05.08.2021

Bestrebungen der KSG Halle für die Bewahrung der Schöpfung

Den Lebensstil ändern

Mitglieder der Katholischen Studentengemeinde in Halle versuchen, ihren Alltag bewusst mit Blick auf die Bewahrung der Schöpfung zu gestalten. Für die Gemeinde streben sie die Zertifizierung mit dem „Grünen Hahn“ an.

Yosef Benedikt Arifian, Lisa-Marie Müller und Studentenseelsorger Thomas Lazar im Garten der Katholischen Studentengemeinde an der Moritzkirche in Halle.    Fotos: Eckhard Pohl

 

„Der enorme Verbrauch an Rohstoffen einschließlich von Wasser weltweit ist besorgniserregend. Dazu kommen die riesigen Mengen an Schadstoffen wie Stickoxiden und Kohlendioxid, die wir Menschen verursachen“, sagt Yosef Benedikt Arifian (27). Kritisch sei zudem „das ständige Wachsen der Weltbevölkerung, was zu noch höherem Verbrauch und noch mehr Schadstoffbelastung führt – mit inzwischen für jeden nicht mehr zu übersehenden Folgen für das Klima“.

Sorge, dass die Klimaziele nicht erreicht werden
Für den gebürtigen Indonesier, der an der Hochschule Merseburg Chemie- und Umweltingenieurwesen studiert, ist es allerhöchste Zeit, den Lebensstil zu verändern. „Die gesetzlichen Normen und angestrebten Ziele in Deutschland und weltweit müssten viel höher sein. Es müsste strenge, unabhängige Kontrollen der Betriebe geben. Ich befürchte, dass wir es nicht schaffen, die Temperaturerhöhung bis 2050 auf maximal 1,5 Grad Celsius zu begrenzen“, sagt der 27-Jährige. Außerdem sei es alles auch eine Frage der Verteilung der Ressourcen nicht zuletzt im Blick auf die vielen Menschen, die weltweit in Armut leben.
Für um so notwendiger halten es Arifian und seine Kommilitonin Lisa-Marie Müller, als Studenten in der Katholischen Studentengemeinde (KSG) Halle selbst etwas für die Bewahrung der Schöpfung zu tun. „Es reicht nicht, über die Situation zu reden. Entscheidend ist, zu schauen, was ich in meinem Alltag ändern kann, und damit anzufangen“, sagt Pharmazie-Studentin Müller, „besonders als junge Menschen, die noch viele Jahre mit den Klimaveränderungen werden leben müssen und eigentlich wenig Lobby haben“.
Arifian und Müller haben in der KSG im Februar ein Umweltteam mitgegründet, dem einschließlich Seelsorger Thomas Lazar insgesamt neun Personen angehören. Im Team, das sich monatlich trifft, haben sie sich dafür entschieden, als Gemeinde die kirchliche Umweltmanagement-Zertifizierung mit dem „Grünen Hahn“ anzustreben.
In der KSG gehe es nun zunächst einmal darum, Bewusstsein für das Anliegen zu schaffen, also „Informationen zu geben, denn nicht alle haben den gleichen Stand. Und darum, Ziele zu formulieren. Wir sind ja vergleichsweise privilegiert“, sagt Müller. „In den Kirchengemeinden ist es viel schwieriger, die Menschen für ein entsprechendes Engagement zu gewinnen. Außerdem hängt dort nicht selten zum Beispiel noch eine Kita dran. Dort wird das eher als Belastung oder Kostenfaktor gesehen. Dabei wäre es auch in den Ortsgemeinden ganz wichtig, umweltbewusst zu leben“, sagt Müller, und denkt als lutherische Christin dabei an katholische und evangelische Gemeinden.

