04.04.2019

Institut für Katholische Theologie an der Berliner Humboldt-Uni

„Leuchtfeuer“ für den Dialog

An der Berliner Humboldt-Universität wird ab Herbst diesen Jahres das Institut für Katholische Theologie seinen Lehrbetrieb aufnehmen. Zurzeit laufen die Berufungsverfahren für die fünf Professorenstellen.

Im Herbst soll das Institut für Katholische Theologie an der Humboldt-Universität seinen Betrieb aufnehmen. | Foto: kna

 

„Sie können sich wahrscheinlich nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf diesen Tag gefreut habe“, sagt Berlins Erzbischof Heiner Koch. Und die Freude ist ihm regelrecht anzusehen. Seit seinem Amtsantritt in Berlin setzt er sich für eine Stärkung der theologischen Wissenschaft in seiner Bischofsstadt und damit in der deutschen Hauptstadt ein. Nun ist es soweit: Mit dem kommenden Wintersemester soll das Institut für Katholische Theologie an der Humboldt-Universität (HU) seinen Lehrbetrieb aufnehmen. Bisher gibt es in Berlin das Seminar für Katholische Theologie an der Freien Universität (FU) mit zuletzt zwei Professuren. Die Gründung einer katholischen Fakultät mit zwölf Lehrstühlen an der HU war vor 20 Jahren in der Planung steckengeblieben.

Ort des Dialogs der Wissenschaften
Das neue Institut soll ein „wissenschaftlicher Dialog-Ort“ zwischen den Theologien und den säkularen Wissenschaften werden, wünscht sich Erzbischof Koch. Dabei ist nicht nur die katholische Theologie im Blick, sondern auch die evangelische, islamische und jüdische. „Ohne die Rede von Gott fehlt dem Kreis der Wissenschaften die wissenschaftliche Reflexion auf eine grundlegende Dimension des Menschen“, ist der Erzbischof überzeugt.
Für die Präsidentin der HU, Sabine Kunst, ist die Errichtung des Katholischen Institutes „ein wichtiger und richtiger Schritt“. Die Humboldt-Universität werde die katholische Theologie in ihr wissenschaftliches Netzwerk einbinden. Das sei „ein sinnvoller Schritt. Wir kommen damit dem Diskurs der Theologien an der HU Schritt für Schritt näher.“ Schon jetzt zeige sich, dass das für Berlin und vielleicht für ganz Deutschland ertragreich werden könne. „Religionen beeinflussen unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und ganz sicher auch unser Zukunft. Eine wissenschaftliche Befassung mit diesen Themen ist und bleibt eine wichtige Aufgabe einer Universität.“
Der Aufbau des Instituts komme wie geplant voran, sagte Gründungsdirektor Johannes Helmrath. Er hat große Pläne für die neue Einrichtung: Das Institut soll ein „Leuchtfeuer“ und „ein kulturelles Laboratorium“ werden. Das Institut erhält Lehrstühle für biblische, historische, praktische und systematische Theologie sowie für theologische Ethik. Zugeordnet wird außerdem die schon bestehende Guardini-Professur. 
Als „Herzstück“ bezeichnete Helmrath einen neuartigen Bachelorstudiengang „Religion und Gesellschaft“, der theologische Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Fragen suchen soll. An der genauen Ausgestaltung dieses Studiengangs sollen die künftigen Professoren beteiligt sein, weshalb er erst ab Wintersemester 2020/21 angeboten wird. Dieses und die anderen Angebote für Bachelor- und Masterabschlüsse sollen für Tätigkeiten in Schule und Bildungsarbeit, in Verbänden, Medien und Wissenschaft qualifizieren.

Bibliothek von Kardinal Lehmann als Geschenk
Zurzeit laufen die Berufungsverfahren für die fünf zu besetzenden Professuren. In der engeren Auswahl seien 22 Bewerber, darunter ein Drittel Frauen, so Helmrath. Der Lehrbetrieb wird mit voraussichtlich 30 bis 40 Studenten starten.
Der Sitz des Institutes wird im ehemaligen Gebäude der Gerichtsmedizin in der Hannoverschen Strasse 6 sein, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Katholischen Akademie. Zur Eröffnung erhält das Institut ein besonderes Geschenk aus prominenter Hand: Der verstorbene Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat ihm seine aus 36 000 theologischen Werken bestehende Bibliothek vermacht.

Von Matthias Holluba