie glauben.“
Pfingsten 1990 hatte der Generalsuperior der Maristen in Rom – ein Australier – angeregt, ob sich die Maristen, besonders die in der deutschen Ordensprovinz, im östlichen Teil Deutschlands engagieren und der Kirche dort beim Aufbruch helfen könnten. Eineinhalb Jahre später eröffneten die Patres der Societas Mariae (SM, Gesellschaft Mariens) auf Einladung von Bischof Leo Nowak in der Pfarrei Heilige Dreieinigkeit in Dessau-Süd eine Kommunität und übernahmen Aufgaben in der Pfarrei und auf weiteren Seelsorgefeldern: Pater Heinrich Haskamp, Bernd Kordes und bald auch Hermann Wöste.

Die lebendige Gemeinde war eine gute Basis
„Unsere Hoffnung war, dass es hier in Dessau-Süd eine lebendige Gemeinde gab“, so Pfarrer Pater Haskamp 2017 zum 25-jährigen Jubiläum der Maristen in Dessau-Süd. „Die Leute hier hatten keine Ahnung von Ordensleben, aber sie haben uns mit wirklich offenen Armen aufgenommen. Und wir haben uns bewusst bemüht, zuzuhören, und nicht als die angeblich großen Macher aus dem Westen zu erscheinen.“
Pater Kordes brachte sich bei Marriage Encounter (Ehebegleitung) und in der Priesterseelsorge ein, Hermann Wöste war bei Flüchtlingen tätig und Heinrich Haskamp als Pfarrer in Dessau-Süd. „Die Tatsache, dass wir Neues begonnen hatten, schlug bei unserem Generalkapitel ein und in der Folge kamen Maristenschwestern (nach Stendal beziehungsweise Seehausen), Maristenmissionsschwestern nach Dessau-Alten und Maristen-(Schul-)brüder ins Bistum“, die sich über die Jahre hinweg dann aber aus Kräftegründen wieder zurückziehen mussten, so Pater Haskamp. Sie waren in Dessau-Propstei, in der Gemeinde Dessau-Alten, in der Gefängnisseelsorge, der Bahnhofsmission, in der Jugendarbeit und bei der Caritas tätig. „Wir hatten bewusst in der Gemeindearbeit begonnen, um festen Boden unter den Füßen zu haben und von da aus zu schauen, was außerdem möglich ist. Und etwas Besseres hatte uns nicht passieren können.“
Wenn er jetzt seine Sachen zusammenpacke, so Pater Haskamp (80) dieser Tage im Gespräch, erinnere er sich sehr gern an die Pilgerreisen mit der Gemeinde zum Beispiel mehrmals ins Heilige Land oder zuletzt bis ins norwegische Trondheim. „Die Fahrten haben uns in der Gemeinde zusammengehalten. Auch die Reisen am Anfang mit Hilfsgütern zu den Schönstatt-Schwestern in Kaliningrad gehören dazu“, so Haskamp.
Aus der Aufbruchsstimmung der 1990er Jahre heraus sei die Gemeinde zahlenmäßig leider nicht gewachsen, so der Seelsorger weiter. Viele junge Leute seien weggezogen und die Gemeinde zunehmend älter geworden. Schließlich sei Dessau-Süd Teil der neu errichteten Pfarrei St. Peter und Paul Dessau geworden „Und es gab auch keine geistlichen Berufungen, wie wir uns das gewünscht hätten.“ Pater Haskamp: „Ich bin aber dennoch dankbar, dass wir ein gutes Stück eines fruchtbaren Weges miteinander gehen konnten. Wir haben immer wieder versucht, mit den Leuten zusammenzukommen und gemeinsam unser Leben zu verlebendigen.“ Dies gelte nicht nur für das Miteinander in der Gemeinde, sondern auch für die Arbeit seiner Mitbrüder, zum Beispiel Georg Galke (82) mit seinen Exerzitien-Angeboten und Impulsen, Alfons Averbeck (83) mit seinem Engagement im Wörlitzer Bibelturm oder Josef-Maria Merkl (73) bei seinem Dienst im Klinikum in Dessau und später für die Mitarbeiter der Caritas-Trägergesellschaft St. Mauritius. Alle Priester hielten in Dessau und Region immer auch Gottesdienste.

Es wird neue Erfahrungen von Kirche geben
Angesichts fehlender Seelsorger ist Heinrich Haskamp überzeugt: „Wenn die so genannten Laien die ihnen zugedachten Dienste wahrnehmen und ihre Möglichkeiten ausschöpfen sollen, müssen wir als Priester abtreten. Auch hier in Dessau werden gute Leute verantwortlich Dienste übernehmen und mit der Gemeinde neue Erfahrungen, Kirche zu sein, sammeln.“ Da gehe „die Entwicklung im Bistum durchaus weiter“.
Pater Merkl zieht nach Mep-pen, wo Pater Galke schon seit 2020 lebt. „Wenn ich und Pater Averbeck nun nach Fürstenzell gehen“, so Heinrich Haskamp, „werde ich die schlichte Kirche in Dessau-Süd vermissen.“ Und: „Ich bin Bischof emeritus Nowak sehr dankbar, dass er uns Maristen hierher gerufen hat.“

Mehr: www.gemeinde-leben.com; www.maristenpatres.de

Von Eckhard Pohl