19.04.2018

Pfarrei Heilige Mutter Teresa für ganz Chemnitz neu errichtet

Eine Frau muss ran

Bischof Heinrich Timmerevers gründet am 22. April für ganz Chemnitz die Pfarrei Heilige Mutter Teresa. Die bisherigen Pfarrpatrone Joseph, Johannes Nepomuk, Antonius und Franziskus bleiben als Kirchenpatrone erhalten.


Mutter Teresa bei ihrem Chemnitz-Besuch im Jahr 1988. Nach ihr wird die Pfarrei Chemnitz benannt. | Foto: picture alliance


„Auf Mutter Teresa als Pfarrpatronin haben wir uns schnell einigen können“, sagt der Chemnitzer Propst Clemens Rehor, „als Zeichen für gelebte Barmherzigkeit, die heute besonders notwendig ist.“ Mutter Teresa hatte in den 1980er Jahren Chemnitz – damals Karl-Marx-Stadt – zweimal besucht. Viele Katholiken der Stadt können sich noch an persönliche Begegnungen mit der Ordensfrau erinnern. Propst Rehor fügt augenzwinkernd hinzu: „Wir hatten bislang lauter Pfarreien mit Männernamen hier: Nepomuk, Antonius, Joseph, Franziskus. In diese Männergesellschaft hier musste jetzt mal eine Frau rein.“
Zur neugegründeten Pfarrei gehören künftig alle 6 493 Katholiken der Stadt Chemnitz sowie der Orte Frankenberg und Zschopau, die bereits heute Teile Chemnitzer Pfarreien sind. Leiter der Pfarrei ist Propst Clemens Rehor (64). Pfarrkirche und damit Hauptsitz der Pfarrei wird die Propsteikirche St. Johannes Nepomuk sein, die – wie die anderen Kirchen auch – ihren Namen behält.

Auf der Suche nach dem Auftrag Gottes
Die Strukturanpassungen sind Folge eines geistlichen Aufbruchs, zu dem Bischof Timmerevers ermutigt hatte: „Es muss um die Frage gehen: Wie sind wir Kirche vor Ort und in unserer Region, und was ist der Auftrag Gottes an uns heute?“
Auf die Suche nach Antworten darauf waren die Gemeinden des Bistums bereits im Jahr 2013 mit einem „Pastoralen Erkundungsprozess“ geschickt worden. Jede Pfarrei sollte sich fragen, wo in ihrem Umfeld ähnliche Herausforderungen anstehen und ob man sich zur Lösung der künftigen Aufgaben zusammenschließen könne.
Das Bistum Dresden-Meißen, das den Großteil Sachsens und weite Teile Ostthüringens umfasst, war bis vor kurzem noch in 97 Pfarreien unterteilt. Bis Ende 2020 werden diese kleinteiligen Einheiten als 33 größere Pfarreien – der traditionellen Struktureinheit innerhalb der katholischen Kirche – neu gegründet. Den Anfang machte Ende letzten Jahres die Region um Leutersdorf in der Oberlausitz. Nun folgt mit Chemnitz erstmals eine Großstadt-Pfarrei.
In Chemnitz liegen die Anfänge der Kooperation sogar noch etwas länger zurück. Ausgehend von anstehenden Baumaßnahmen hatte hier 2012 unter dem Namen „Chemnitzer Stadtgespräch“ ein intensiver Beratungsprozess aller Pfarreien der Stadt begonnen, der auch weitere kirchliche Orte mit in den Blick nahm.
So gibt es in der drittgrößten Stadt Sachsens beispielsweise die Ordensgemeinschaften der Salesianer Don Boscos mit dem Don-Bosco-Haus, die Niederbronner Schwestern und die Missionarinnen der Nächstenliebe (besser bekannt als Mutter-Teresa-Schwestern), den Caritasverband mit seinen Einrichtungen wie dem Thomas-Morus-Haus oder katholischen Kindergärten, Seelsorgeangebote wie Gefängnisseelsorge, ökumenische Krankenhaus- und ökumenische Telefon-Seelsorge, Polizeiseelsorge, eine Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Bistums, das Agricolaforum der Katholischen Akademie, das Jugendhaus Lebenszeichen, die Geistlichen Gemeinschaften „Neokatechumenat“ und „Koinonia Johannes der Täufer“, die Katholische Studenten-Gemeinde und zwei Vereine für Kirchenmusik.

Von Michael Baudisch