02.08.2019

Die Freitaler Gemeinde St. Joachim hat ihre Kirche umgestaltet.

Lebendiger Kirche Raum geben

Die Freitaler Gemeinde St. Joachim hat ihre Kirche umgestaltet. In die Entscheidung darüber wurde die Gemeinde umfassend einbezogen. Dabei gab es einen intensiven Austausch über die Bedeutung liturgischer Feiern.


So sieht die St.-Joachims-Kirche heute aus. Anders als zunächst vorgesehen, gibt es kein Podest für die Altarinsel. | Fotos: Pfarrei Osterzgebirge

Altar und Ambo hatten ihren Platz in der katholischen Kirche von Freital bisher auf einer erhöhten Altarinsel. Nun sind beide in die Mitte gerückt und stehen auf der gleichen Ebene wie die Kirchenbänke. Mit dieser Anordnung nähert sich die Gemeinde dem Gottesdienstverständnis, das durch das zweite Vatikanische Konzil hervorgehoben wurde: Der Priester zelebriert die Messe nicht für passive Zuschauer, sondern die Gemeinde als Volk Gottes feiert die Eucharistie unter dem Vorsitz des Priesters.
Die Planungen für eine Innenrenovierung und Umgestaltung der Kirche begannen schon vor einigen Jahren. Bis Ende 2015 war die Freitaler Gemeinde in einer Pfarrei mit Dresden-Löbtau. Schon damals war klar, dass die Kirche eine Innenrenovierung dringend nötig hatte. Außerdem stellte die Einrichtung ein Sammelsurium verschiedenster Stilrichtungen dar, die nicht immer gut zusammenpassten.
Anfang Januar 2016 vereinten sich die Gemeinden Freital, Dippoldiswalde, Glashütte und Zinnwald zur neuen Pfarrei Osterzgebirge. Pfarrer Gerald Kluge bremste die Freitaler Baupläne zunächst etwas, weil er sich erst Klarheit über die Finanzlage der neuen Pfarrei verschaffen wollte. Allerdings nahm er schon im Frühjahr des gleichen Jahres Kontakt mit Pfarrer Stephan George auf, der als Leiter der liturgischen Kommission im Bistum Hinweise zu aktuellen Anforderungen an neu gestaltete liturgische Räume geben konnte. Nach ersten Beratungen im Seelsorgerat startete der rund ein Jahr später eine Ausschreibung an zunächst drei Architekturbüros und gründete einen Bauausschuss, der sich fortan mit gro-ßem Einsatz um die Organisation kümmerte und um alles, was die Gemeinde in Eigenleistung bewerkstelligen konnte.
Das ausgewählte Architekturbüro bekam den Auftrag, drei Varianten der Kirchenraumgestaltung zu erarbeiten. Dabei ging es vor allem um die Orte von Altar, Ambo und Taufstein und um die Stellung der Bänke. Der Taufstein sollte so platziert werden, dass die zentrale Bedeutung der Taufe  für die christliche Gemeinschaft stärker in den Blick rückt. Kurz zuvor hatte die Pfarrei ihre Kirche in Glashütte verkauft. Der dortige Tabernakel sollte nun in die Freitaler Gestaltung eingebunden werden, nach Möglichkei in einer separaten Sakramentskapelle.

Gestaltungsvarianten auf sich wirken lassen
Soweit wie es ohne Umbauten möglich war, probierte die Gemeinde im folgenden Herbst jede der drei Varianten einen Monat lang aus, so dass die Gemeinde die Anordnung der liturgischen Orte und der Sitzgelegenheiten auf sich wirken lassen konnten. Zu Beginn der Gottesdienste wurde eine Erläuterung verlesen, aus der die Anliegen hervorgingen, auf denen die jeweilige Variante gründet. Anschließend wurden in der Gemeinde Meinungen gesammelt. Eine Gemeindeversammlung, auf der die Eindrücke zu allen drei Varianten ausgetauscht wurden, fand Ende November 2017 statt. Kurz darauf tagten Seelsorgerat und Bauausschuss gemeinsam, um die schriftlichen Voten der Gemeinde zu sichten und sich für die beste Möglichkeit zu entscheiden.


Die nächste Generation im Blick behalten
Unter den eingegangenen Wortmeldungen waren praktische Hinweise wie der, dass bei der einen oder anderen Variante die Sonneneinstrahlung auf einigen Bänken zu heftig ausfallen könnte. Begeisterte Zustimmung und verhaltene Skepsis verteilten sich einigermaßen gleichmäßig auf alle drei Vorschläge. Einige Gemeindemitglieder plädierten dafür, auf eine Umgestaltung komplett zu verzichten und drohten gar damit, andernfalls in eine andere Gemeinde zu wechseln.
Alle elf Mitglieder der beiden Entscheidungsgremien votierten schließlich für die Variante B als eine Art Mittelweg zwischen der eher traditionellen Variante A und der ambitioniertesten Variante C. „Nach der Gemeindeversammlung haben wir den Eindruck gewonnen, dass die Gemeinde am besten mit Variante B leben kann“, fasst Pfarrer Kluge zusammen. „Sie bietet eine stärkere Erfahrung von Gemeinschaft. Allerdings kann der einzelne durch die Wahl seiner Sitzposition auch die traditionelle Raumerfahrung mit direktem Blick auf die Vorderseite des Altars haben“.
Nach der Entscheidung habe man die Gemeinde informiert und dabei auch gesagt, dass sie nicht den Wünschen eines jeden entspricht. Man habe sich für eine Variante entschieden, mit der die meisten gut leben können und die auch die kommende Generation nicht aus dem Blick verliert, die in den nächsten Jahrzehnten damit leben muss.
Unterdessen lebt die Gemeinde mit der Variante B, allerdings mit Abwandlungen. Beim Probestellen konnte nicht extra ein Podest für die Altarinsel gebaut werden. Während des Probe-Monats bemerkten viele Gemeindemitglieder, dass diese Form ohne Podest dem angestrebten Gemeinschaftsgedanken viel besser entsprach. Auch fiel auf, dass die Gottesdienstbesucher bei starkem Sonnenschein in einigen Reihen geblendet werden. Um dies abzumildern, wurden elektrische Rollos angeschafft. Lautsprecher-Anlage und Beleuchtung wurden komplett überholt und an die neue Situation angepasst.
Einige Details fehlen noch, Sitzpolster zu Beispiel oder Stühle für die Empore. Erst nachdem der Raum über längere Zeit auf die Gottesdienstbesucher wirken konnte, will man sich für ein gestalterisches Element entscheiden, das auf den Kirchenpatron Joachim verweist.
Von den Umgestaltungsgegnern hat Pfarrer Kluge nichts mehr gehört, seit die Gottesdienste in der umgestalteten Kirche gefeiert werden. Da die meisten Meinungsäußerungen ohne Absender waren, weiß er gar nicht, wer welche Position vertreten hat. Die Drohungen, bei Veränderungen die Gemeinde zu wechseln, sieht er gelassen: „Meine Meinung ist, dass man sich von solchen Äußerungen nicht erpressen lassen darf. Und schließlich ist es die Entscheidung eines jeden, in welche Kirche er geht.“ (dw)