20.09.2019

1919 gründeten Borromäerinnen in Weißwasser eine Kleinkindspielschule

100 Muffins zum 100. Geburtstag

1919 gründeten die Borromäerinnen in Weißwasser eine Kleinkindspielschule. Daraus ist das Kinderhaus St. Johannes geworden. Die katholische Gemeinde leistet damit auch einen wichtigen Dienst für die Stadt.

Für die Geburtstagstorte zum 100. hatten die Eltern der Kinderhaus-Kinder in aller Heimlichkeit gesorgt.    Fotos: Matthias Holluba

 

Was braucht man für eine Geburtstagsfeier? Gäste, Blumen, Kerzen, Geschenke … Die Kinder des Kinderhauses St. Johannes in Weißwasser hatten sich in den letzten Wochen gut auf das Jubiläum vorbereitet. Denn ihr Kinderhaus wird in diesen Tagen 100 Jahre alt. Zu einem solchen runden Geburtstag gehört natürlich auch eine richtige Geburtstagstorte. Für diese hatten in aller Heimlichkeit Eltern gesorgt: In eine Holzplatte hatten sie 100 Löcher gebohrt – angeordnet als Zahl 100. Und in jedem der Löcher steckte ein selbstgebackener Muffin, allerdings nicht lange, denn die Leckerei kam bei den Kindern gut an.

Von Borromäerinnen 1919 gegründet
„Unser Kindergarten dürfte der älteste in der Stadt sein“, sagt Pfarrer Michael Noack ein wenig stolz. Als im Zuge der Industrialisierung die ersten Katholiken nach der Reformation wieder in die Region kamen, gehörte der Kindergarten zu den ersten Dinge, die sie in Angriff nahmen. 1919 eröffneten die Borromäerinnen ihre Kleinkindspielschule aus der sich im Laufe des Jahrhunderts das Kinderhaus St. Johannes entwickelte. Bis 1974 leiteten die Ordensschwestern die Einrichtung. 1998 zog das Kinderhaus, das sich in Trägerschaft der Pfarrei befindet, in die heutigen Räumlichkeiten. Seitdem ist Mechthild Hock die Leiterin. Sie kümmert sich mit ihren Kolleginnen um 54 Kinder vom Krippen- bis zum  Hortalter. Damit ist die Kapazität von 73 Plätzen nicht voll ausgeschöpft.
Nur etwa ein Viertel der Kinder kommt aus einer christlichen Familie, berichtet Mechthild Hock. Die Vermittlung von Werten, Traditionen und Brauchtum des Christentums sind ihr und Pfarrer Noack deshalb ein wichtiges Anliegen. Das geschieht zum einen durch die Feier der christlichen Feste, denn, so Mechthild Hock: „Viele Eltern und Kinder wissen heute gar nicht mehr, warum wir Weihnachten oder Ostern feiern.“ Und auch Pfarrer Noack ist deshalb oft im Kindergarten – etwa zur Haussegnung am Jahresanfang, zur Austeilung des Aschekreuzes oder als Nikolaus.

 

Zur Geburtstagsfeier war auch Bischof Ipolt nach Weißwasser gekommen. Er hatte dem Kinderhaus ermutigende Worte und eine Marienfigur als Geschenk mitgebracht.

 

Christliche Werte prägen Miteinander
„Außerdem versuchen wir in unserem Kinderhaus das Miteinander so zu gestalten, dass es von christlichen Werten geprägt ist“, sagt Mechthild Hock. Das kommt bei den Eltern an. „In diesem Kindergarten herrscht eine andere Atmosphäre.“ Oder: „Es ist gut, dass hier Feste wie Weihnachten und Ostern erklärt werden. Ich bin selbst in einer nichtchristlichen Familie aufgewachsen und könnte das meinen Kindern gar nicht vermitteln“, sagen Eltern. Auch dass zur Geburtstagsfeier viele Ehemalige gekommen sind, spricht für die gute Atmosphäre, die im Kinderhaus St. Johannes herrscht.
Bischof Ipolt machte dem Kinderhaus-Team in seinem Glückwunsch Mut, diesen Weg weiterzugehen: „Ein katholisches Kinderhaus ist keine Kinder-Aufbewahrungsstätte, sondern ein Ort kirchlichen Lebens. Die Kinder können hier Erfahrungen sammeln, die für ihr späteres Leben kostbar sind.“ Als Geschenk hatte der Bischof eine Marienfigur mitgebracht, wie es sich das Kinderhaus-Team gewünscht hatte.
Auch die Verantwortlichen der Stadt Weißwasser wissen das katholische Kinderhaus zu schätzen. Das brachte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Bürgerinitiative „Klartext“) in seinem Glückwunsch zum Ausdruck. Mit ihrem Kinderhaus und anderen karitativen Angeboten leiste die katholische Kirche einen großen Beitrag in der Stadt.
Wer 100 Jahre alt wird, der darf natürlich auch eine besonderen Geburtstagswunsch haben. Mechthild Hock fällt die Antwort nicht schwer: „Wir hoffen, dass bald unsere Räumlichkeiten renoviert werden können.“

Von Matthias Holluba