04.10.2018

„die pastorale!“ in Magdeburg

„Grüne Woche für Kirche“

In einem Jahr soll in Magdeburg „die pastorale!“ – Fachmesse und Ideenbörse zum kirchlichen Leben in der ostdeutschen Diaspora stattfinden. Der TAG DES HERRN sprach darüber mit Guido Erbrich vom Vorbereitungsteam.

Eines der Bildmotive, mit denen „die pastorale!“ auf sich aufmerksam macht.
 
Herr Erbrich, was ist „die pastorale!“?
Guido Erbrich vom Roncalli-Haus Magdeburg leitet das Vorbereitungsteam der „pastorale!“.

Der Untertitel soll das erklären: „die pastorale!“ ist eine Fachmesse und Ideenbörse für das kirchliche Leben in Ostdeutschland. Eine Messe und Ideenbörse ist ein buntes Geschehen. Viele Menschen kommen an einem Ort zusammen und tauschen sich aus. Wir Christen verbinden mit Messe auch unsere Eucharistiefeier. Sie spielt sich aber nicht im luftleeren Raum ab, sondern mitten auf dem bunten Markt des Lebens um uns herum. Hier leben wir Christen und hier sollen wir unsere frohe Botschaft verkünden. Nun ist die Situation im Osten Deutschlands eine besondere, weil es hier nur eine sehr kleine Zahl von Christen gibt. Wir wollen danach fragen, wo und wie sich kirchliches Leben in diesem Umfeld ereignet. Alle, die Interesse haben, darüber ins Gespräch zu kommen, sind herzlich eingeladen.

2006 und 2009 gab es schon einmal zwei Veranstaltungen unter dem Titel „die pastorale!“. Was ist der Anlass, das jetzt wieder aufzugreifen?

Bei den beiden Veranstaltungen haben wir danach gefragt, wie hat die katholische Kirche in Ostdeutschland die neuen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen nach dem Ende der DDR genutzt. Was ist in dieser Zeit gewachsen? Eigentlich sollte es dann im Abstand von drei Jahren weitergehen, aber es kamen zwei Großereignisse dazwischen: der Papstbesuch im Bistum Erfurt und der Katholikentag in Leipzig. Jetzt erschien es uns an der Zeit, die Idee wieder aufzugreifen. Nachdem die beiden ersten Veranstaltungen im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz stattgefunden haben, wollen wir nun in eine typische ostdeutsche Stadt gehen, wie es Magdeburg ist. Bischof Gerhard Feige hat inzwischen als Gastgeber dazu eingeladen.
2019 bietet sich auch deshalb an, weil es im nächsten Jahr 25 Jahre her ist, dass die kirchlichen Strukturen in Ostdeutschland neu geregelt wurden. Erfurt, Görlitz und Magdeburg wurden richtige Bistümer. Auf der „pastorale!“ können wir also auch eine Bilanz dieses Vierteljahrhunderts ziehen.

Wie wird das Programm der „pastorale!“ aussehen?

Salopp formuliert: Es wird eine „Grüne Woche für Kirche“ mit Vorträgen, Info-Ständen und Workshops. Die Teilnehmer können sich informieren, was machen andere. Jeder kann aber auch eigene Projekte oder Ideen mitbringen, die er vorstellen will. Der wichtigste Aspekt ist, miteinander ins Gespräch zu kommen darüber, wo die Kirche, wo wir als Christen hierzulande stehen und wohin wir wollen. Ein Beispiel könnten die immer größer werdenden „Pastoralen Räume“ sein. Welche Rolle spielt im Gegenzug die Hauskirche? Welche Rolle spielt die Ökumene – nicht nur unter Christen, sondern auch mit Angehörigen anderen Religionen und – als Ökumene der dritten Art – mit den Menschen, die nicht an Gott glauben. Ich denke, dass es hier und bei vielen anderen Themen eine Reihe von Erfahrungen gibt, über die sich der Austausch lohnt.

Wer kann an der „pastorale!“ teilnehmen?

Jeder, dem die Kirche am Herzen liegt, ob er sich nun hauptamtlich oder ehrenamtlich engagiert. Eingeladen sind die Mitarbeiter der Caritas, von denen ja manche der Kirche nicht angehören, die aber mit ihrem Tun für Kirche stehen. „die pastorale!“ ist natürlich ökumenisch offen. Und im Sinne der Ökumene der dritten Art sind auch alle Menschen guten Willens eingeladen, für die Kirche ein ernstzunehmender Partner ist, etwa im kulturellen oder im sozialen Bereich.
„die pastorale!“ ist auch nicht nur eine Veranstaltung für Ostdeutsche. Der Osten ist zwar Ausgangspunkt der Fragestellung, aber inzwischen gibt es im Wes-ten in manchen Regionen ähnliche Verhältnisse oder sie werden sich demnächst einstellen. Wir sind auch nicht allein in der Welt: Mit Schweden etwa gibt es inzwischen über das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken eine gute Zusammenarbeit.

Im Vorfeld des Treffens in Magdeburg wird es in einigen Bistümern „Veranstaltungen auf dem Wege“ geben ...

Wir wollen dabei an Orte gehen, die für unser Wirken als Kirche interessant sind. In Halle werden wir im katholischen Krankenhaus über den Diasporabegriff diskutieren. Im katholischen Gymnasium in Zwickau werden wir das Miteinander der Generationen besprechen. Und in Mühlhausen soll es um die Nutzung von Kirchenräumen gehen. Diese Veranstaltungen sollen zeigen, dass wir als kleine Kirche dennoch an vielen Orten präsent sind.

Welchen Wunsch haben Sie für „die pastorale!“? Wann wird sie eine geglückte Veranstaltung?

Zu DDR-Zeiten haben wir uns über die damaligen „Bistumsgrenzen“ hinweg als Kirche in dieser Region verstanden. Heute spielen die Bistumsstrukturen eine viel größere Rolle als damals. Ich wünsche mir, dass es trotz aller bistumsspezifischen Fragen gelingt, wieder mehr über den eigenen Tellerrand zu gucken. Dabei geht es nicht um Ostalgie, sondern um die Frage, welches Profil Kirche in Ostdeutschland haben muss, um ihrem Auftrag glaubwürdig gerecht zu werden. Da können und müssen wir voneinander und miteinander lernen.

Infos zur „pastorale!“

Interview: Matthias Holluba