25.10.2018

Katholische Studentengemeinde

Zweite Heimat für junge Leute

Reges Leben herrscht in der Katholischen Studentengemeinde in Halle. Hier treffen sich bis zu 60 Kommilitonen, um gemeinsam zu beten, zu essen, zu diskutieren und zu feiern. Und sie genießen dieses Miteinander.

Corinna Schelp, Lisa Warnecke, Annegret Vesely, Sophia Wagner, Adrian Grave und (hinten) zwei weitere Mitglieder der Katholischen Studentengemeinde an ihrem Stand auf dem Campus der Uni Halle. | Foto: Eckhard Pohl
 
Sie sind eine muntere, engagierte Truppe. Und genauso vertraten die jungen Studenten am Immatrikulationstag am 12. Oktober ihre Hallenser Katholische Studentengemeinde (KSG) Thomas Morus auf dem Campus am Löwengebäude. „Wir sind eine anerkannte Hochschulgruppe und als solche präsentieren wir uns hier“, sagt Annegret Vesely. Die bisherige KSG-Sprecherin und Lehramtsstudentin hält gemeinsam mit ihrer Nachfolgerin Lisa Warnecke, Adrian Grave, Sophia Wagner und weiteren Kommilitonen am KSG-Stand die Stellung. Einer der Studenten ist zudem immer wieder mit dem Angebots-Flyer für das neue Semester auf dem Campus unterwegs. Neben der KSG hat die Hochschulgruppe der Jusos ihren Stand, aber auch Sport-Gruppen, Versicherungen oder Wohnungsunternehmen sind präsent.
Auf kritische Themen wie den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche würden sie nicht angesprochen, sagt Sprecherin Lisa Warnecke. „Die Erstis (Erstsemester), die an unseren Stand kommen, wollen wissen, wie es bei uns um die Ökumene steht und natürlich, was wir anbieten.“ In diesem Semester gebe es – selbstverständlich ökumenisch offen – viele Angebote mit Bezug auf Halle und damit auf die neue Wahlheimat der Studierenden, so die Biochemie-Studentin aus der Nähe von Wolfsburg. Und das sei ja für die „Erstis“ schließlich wichtig.
Ein Stück Heimat ist für die Gemeindemitglieder nicht nur ihr Studienort, sondern vor allem die KSG geworden. „Es ist schön, mit Leuten zusammen zu sein, die trotz aller Verschiedenheit ein gemeinsames Wertefundament und Menschenbild haben und bestimmte Interessen teilen“, sagt Adrian Grave aus Meppen. Man könne sich besonders in Fächern wie Jura, die sehr viele studieren, schnell sehr verloren fühlen, so der Lehramtsstudent im zehnten Semester. „Die KSG ist eine gute Möglichkeit, Leute zu treffen und Beziehungen zu knüpfen.“
 
Gemeinsame Werte und Interessen
Und das über sämtliche Fachrichtungen hinweg, was auch Möglichkeiten eröffne, sich in Fragen des Studiums gegenseitig zu unterstützen, wie Sophia Wagner, sie stammt aus Schirgiswalde, betont. Die Studentin ist Sprecherin beim RAK Ost, dem Regionalen Arbeitskreis der Katholischen Studentengemeinden der Region Ost. Das Gremium fördert die Zusammenarbeit zwischen den KSG’n. Der RAK Ost lädt jährlich am letzten Juni-Wochenende zur „Rauszeit“ (früher Studentenwallfahrt) ins sorbische Rosenthal ein, organisiert ein jährliches Fußball-Turnier – diesmal fand es in Potsdam statt – und koordiniert die Patronatsfest-Termine der Studentengemeinden.
Auch Sophia Wagner, die nach Wirtschaft und Psychologie nun BWL mit Masterabschluss studiert, betont, wie gut es ist, in der KSG „eine zweite Heimat“ zu finden. „Alle sind von zu Hause weg, sind mit der gleichen Situation konfrontiert.“ Da sei es einfach schön, sich zum gemeinsamen Abendbrot zu versammeln, sich auszutauschen, was zu unternehmen. „Wir möchten, dass auch Auszubildende, junge Leute, die ein FSG oder FÖJ (Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr) absolvieren oder in ähnlichen Situationen stecken, zu uns finden. Alle jungen Leute, die am neuen Ort eine Heimat suchen, sind in der KSG willkommen“, so die RAK Ost-Sprecherin.
Jeden Sonntagabend ist in der KSG Stadt- und Hochschulgottesdienst mit anschließender Begegnung. Mittwochabend kommen die KSGler zu heiliger Messe, Abendbrot und Vortrag mit Diskussion zusammen. Der Studentenchor probt wöchentlich, jeden dritten Donnerstag im Monat ist Taizé-Gebet. Kontinuierliche Kontakte gibt es zur KSG in Leipzig, die 2019 auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken wird. Das allermeiste wird selbst organisiert, denn im Gegensatz zu vielen vor allem westdeutschen Hochschulgemeinden gibt es außer Studentenseelsorger Thomas Lazar keine hauptamtlichen KSG-Mitarbeiter.
Wichtig im Laufe des Jahres ist das Patronatsfest. „Wir haben eine Theatergruppe, die dafür immer ein Stück vorbereitet“, sagt Annegret Vesely. „Im letzten Semester haben wir Shakes-peares ,Sommernachtstraum‘ einstudiert. Und es dann noch weitere dreimal gezeigt. Alle Aufführungen waren übervoll. Wir waren eine tolle Truppe, hatten viel Spaß. Es war eine außerordentlich gelungene Interpreta-  tion des Klassikers.“
 
Besondere Angebote für Erstsemester
Für die Erstsemester finden jeweils ein Neuenabend, ein Cocktailabend und die Neuenfahrt statt. Gemeinsame Fahrten in der vorlesungsfreien Zeit wie etwa in Leipzig die Sozialfahrt haben die Hallenser in den letzten Jahren kaum unternommen. Für September 2019 ist nun aber eine Reise mit Studentenseelsorger Thomas Lazar nach Rom geplant.
In diesem Jahr wurden mit 4400 soviele Studenten wie noch nie in Halle immatrikuliert. „Bei gut 20 000 Studenten in der Saalestadt haben wir mit unseren 60 bis 80 KSG-Mitgliedern natürlich noch viel Luft nach oben. Andererseits reicht manchmal der Platz in unseren Räumen kaum noch aus“, sagt Theologe und Familienvater Thomas Lazar, der seit gut einem Jahr die KSG leitet und seine Studenten nur loben kann. „Mein Vorgänger Pfarrer Marco Vogler hatte die jungen Leute gut auf eine Vakanz vorbereitet. Sie sind in der Zeit gewachsen und nehmen viel selbst in die Hand. Und ich bin bestrebt, sie möglichst gut dabei zu begleiten.“

Mehr Infos: www.ksg-halle.de; www.ksg-vorort.de
 
Von Eckhard Pohl

Kommentare

Danke, Herr Pohl, für den gelungenen Beitrag! Er trifft die Situation der KSG in Halle sehr gut. Ähnlich ist es mit Sicherheit auch in den anderen Studentengemeinden in unserer Region Ost. Alles Gute Ihnen!