12.01.2023

Jugendliche aus dem Erzbistum Berlin bei der Beisetzung von Benedikt XVI.

Weltumspannende Kirche erlebt

Sechs Jugendliche haben mit drei erwachsenen Begleitern aus den Pastoralen Räumen Hoppenwalde-Pasewalk und Templin-Prenzlau-Schwedt an der Beisetzung von Papst Benedikt XVI. in Rom teilgenommen.

In Hall/Tirol genossen die Rom-Reisenden die Gastfreundschaft der Kreuzschwestern.    Foto: Privat

 

„Wir haben die Kirche als weltumspannend erfahren. Das hat besonders unsere Jugendlichen beeindruckt, die Kirche bisher nur in der Diaspora kennengelernt haben“, sagt Tobias Flügel, der Verwaltungsleiter der pastoralen  Räume Hoppenwalde-Pasewalk und Templin-Prenzlau-Schwedt.
Die Leitungsteams der beiden pastoralen Räume hatten die Idee, den historischen Moment der Totenmesse für Benedikt XVI.  mit jungen Christen nicht nur vor dem Bildschirm mitzufeiern, sondern direkt vor Ort.
Als sie die katholischen Eltern der Region über die mögliche Fahrt informierten, war nur klar, dass sie die 1700 Kilometer nach Rom im Bonifatiusbus zurücklegen würden. Wo ihre Kinder übernachten würden, klärte sich erst kurz vor der Abfahrt. Die Idee begeisterte viele, doch die meisten schreckte die Hürde, sich vier Tage von der Schule freistellen zu lassen. Elias, Jakob, David, Lenni-Maxim, Heidi und Rosali waren schließlich mit dabei.
Besonders beeindruckt waren sie von der ruhigen Würde des Requiems. „Durch leises Klatschen brachten die Mitfeiernden ihre Zuneigung und Anerkennung zum ehemaligen Papst aus Deutschland zum Ausdruck. „Wir haben noch nie einen so würdevollen Applaus gehört“, waren sich die Pilger aus Vorpommern und der Uckermark einig. Nach der Trauerfeier verteilten die Jugendlichen ihre letzten Kekse an andere Pilger und brachten dabei ihre Sprachkenntnisse zum Einsatz. „Hier ist wirklich die ganze Welt vertreten“, stellten sie dabei  fest.

Geborgenheit und Gottvertrauen
„Wir hatten die ganze Fahrt über ein tiefes Gefühl der Geborgenheit und des Gottvertrauens“, erzählt Tobias Flügel. Auf der Hinfahrt fand die Gruppe Nachtquartier und köstliche Verpflegung bei Kreuzschwestern in Hall/Tirol. Schwester Andrea erzählte aus ihrem Leben und beeindruckte mit ihrem Glaubenszeugnis. Der Kreuzorden war es auch, der in Rom sehr spontan ein Übernachtungsquartier in einem Büro und der Bibliothek bereitstellte. Bruder Tarzisius bot sich als Begleiter und Stadtführer an. Bereits um fünf Uhr standen die Jugendlichen am folgenden Tag auf, um sich rechtzeitig Plätze auf dem Petersplatz zu sichern. Auf dem Weg dorthin stiegen schon an der zweiten Haltestelle Ordensschwestern aus Mexiko, Vietnam und Brasilien in ihren Bus zu und kamen gleich mit ihnen ins Gespräch.   
Im Vatikan angekommen, war es an den beiden Kontrollstellen, die sie durchlaufen mussten,  schon so voll, dass sie den Petersplatz erst eine Stunde später erreichten. Sie hörten eine bayerische Blaskapelle und sahen sie später an sich vorüberziehen. Als sie auf Höhe des Obelisken ihre Plätze fanden, trockneten sie die Stühle und hatten bei Nebel und einer Temperatur von fünf Grad noch drei Stunden Zeit, bis der Gottesdienst begann.
Bis zu ihrer Abreise am darauffolgenden Freitagmorgen sahen die Reisenden aus dem Erzbistum Berlin noch die Basilika Sankt Paul vor den Mauern, die Katakombe San Calisto, die Kapelle des Messdiener-Schutzheiligen Tarzisius, das Forum Romanum und die Trajansäule.
Auf der Rückfahrt bot die Niederlassung des Kreuzordens auf der malerisch gelegenen Tiroler Burg St. Petersberg Quartier. Pater Ulrich lud seine Gäste ein, wieder zu kommen. Der ehemalige Kerkerturm biete Platz für 17 Übernachtungsgäste.

„Die Katholiken sind ja auch noch da!“
Nach ihrer Rückkehr sind Jugendliche und Begleiter dankbar, dass sie soviel über ihren Glauben erfahren durften. „Wir haben die verschiedensten Menschen getroffen, viele Orte des Glaubens besucht und durften erfahren: Der Glaube verbindet – von guten Mächten wunderbar geborgen“, schreibt Tobias Flügel. Am vergangenen Sonntag hat die Templiner Gemeinde die Gruppe gemeinsam mit den Sternsingern empfangen.
Sehr erfreut ist der Verwaltungsleiter auch darüber, dass die örtlichen Tageszeitungen Haffkurier und Uckermarkkurier ausführlich über die spontane Romreise berichtet haben. „Nach der langen Coronapause war dies eine gute Gelegenheit, wieder einmal in der Öffentlichkeit zu zeigen: Wir Katholiken sind noch da!“

(tf/tdh)