10.02.2022

Kardinal Hollerich besucht Zisterzienser in Neuzelle

Zeichen der Hoffnung

Kardinal Jean-Claude Hollerich besuchte die Zisterzienser in Neuzelle. Gemeinsam mit Bischof Wolfgang Ipolt segnete er das Holzkreuz auf dem Baugrund des neuen Klosters Maria Friedenshort.

Kardinal Jean-Claude Hollerich segnet das Holzkreuz auf dem Gelände des künftigen Klosters.    Fotos: Markus Riccabona

„Ich bin dankbar, dass Sie dem Ruf nach Neuzelle nachgekommen sind. Sie sind ein Zeichen der Hoffnung. Sie bezeugen, worum es in der Kirche geht.“ Das betonte der Erzbischof von Luxemburg, Jean-Claude Hollerich, bei einem Kurzbesuch im Zisterzienserpriorat Neuzelle am 1. Februar. Rabbiner Walter Homolka hatte den Vorsitzenden der Bischofskommission der Europäischen Gemeinschaft am Vortag in Berlin mit dem Abraham-Geiger-Preis ausgezeichnet (der Tag des Herrn berichtete). Der Kardinal war in den Wallfahrtsort des Bistums Görlitz gekommen, um gemeinsam mit den Zisterziensermönchen und Bischof Wolfgang Ipolt das Chorgebet zu beten und das Holzkreuz am Gelände des künftigen Klosters „Maria Friedenshort“ zu segnen.
„Ich finde es wunderbar, dass auf einem ehemaligen Stasi-Gelände ein Kloster gebaut werden soll“, sagte Kardinal Hollerich bei der Segnung des vier Meter hohen Holzkreuzes, das von Gemeindemitgliedern der Pfarrei Neuzelle und Unterstützern des Klosterbaus gebaut und am höchsten Punkt des Klostergeländes errichtet wurde. Menschliches Leid schreie nach dem Sinn. Die Antwort auf die Sinnfrage sei die Liebe Gottes, die sich im Kreuz offenbare. „Wenn wir unser Kreuz auf uns nehmen, wird es zu einem Akt der Nachfolge Christi.“

„Der Weg kann nur in Christus sein“
Kardinal Hollerich und Gastgeber Bischof Ipolt nahmen auch am Chorgebet der Mönche in der Stiftskirche von Neuzelle teil. Bei seiner Ansprache zum Mittagsgebet hob der Kardinal die Bedeutung der Einheit der Kirche hervor, besonders für den angelaufenen weltweiten synodalen Prozess.
„Wenn wir zu einem synodalen Prozess aufbrechen, müssen wir zusammenhalten. Der Weg kann nur in Christus sein.“ Dafür brauche es die Führung des Heiligen Geistes, die nur erfahren werden könne, „wenn wir Menschen des Gebetes sind“, wie Hollerich betonte.

Während des Mittagsgebets mahnte der Kardinal zu Zusammenhalt im synodalen Prozess.

 

Kirche soll Menschen zur inneren Freiheit führen
Der Luxemburger Kardinal bedauerte zudem die fehlende Weitergabe des Glaubens an die nächsten Generationen in Europa. Für die Glaubensweitergabe müsse das Christentum so gelebt werden, dass es in unserer Zeit Bestand habe, dass seine Botschaft ankomme, so Hollerich. „Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, das heißt, sie soll die Menschen zu einer inneren Freiheit führen, aus der eine Gottesbegegnung möglich ist.“ Mit Blick auf die jüdischen Glaubensgeschwister wies der Luxemburger Erzbischof auf die besondere Beziehung der Kirche zum Judentum hin: „Wir stehen in lebendigem Austausch mit dem Judentum, denn wir kommen aus dem Judentum. Mein Heiland und Erlöser war Jude.“ Es sei wichtig, mit Verwandten gute Beziehungen zu haben, und „die Synagoge ist unsere Mutter, die wir in der Vergangenheit nicht immer gut behandelt haben“, so Hollerich. Rabbiner Walter Homolka war ebenfalls Gast in Neuzelle.

Von Markus Riccabona