Erst einmal den Ist-Zustand erfassen
Im Blick auf die angestrebte Zertifizierung will die KSG Halle nun erst einmal den Ist-Stand erheben: Wie hoch ist der Energie- und Wasserverbrauch? Wie viel Papier und Plastik wird verwendet, wie viel Müll fällt an und wie sind die Studierenden unterwegs: Mit Fahrrad, Zug, Auto ...? Alle diese und ähnliche Daten sind in das Grüne Buch des Umwelt-Mangement-Programms einzutragen. Sehr zum Ärger von Yosef Benedikt Arifian ist es einstweilen nicht möglich, den Verbrauch an Wärmeenergie zu erfassen. Das liege daran, dass die Räume der KSG nicht über eine zentrale Heizleitung versorgt weren. „Es würde an die 3000 Euro kosten, um entsprechende Zähler in die verschiedenen Stränge einzubinden, um den Verbrauch erfassen zu können. Das ist nicht machbar“, sagt Studentenseelsorger Lazar.

 

Zwei Bienenvölker haben im Moritzgarten ihren Bienenstock.


Recht gut sei man in der KSG hinsichtlich des Fleischkonsums. An die 95 Prozent der Mahlzeiten sei vegetarisch, betonen die Studenten. Schon länger kümmert sich ein Teil der Studenten zusammen mit ihrem Seelsorger und Engagierten aus der benachbarten Pfarrgemeinde um die Pflege des Moritzgartens auf dem Gelände der KSG. Hier gedeihen mehr als 70 Weinstöcke, aber auch Tomaten, Zucchini, Zwiebeln, Kürbisse ... Zwei Bienenvölker haben hier ihren Platz. Zudem wurde ein kleiner Teich renaturiert. Lebensmittel werden möglichst regional, saisonal und biologisch eingekauft. Die Elektroenergie kommt aus Ökostrom, das sei kaum teurer als Strom aus fossilen Brennstoffen. Zudem werden inzwischen stromsparende LED-Lampen eingesetzt.

Umweltverträgliche Reinigungsmittel
„Wir verwenden nachhaltige und umweltverträgliche Reinigungs- und Waschmittel“, betont Müller. Selbstverständlich komme Öko-Papier zum Einsatz, und auch die Rückseiten werden nach Möglichkeit bedruckt. Die Mülltrennung funktioniere ohnehin bestens. Einen Abend pro Semester geht es thematisch um Fragen von Ökologie und damit verbundener sozialer Verantwortung. Zuletzt hat eine Referentin den Unverpackt-Laden in Halle vorgestellt. Zudem kommt die Schöpfungsbewahrung immer wieder in den verschiedenen Gottesdiensten zur Spache. Das seien alles Aspekte, die eine mögliche Zertifizierung im Umwelt-Management-Programm „Grüner Hahn“ begünstigen.
Müller und Arifian nehmen im  Rahmen des gegenwärtigen Zertifizierungs-Programms an einer Auditorenschulung teil und werden künftig als Umwelt-Management-Beauftragte vielleicht andere Gemeinden bei ihrem Weg zu mehr klimabewusstem Handeln unterstützen. In dem sie die eigene KSG bei der Zertifizierung begleiten, stellen sie ihre erlernten Fähigkeiten unter Beweis.

Zur Sache: System für das Umweltmanagement
Der „Grüne Hahn“ hat sich als praktikables System etabliert, um in Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen kontinuierlich die eigenen Umweltauswirkungen zu verbessern. Das System erlaubt es, eigene Schwerpunkte und Ziele zu setzen. Der „Grüne Hahn“ ist ein Zertifikat, das die Vorgaben der internationalen DIN-Norm EN ISO 14001 ff sowie der Europäischen Öko-Audit-Verordnung EMAS erfüllt. Er wird nach Abschluss der Einführung des Umweltmanagementsystems vergeben.
Der „Grüne Hahn“ stärkt die kirchliche Glaubwürdigkeit nach innen und außen.
Die Zertifizierung ist betriebswirtschaftlich sinnvoll und ökologisch bedeutsam. Sie kann den Gemeindeaufbau fördern und ist ein systematischer Weg vom Reden zum Tun.
Die Fachstelle Kirchliches Umweltmanagement der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in Wittenberg berät und begleitet interessierte Gemeinden und Einrichtungen, bildet in Kursen kirchliche Umweltauditoren aus und kooperiert mit den umliegenden Landeskirchen und Bistümern.

Mehr Infos: www.ev-akademie-wittenberg.de; www.ksg-halle.de;
Umweltbeauftragter des Bistums Magdeburg, Dr. Wendelin Bücking, E-Mail: umwelt@bistum-magdeburg.de