14.11.2019

Pfarrei St. Josef Niesky geht ungewöhnliche Wege

Farben, Licht und Töne

Die Pfarrei St. Josef in Niesky geht ungewöhnliche Wege, um auf ihre Holz-Kirche und auf die christliche Botschaft aufmerksam zu machen. Zurzeit ist es das Ziel, ein Autobahnschild zu errichten, das auf die Kirche hinweist.

Die Pfarrkirche St. Josef in Niesky war von außen mit über 20 unterschiedlich farbigen Scheinwerfern und Spots beleuchtet worden.    Fotos: Raphael Schmidt

 

Das Geräusch, dass sich der Pfarrkirche St. Josef am Abend des 19. Oktober nähert und wieder entfernt, klingt wie die Mischung aus Rasenmäher und Zahnarztbohrer. Beim Blick in den fast dunklen Himmel ist ein grünes Blinken zu erkennen. Es stammt von einer Drohne. Bestückt ist sie mit einer Kamera, die hochauflösliche Bilder von der Kirche sendet. Dort ändern sich ständig die Farben, Scheinwerfer und Spots werden von einigen jungen Leuten, die um die Kirche wuseln, neu postitioniert, die Strahlen gezielter ausgerichtet.
„Kirche im Licht“, die Idee hat Pfarrer Krystian Burczek schon lange. Jetzt hat er sie realisiert.  „Die Kirche als Objekt durch Lichteffekte exponieren, hat Lukas Hänsch aus unserer Gemeinde ermöglicht“, sagt Pfarrer Burczek. Verwirklicht haben sie Fabian Mauksch und sein junges Team. Für die Veranstaltungstechniker war das Ausleuchten Neuland.  „Das Licht sollte außen wechseln und innen den Raum gut ausleuchten“, sagt der Pfarrer und geht in die Kirche, die in blauen Farbentönen dezent leuchtet.

 

Die Nieskyer Pfarrkirche ist auf dem Autobahnschild zu sehen.

 

MEINUNG
Christliche Kräfte bündeln
Eine kleine Gemeinde, die etwas abseits liegt, hat wenig Chancen, auf sich, auf Kirche, aufmerksam zu machen und christliche Botschaften hörbar an die Öffentlichkeit zu bringen. In Niesky, der Kleinstadt, 25 Kilometer nördlich von Görlitz, sind es ihrer schon drei. Die „St. Josef“-Pfarrei, die evangelisch Gemeinde und die der Brüdergemeine verstehen es immer
Raphael Schmidt

wieder, Interessantes in die regionalen Medien zu bringen. Die Seelsorger ziehen auf derselben Seite des Seils – und die Gemeinden ziehen mit. Gemeinsame Martinsfeiern gehören seit Jahren ins Stadtbild. Die Werbe-Tafel an der Autobahn würde es ohne die Aktivitäten der Gemeinde wohl nicht geben. Und mit dem Doppelprojekt „Tod und neues Leben“, wie es auf der Görlitz-Seite der vorigen Ausgabe angekündigt wurde, wollen die Christen in Niesky in der Gesellschaft Sauerteig sein, und – wie es heißt – auf den christlichen „Mehr-Wert“ hinweisen.

Ziel ist, die Holzhäuser gut zu präsentieren
Einige Minuten sitzt Pfarrer Burczek auf der Empore, lauscht dem Konzert für Orgel und Fagott, um danach – so leise es auf Holztreppen geht – wieder zu schauen, ob alles so funktioniert, wie es geplant ist. Beim Laufen um die Kirche erklärt er, welchem Ziel dieser doch erhebliche Aufwand vordergründig dient: „Sinn der Sache ist es, diese Kirche als ein wichtiges Objekt der Tradition der Niesky Holzhäuser gut zu präsentieren“. Die Nieskyer Holzbaufirma „Christoph & Unmack“ errichtete nach Plänen von Konrad Wachsmann Holzhäuser. Um auf diese Besonderheit hinzuweisen, soll an der Autobahnabfahrt Niederseifersdorf ein Schild aufgestellt werden, auf dem auch die Kirche zu sehen sein wird. Die Kosten für das Schild „betragen etwa 2000 Euro, der Aufsteller und die Aufstellung etwa 10 000“, informiert der Pfarrer, der nicht will, dass das Projekt, für das inzwischen alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen, „wieder in der Schublade verschwindet“. Für dieses Vorhaben war die Kollekte beim Konzert. Zusammen mit „Einzelspenden von Menschen, die Geld gegeben haben, weil die Kirche auf dem Schild abgebildet ist“, ist die Tafel nahezu bezahlt. Sobald sie fertig ist, wird sie in Niesky ausgestellt – und dies so lange, bis die Gelder für die Anbringung aufgebracht sind. Auch dafür hat Pfarrer Burczek einen Plan: „Zwei Kameraleute waren unterwegs; einer steuerte die Drohne. Es entsteht ein Film, der als DVD noch vor Weihnachten erhältlich sein wird, für einen Obolus, damit die Kirche an der Autobahn bald zu sehen sein wird und Menschen anlockt, auch das Original zu besuchen“, sagt der Pfarrer.
Die Kabel von den Strahlern führen zur Schaltzentrale neben dem Gemeindehaus. Dort steht Fabian Mietsch an einem Pult voller Regler. Er hat eine Ausbildung im Bereich Beleuchtung absolviert. „Ich habe bereits diverse Kirchen, Säle, Gebäude... beleuchtet. Ich mache so etwas leidenschaftlich gerne“, sagt er. „Die Herausforderungen lagen in der Struktur des Gebäudes, der Architektur und daran, die besonderen Highlights dieser sehr dunklen Kirche hervorzuheben. Die langen Kabelwege – etwa 700 Meter – die Strom- und Signalversorgung vom Lichtsteuerpult aus, kamen dazu. Innen war die Herausforderung, nicht zu aufdringlich zu beleuchten, denn der Fokus sollte auf der Musik liegen“.

 
 
Im Inneren der Nieskyer Kirche dominierten blaue Farben und viele Töne bei einem Benefizkonzert zugunsten der Niesky-Tafel an der Autobahn. Diözesankirchenmusikdirektor Thomas Seyda spielte die Orgel, Ellen Letzel Fagott.

 

Von der Geschäftigkeit draußen bekommen die beiden Musiker – Diözesankirchenmusikdirektor Thomas Seyda und Ellen Letzel – ebenso wenig mit, wie die knapp 30 Konzertbesucher. Es erklingen Stücke von Franz Anton Pfeiffer, Franz Danzi, Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart. „Die Auswahl der Stücke stammt hauptsächlich von Ellen Letzel. Entscheidend war, dass die Stücke mit der Orgel, die ja nur ein Manual hat, gut spielbar, eingängig, aber doch musikalisch anspruchsvoll sind“, sagt Domkantor Seyda. Das Stück „für Orgel solo, war dabei, um die klanglichen Möglichkeiten der Orgel zu zeigen.“
Das Konzert ist vorbei, die Drohne gelandet, Kabel und Strahler verpackt. „Der Aufwand  hat sich gelohnt“, sagt Pfarrer Burczek zufrieden.
 
Von Raphael Schmidt