17.03.2022

Kunstverkauf der Partnerschaftsaktion Ost für Flüchtlinge

Zwischen Himmel und Erde

Großformatige Bilder der deutsch-russischen Künstlerin Swetlana Thiele sind derzeit in Magdeburg zu sehen. Drei können über die Partnerschaftsaktion Ost erworben werden. Der Erlös kommt Flüchtlingen aus der Ukraine zugute.

Künstlerin Swetlana Thiele vor einem ihrer ikonenartigen Bilder – eine Christusdarstellung.    Foto:  Partnerschaftsaktion Ost

„Es ist für mich sehr beeindruckend, was Swetlana Thiele über das ,Schreiben‘ von Ikonen, wie es richtig heißt, zu berichten weiß“, sagt Monika Köhler. „Mit innerer Ergriffenheit hat sie über wichtige Momente des Ikonen-Schreibens gesprochen: Beten, fasten, vom Heiligen Geist erfüllt sein, Mittler sein zwischen dem Himmlischen und dem Irdischen ….“ Ihre eigenen Bilder bezeichne sie deshalb nur als ikonenartig.
Köhler gehörte zu den Teilnehmern der Eröffnung einer kleinen Ausstellung der deutsch-russischen Künstlerin Swetlana Thiele im Kreuzgang der Kathedrale St. Sebastian in Magdeburg. Zu sehen sind sechs großformatige Bilder. Drei sind ikonenartige Darstellungen, so zum Beispiel ein Christusbild. Drei weitere sind in einem anderen Stil dem Themenfeld Frau, Mutter, Natur, Schöpfung gewidmet. Zur Vernissage hatte die Künstlerin auch kleinformatige Werke mitgebracht. Veranstalter der Ausstellung ist die Partnerschaftsaktion Ost.

Intensive Ausbildung der Ikonographen
Monika Köhler, die selbst über Jahre Leiterin des Osteuropa-Hilfswerks des Bistums war, gefallen besonders die drei weiblichen Darstellungen. „Sie symbolisieren Weiblichkeit, stellen Mütterlichkeit, Leben, Natur und Schöpfung in einen Zusammenhang.“
Bei der Einführung in ihre Arbeiten am 8. März, dem Internationalen Frauentag, erklärte die Künstlerin, welchen Ausbildungsweg Kandidaten absolvieren, ehe sie sich Ikonograph, also Ikonenschreiber, nennen dürfen: Die Studenten durchlaufen eine fünfjährige, intensive theoretische und praktische Ausbildung. Dazu gehöre auch eine innere, seelische Prüfung. Nach der Segnung durch einen Priester am Ende der Ausbildung sei der Betreffende dann befähigt, Ikonen zu schreiben. Der Heilige Geist gebe dem ausgebildeten Ikonographen Kraft und Fähigkeiten, Ikonen zu schreiben. Die Ikonen würden nur mit Naturmaterialien auf speziell behandeltes Holz gemalt. Dabei gehe der Ikongraph mit einer „verkehrten“ Perspektive – von außen nach innen, vom Weiten zum Inneren, ins Zentrum, zum Herzen vor.
Thiele wurde in Deutschland geboren, wuchs im russischen Wolgograd auf und kehrte mit 27 Jahren nach Deutschland zurück. Sie lebt heute mit ihrer Familie im Jerichower Land. Sie arbeitet als Ergotherapeutin mit einsamen, psychisch erkrankten und dementen Menschen und ist in verschiedenen Projekten tätig.

Vom Göttlichen der Ikonen berührt
Thiele habe schon im Kindesalter „den Drang gespürt, mit Farbe und Pinsel ihre Gedanken, Träume und Visionen aufs Papier zu bringen“, stellte die Leiterin der Partnerschaftsaktion Ost, Rasa Hinz, die Künstlerin vor. Nach der Schule habe sie in St. Petersburg studiert. Als Restauratorin habe sie an Fassaden von historischen Gebäuden und Innenräumen sakraler Bauten gearbeitet. Dabei sei sie dem christlichen Glauben tiefer begegnet, so Hinz. „Das Göttliche, das diese Bilder darstellen, und das Irdische haben dich in ihren Bann gezogen. … Deine großformatigen ikonographischen Bilder beeindrucken und ergreifen uns. Wir fühlen uns in eine andere Welt – zwischen Himmel und Erde – versetzt.
Die drei ikonografischen Bilder von Thiele können erworben werden. Mit einem Mindestgebot von 200 Euro pro Bild können Interessierte mitsteigern. Der Erlös soll nach dem Willen der Künstlerin Geflüchteten aus der Ukraine zugutekommen. Rasa Hinz nimmt Kaufgebote und -wünsche entgegen. Die Übergabe der Bilder erfolgt nach Ende der Ausstellung am 31. März.

Mehr Infos: www.partnerschaftsaktion-ost.de

Von Eckhard Pohl