31.03.2022

Eine neue Glocke für die Jauernicker Dorfkirche

Hedwig ruft zum Frieden

Eine neue Glocke für die Jauernicker Dorfkirche hat Bischof Wolfgang Ipolt am vergangenen Sonntag gesegnet. Die St.-Hedwigs-Glocke war im Februar  im westfälischen Gescher gegossen worden.

 
Prälat Peter Canisius Birkner (links) und Bischof Wolfgang Ipolt mit der neuen Hedwigs-Glocke.    Foto: Wolfgang Gürlach

 

In der Stiftskirche „St. Wenzeslaus“ in Jauernick rufen demnächst zwei Glocken zu Gebet und Gottesdienst. Das Läuten der vorhandenen Josephs-Glocke war im Zuge der Turmsanierung vor über drei Jahren eingestellt worden. Dank einer großzügigen Spende des Görlitzer Prälaten Peter Canisius Birkner, der bis 2009 Pfarrer in Jauernick war, konnte am 11. Februar die auf den Ton e2 gestimmte St.-Hedwigs-Glocke gegossen werden. Den Auftrag dazu erhielt die Glockengießerei Petit & und Edelbrock in Gescher, die 1931 bereits die Josephs-Glocke gegossen hatte. 
 
Ein selbst komponiertes Lied zur Glockenweihe
Die neue Glocke – mit 130 Kilogramm etwas leichter als die vorhandene – trägt den Namen Hedwig, ein Hinweis auf die Görlitzer Bistumspatronin, die auch jenseits der Grenze verehrt wird. Ausdruck der verbindenden Kraft dieser gemeinsamen Verehrung war die Teilnahme einer polnischen Jugendgruppe aus Zgorzelec. Der Bischof begrüßte die Jugendlichen und ihren Kaplan auf polnisch und wies darauf hin, dass die Glocke auch eine Mahnerin für den Frieden sei. „Ich rufe zu Frieden über alle Grenzen hinweg“, ist als Inschrift auf ihr zu lesen.
Jakob Kretschmer, ein junger Kirchenmusiker aus Jauernick, griff diesen Gedanken in einem eigens für den Tag der Glockenweihe komponiertem Lied auf. Es erklang erstmalig und wurde begeistert von der ganzenGemeinde mitgesungen: „... Herr segne das Läuten, Herr segne die Zeit und mach durch den Klang unsre Herzen bereit...“
Nach dem Weihegebet beauftragte der Bischof einen Ministranten, erstmalig die neue Glocke anzuschlagen. „Drei Glockenschläge schenken mit ihrem Wohlklang allen Anwesenden einen glücklichen Moment, einen heiligen Schauer, gemischt mit Stolz und Dankbarkeit“, beschrieb ein Teilnehmer später die Gefühle dieses Augenblicks.
Jauernick hat nicht nur als Kirchenstandort eine lange Geschichte – den Überlieferungen zufolge soll hier bereits 967 eine erste Holzkirche errichtet worden sein – auch die Glockentradition ist bemerkenswert. Erste Hinweise auf Jauernicker Glocken stammen aus dem Jahr 1438. Bekannt ist, dass eine der drei Glocken aus dieser Zeit 1615 zersprang. Sie wurde in Zittau neu gegossen und ein Jahr später wieder auf den Turm gebracht.
 
Verbesserte Statik für das Zweiergeläut
1867 wurden die drei alten Glocken von der Firma Gruhl in Kleinwelka umgegossen. Die größte der neuen Glocken war 651 Kilogramm schwer und trug den Namen der Äbtissin Gabriela Marschner aus dem Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal, zu dem das Dorf und die Kirche Jauernick seit 1242 gehören. Über den Verbleib des in Kleinwelka gegossenes Geläutes gibt es keinen geschichtlichen Nachweis. Es ist aber anzunehmen, dass sie im Ersten Weltkrieg der Rüstungsindustrie zugeführt wurden.
Auch die Glocken, die gemeinsam mit der Josefs-Glocke 1931 in Gescher gegossen wurden, teilten dieses Schicksal. Wenn sie gemeinsam mit der neuen Glocke demnächst aufgehängt wird, geschieht das nach neuesten statischen Erkenntnissen, sichert Michael Gürlach, der Glockensachverständige des Bistums, zu.
Bisher war die Josefs-Glocke in der Konstruktion der Turmhaube gelagert, so dass die Schwingungen der Glocke direkt in die Turmkonstruktion übertragen wurden. Seit vergangenem Sommer wird diese Konstruktion saniert.
 
(mg/jr/tdh)